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Die Informationen über
Robert Steinhäuser sind spärlich. 19 Jahre alt, ein älterer Bruder,
Robert lebt mit seiner Familie zusammen in Erfurt. Eine ehemalige
Schülerin des Erfurter Gymnasiums schilderte ihn im Gespräch mit
n-tv Mann als offenen, jungen Mann, der gern im Mittelpunkt stand.
Mit Lehrern soll er häufig Probleme gehabt haben, weil er gerne
auffiel. Einmal soll er gesagt haben: "Einmal möchte ich, dass mich
alle kennen." Die schreckliche Tat muss eine Kurzschlussreaktion
gewesen sein, mutmaßt die Ex-Schülerin. Alle Freunde machten Abitur,
er nicht: "Da muss er durchgeknallt sein." Mit Drogen oder Waffen
hatte Robert ihrer Meinung nach nichts zu tun. Einige von Roberts
Mitschüler beschreiben ihn als ruhig, intelligent, kontaktfreudig
und beliebt. Andere dagegen hielten ihn für introvertiert bis
arrogant.
Am Tag des Amoklaufs ist Abiturprüfung. Seine
Eltern wünschen ihm noch viel Glück. Sie denken, er geht zur
Matheprüfung. Am Tag des Amoklaufs ging er allein zum Gymnasium,
berichtet eine Augenzeugin später der Polizei. Niemand zuhause
wusste, dass Robert wahrscheinlich schon vor Monaten wegen
Urkundenfälschung von der Schule geflogen war. Der Rausschmiss für
Robert war kurz vor dem zweiten Anlauf zum Abitur. Was das für seine
Zukunft bedeuten konnte, muss er sich monatelang allein in
düstersten Farben ausgemalt haben: Kein Schulabschluss, keine
Aussicht auf einen Job oder Ausbildungsplatz, geschweige denn ein
Studium.
Ob in der Schule jemand von Roberts Leidenschaft für
Waffen wusste, ist nicht bekannt. Seine Mutter aber sagte der
"Bild"-Zeitung: "Mein Sohn war ein Waffennarr." Er besaß ganz legal
zwei Waffen und bis zu 1200 Schuss Munition. Gleich zwei
Schützenvereinen hatte sich Robert angeschlossen. Seit dem 16.
Oktober 2001 hatte er eine Waffenbesitzkarte. Wann er die Waffen
kaufte und wo er sie aufbewahrte, ist zwei Tage nach dem Blutbad
noch unklar. Auch am Computer hat ihn das Schießen beschäftigt. Der
Polizei zufolge spielte er besonders viele brutale Spiele, bei denen
Spielfiguren erschossen werden müssen.
Das reale Blutbad in
der Schule soll Robert allein angerichtet haben, ganz in schwarz
gekleidet und maskiert. Im Schuleingang traf Geschichtslehrer Heise
ein erstes Mal auf den Vermummten, die Begegnung schildert er
folgendermaßen: "Der Mann sah aus wie ein Ninja-Kämpfer und er
zielte auf die weglaufenden Schüler und brüllte plötzlich, "Euch
krieg' ich auch noch". Dann schoss er auf einen Polizisten, der das
Schulhaus betrat und durchsuchte die Klassenzimmer gezielt nach
Lehrern. Er tötete mit Präzision ? die meisten per
Kopfschuss.
Geschichtslehrer Heise beendet schließlich den
Blutrausch, als er den Täter erneut trifft. Robert demaskiert sich.
Heises Aufforderung, ihm beim Erschießen in die Augen zu blicken,
kommentiert der junge Mann mit den Worten: "Für heute reicht´s, Herr
Heise." Es klingt, als hätte Robert Respekt vor dem Lehrer,
jedenfalls so, wie Heise seine letzte Begegnung mit Robert
schildert. Ob und welche Beziehung Heise zu dem Ex-Gymnasiasten
hatte, ist nicht bekannt. Dass sich der 19-Jährige Amokläufer von
Erfurt in der Schule tötete, deuten Psychologen folgendermaßen:
Selbstmörder setzten ihrem Leben in der Regel am Ort ihrer
Kränkungen ein Ende. |
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| 04.07.2002 | 21:52 |
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