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Porträt eines Rastlosen

Wolfgang Edelstein: Lehrer, Forscher, Berater

Von Reinhard Kahl

Wolfgang Edelstein kommt nicht zur Ruhe. Kurz bevor das vereinbarte Interview stattfinden soll, erhält der bald 73-jährige Bildungsforscher einen dringenden Anruf aus dem Bundesforschungsministerium: Er möge doch kurz seine Meinung zu den Anforderungen der Bildungspolitik nach dem Massaker von Erfurt skizzieren. Also setzt sich Edelstein an den Schreibtisch und verfasst ein Thesenpapier, stellt sich danach den Fragen der ZEIT - und enteilt darauf mit gepackten Koffern zu einer Tagung.

Nein, aufs Altenteil will sich Wolfgang Edelstein nicht setzen. Und seine Leidenschaft, für bessere Schulen zu streiten, ist auch nach fast 40-jähriger Berufstätigkeit nicht abgestumpft. Den emeritierten Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (das derzeit mit der Pisa-Studie Aufsehen erregt) bekümmert dabei besonders das Klima in deutschen Klassenzimmern - sowohl bei Schülern wie bei Lehrern herrsche vielfach Resignation. Die Schüler seien innerlich emigriert, die Lehrer dagegen rieben sich im alltäglichen Kleinkrieg im Klassenzimmer auf. Immerhin: Seit der Pisa-Studie werde wenigstens klar, dass das deutsche System nicht der Weisheit letzter Schluss sei und man vom Ausland lernen könne.

Diese Erfahrung durchzieht auch Wolfgang Edelsteins eigenes Leben, das er als das eines Nomaden beschreibt. 1938, als er neun Jahren alt war, emigrierte die Familie nach Island. Nach dem Abitur in Reykjavik ging der Sohn eines Cellisten zum Studium der klassischen Philologie und Linguistik nach Paris, später nach Heidelberg. Völlig heimisch wurde der Emigrant und Remigrant nirgendwo. Das bekommt den Tugenden eines Forschers gut. Bis heute hat sich Edelstein eine genaue Beobachtungsgabe und ein nicht endendes Staunen bewahrt, ebenso wie die Gewissheit, alles könnte auch anders sein.

Zwischen 1954 und 1963 wurde er Lehrer und später Studienleiter an der berühmten Odenwaldschule in Ober-Hambach, die er heute "die erste deutsche Gesamtschule" nennt. Sie organisierte schon in den fünfziger Jahren didaktische Großprojekte, schickte Lehrer in Freisemestern auf Recherchen ins Ausland und war - wie die heutigen Pisa-Sieger Finnland, Kanada oder Schweden - davon überzeugt, dass jeder Schüler optimal gefördert werden kann (auch ein Daniel Cohn-Bendit, dessen Lehrer Edelstein damals war).

Anfang der sechziger Jahre traf Edelstein den polyglotten Rechtsanwalt Hellmut Becker, der gemeinsam mit dem Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker und den Politikern Carlo Schmidt und Hildegard Hamm-Brücher die überfällige deutsche Bildungsreform in Gang bringen wollte. Gemeinsam mit Alexander Kluge und Jürgen Habermas entwarf Edelstein ein Konzept für ein neu zu gründendes Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Becker wurde Gründungsdirektor, Edelstein erster wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts.

Als Erstes reiste der Bildungsforscher mit dem Philosophen Habermas in die USA, besuchte Schulen und Hochschulen und erarbeitete sich die in den USA aufblühende kognitive Psychologie. Später wurde Edelstein selbst Gastprofessor in Harvard und in Berlin Direktor des Max-Planck-Instituts. Nebenher beriet der isländische Staatsbürger (der er nach wie vor ist) den Bildungsminister in Reykjavik und half, in dem 250 000-Einwohner-Land eine Schulreform zu organisieren.

Auch heute noch verbringt der Emeritus täglich acht Stunden und mehr an seinem Schreibtisch. Seine stete Forderung an den Schulunterricht, Wissen müsse "handlungsorientiert" sein, wendet er dabei auch auf sich selbst an. Für die Berliner Stiftung Brandenburger Tor hat er etwa das Programm Jugend übernimmt Verantwortung entworfen, das Schüler zu politischen oder sozialen Tätigkeiten animieren soll. Und mithilfe der Jacobs-Stiftung hat er ein Programm der Bund-Länder-Kommission initiiert, in dem Edelsteins Ideen in zehn Schulen bundesweit erprobt wurden und das mittlerweile zu einem "Verbund selbstwirksamer Schulen" führte.

In diesen Tagen startet das neueste Großprojekt, an dem Wolfgang Edelstein (zusammen mit anderen) wieder kräftig mitmischt: Demokratie leben und lernen heißt das bundesweite Programm, an dem sich rund 150 Schulen beteiligen und das mit 13 Millionen Euro von Bund und Ländern finanziert wird. Dessen Aufgabe? Die Schulen in einen "Ort sinnerfüllten Lernens und Handelns" zu verwandeln, sagt Edelstein. Ein Ziel, das den Bildungsforscher wohl noch lange auf Trab halten wird.





(c) DIE ZEIT   20/2002   


 
 












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