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Gewalt in der Schule

Von Sabine Etzold

Der Mythos: Die Gewalttätigkeit bei Jugendlichen steigt rapide. Längst sind die Schulen zu Schauplätzen brutaler Übergriffe geworden. Es wird geprügelt, gestohlen, gedealt. Cliquen treten gegeneinander an. Die Lehrer sind machtlos, ja, inzwischen werden sie nicht selten selbst die Opfer der zunehmenden Brutalisierung.

Die Wirklichkeit: Gewalt an Schulen ist ein reales Phänomen, aber sie steigt allen Medienmeldungen zum Trotz nicht an. Eine Studie, die unter der Leitung des Soziologen Siegfried Lamnek an Schulen im bayerischen Eichstätt durchgeführt wurde, brachte den die Forscher selbst überraschenden Befund: "Die wissenschaftliche Hypothese eines vermuteten Anstiegs der Gewalt muss als falsifiziert gelten." Die Studie setzt sich aus zwei schriftlichen Erhebungen aus den Jahren 1994 und 1999 zusammen. Befragt wurden Schüler und Lehrer von 205 Gymnasien, Haupt-, Berufs- und Realschulen zu 23 verschiedenen Gewalthandlungen.

Dazu gehörten: "Einen Mitschüler so geschlagen, dass er zum Arzt musste", "Einen Lehrer geschlagen", "Mit der Clique einen Mitschüler verprügelt" oder "Einen Mitschüler so angeschrien, dass er weinen musste".

Auf einer "Gewaltskala" von null bis vier zeigt sich, dass die Gewalt in nahezu allen Fällen den Wert eins nicht übersteigt. Außerdem hat sie innerhalb der gemessenen Zeitspanne nicht nur nicht zugenommen, sondern sich in einigen Fällen sogar verringert - bei Sachbeschädigungen oder bei Prügeleien. Eine Ausnahme gibt es: Die verbale Gewalt, ohnehin die häufigste Gewaltform an Schulen, hat sich seit 1994 gesteigert.

Und noch ein weiteres Ergebnis ergab die Studie: Die Täter werden jünger. Während sich die Täterzahl bei den über 14-Jährigen verringerte, stieg sie bei den 10- bis 13-Jährigen an. Wenig überraschend war, dass das höchste Gewaltaufkommen an den Hauptschulen zu finden ist und an den Gymnasien das geringste. Verblüffend dagegen ist ein anderes Einzelergebnis: Gewalt ist nicht etwa in den größten Klassen mit über 30 Schülern am häufigsten, sondern in den mittleren mit 20 bis 24 Schülern. Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden da die Berufsschulen: Hier gibt es ausgerechnet in den kleinsten Klassen am häufigsten auf die Mütze.




(c) DIE ZEIT   50/2001   


 
 





 
 









 

 


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