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  Leben
Archiv 47/1999
               




Der Tag danach

Nach dem Mord eines Schülers an seiner Lehrerin: Worüber sprechen Eltern und Jugendliche, Reporter, Pädagogen und Erziehungsberater?

von Wolfram Runkel

»Sie sehen so betroffen aus«

In der Warteschlange unter den Reportern am Tatort in Meißen

Hier herrscht Belagerungszustand. Vor dem fast 100 Jahre alten Schulgebäude stehen etwa 50 Männer und Frauen. Sie warten. Worauf? Auf irgendetwas. Die Gesichter sind gelangweilt, gereizt, wütend, ratlos, lauernd. Die Wartenden sind mit Mikrofonen und Kameras ausgerüstet, manche davon so groß wie Maschinenge-wehre. Transporter mit drehbaren Antennenschüsseln stehen neben Spähwagen, deren Leitern und Richtantennen bis auf 30 Meter Höhe ausgefahren wurden. Die Männer und Frauen wollen Bilder machen und reden. Aber hier ist niemand, der mit ihnen reden will. Also reden sie nur mit ihren Handys.

Ein RTL-Mann sagt: »Noch nie wurde bei einem ähnlichen Ereignis so konsequent gemauert.« Die Mauer der Abschottung trennt die draußen von denen drinnen. In dieser Schule ist ein Mord geschehen: Während des Unterrichts hat ein 15jähriger Junge aus der 9. Klasse seine 44-jährige Lehrerin erstochen. So viel weiß man. Aber die Leser wollen mehr wissen. Und mehr sehen. Wofür haben sie den Fernseher?

Die Männer und Frauen, deren Job es ist, Antworten und Bilder zu beschaffen, stehen buchstäblich im Regen. Sie bekommen hier keine Antworten. Wer versucht, durch die große Tür des öffentlichen Gebäudes einzutreten, sieht sich sofort einer Front von Polizisten gegenüber, die den Besucher wie einen Hausierer zurückweisen. Grund: die Medien. Nur wer als Verwandter oder als Freund von Schülern, Lehrern oder Eltern seiner Trauer Ausdruck geben will, darf herein. Draußen kommt jemand auf die Idee, »mit einer Trauerrose« den Eintritt zu erschleichen. Der Presseausweis, der doch sonst wie ein Zauberstab alle Türen öffnet, wirkt hier wie das Zeichen eines Aussätzigen.

Meißens Oberbürgermeister Thomas Pohlack erläutert das Presse-Verdikt: »Die Lehrer baten uns, sie vor den Geiern zu schützen.« Als Erfolgsmeldung lässt er verbreiten, es sei keinem TV-Team gelungen, den blutverschmierten Flur, auf dem die Lehrerin starb, zu filmen.

So viel ist richtig: Einige der Medienvertreter aus den Dutzenden von Fernsehteams und Boulevardblättern arbeiten mit hemmungslosen und verletzenden Methoden. Da Eltern und Lehrer schweigen, versuchen manche ihr Glück bei verstörten Schülern, die das Gebäude verlassen. Einige Kinder werden mit Tausendmarkscheinen geködert und zu fragwürdigen Aussagen unter falschem Namen überredet. Abenteuerliche Geschichten über Grufti-Bräuche, Äußerungen über Horrorvideos, Hassgefühle der strengen Lehrerin gegenüber, Liebeskummer-Erlebnisse, garniert mit deutlichem Geltungsbedürfnis - alles wird mitgeschnitten und zum Teil gesendet. Ein Mädchen erscheint geschminkt wie zum Casting für einen Film. Eine andere schildert ihre heimliche Liebe zu Andreas, den sie nach der Tat in einem neuen Licht sieht. Die Kameras klicken.

Viele in Meißen halten die Journalisten für die eigentlich Schuldigen dieses Mordes. So macht Bürgermeister Pohlack die »negative Vorbildwirkung« der Berichterstattung für die Gewalt verantwortlich: »Im Fernsehen bekommt man doch regelrechte Bedienungsanleitungen, wie man jemanden umbringt.« Cornelia Franke, die Sprecherin des Regionalschulamtes, bezeichnet das Auftreten der Medien als die eigentliche Gewalt. Als ein Mitglied des Landesschülerrats über »das hohe Aggressionspotenzial« an den sächsischen Schulen spricht, besteht Frau Franke ausdrücklich »auf einem Einzelfall« in Meißen.

Um ihre Medienbeschuldigung publik machen zu können, benötigten die Ankläger ihrerseits Medien. Die sächsischen Behörden haben dafür den öffentlich-rechtlichen Mitteldeutschen Rundfunk. Rasch wird eine Live-Sendung angesetzt, auf der auch der Schulleiter sein Schweigen bricht. Die Ausgeschlossenen vor der Schule warten weiter. In ihrem Frust bestürmt mich eine Reporterin von Pro Sieben. Ob ich ein Schülervater sei oder ein Lehrer, möchte sie wissen. Wie sie darauf komme? »Sie sehen so betroffen aus.« Schließlich öffnet die Schule einigen Journalisten das Haus, um kurz eine Gedenkstätte für die Tote zu zeigen.

Langsam löst sich die Belagerung auf. Einige Kollegen fahren nach Hause, andere erhalten aus der Heimatredaktion den Auftrag, weiterzumachen, »aber nicht so dünn wie bisher«.

»Ihr provoziert mit Worten«

Petra Schmid, 40, im Gespräch mit ihrem Sohn, Benjamin, 16

Mutter: Was glaubst du, wie es in jemandem aussieht, der seine Lehrerin umbringt?

Sohn: Vielleicht war er einsam, vielleicht war es eine Mutprobe, vielleicht hat er keine Zukunft für sich gesehen, oder er hat die Lehrerin nicht gemocht, weil die ihn vor allen zur Sau gemacht hat.

Mutter: Aber man kann doch nicht jeden umbringen, den man nicht mag.

Sohn: Lehrer können einen fertig machen.

Mutter: Schüler auch.

Sohn: Aber der Lehrer sitzt am längeren Hebel. Der Lehrer gewinnt eigentlich immer.

Mutter: Habt ihr in der Schule über diesen Mord gesprochen?

Sohn: Kaum.

Mutter: Wenn einer so oft zusticht, dann war das keine Kurzschlusshandlung. Die Eltern hatten sicher keine Ahnung.

Sohn: Mit 15 heul ich mich doch nicht mehr bei meinen Eltern aus.

Mutter: Du kommst ja auch nur noch zu uns, wenn es brennt.

Sohn: Ich habe ja Freunde. Der vielleicht nicht. Vielleicht wollte er nur Aufmerksamkeit.

Mutter: Was ich nicht verstehe: Der Schüler musste doch wissen, dass er mit dieser Tat zwei Leben zerstört: das der Lehrerin und seines auch. An seinem Leben hängt doch jeder.

Sohn: Warum bringen sich dann viele um?

Mutter: Wie würdest du reagieren, wenn dein Freund sagen würde, er bringt demnächst eure Geschichtslehrerin um?

Sohn: Ich würde sagen: Mach mal. Ich würde es ihm nicht glauben. Bei uns spielt Gewalt gegen Erwachsene keine Rolle, genauso wenig gegenüber Kleineren. Die Gewalt spielt sich ausschließlich unter Gleichaltrigen ab.

Mutter: Ich finde es erschreckend, wie selbstverständlich Gewalt für euch ist.

Sohn: Mit der flachen Hand schlägt kaum noch einer zu, sondern gleich mit der Faust. Messer haben auch viele. Einem Freund von mir wurden kürzlich drei Rippen gebrochen. Einem anderen Freund wurde ein Spaten in den Oberarm gerammt.

Mutter: Ich weiß nicht, mir ist früher so was nie passiert. Bei dir ist das fast Alltag. Wie oft kommst du nach Hause und sagst: Mama, heute in der S-Bahn sind wir wieder blöd angemacht worden.

Sohn: Alltag ist das nicht, aber es kommt schon häufig vor. Man muss nur abends herumgehen. Sagt einer: Du hast mich blöd angeschaut. Sag ich: Ich hab dich gar nicht blöd angeschaut. Sagt der andere: Jetzt lügst du mich auch noch an. Was willst du dann machen? Da musst du schon viel Glück haben, wenn der dich wieder gehen lässt.

Mutter: Eins musst du zugeben, ihr vom Gymnasium schlagt vielleicht nicht so schnell zu wie die Hauptschüler, mit denen ihr ständig Konflikte habt, ihr provoziert mit Worten.

Sohn: Wenn die uns provozieren.

Mutter: Es geht immer um Provokation.

Sohn: Ich schlag mich nicht. Mir ist das zu dumm.

Mutter: Macht ihr euch denn über die Folgen keine Gedanken?

Sohn: Ehrlich, Mama, hast du dir früher darüber Gedanken gemacht?

»Hat jemand ein Messer?«

Im Unterricht an einer Berliner Waldorfschule

Mit Schwung hievt Marion Joks ihre schwere Tasche auf den Tisch und sagt: »Good morning.« Die Schüler setzen sich. »I am not a history teacher«, sagt sie. Ihre rechte Hand umfasst noch immer fest den Griff ihrer Tasche. Über die Brillenfassung hinweg schaut sie direkt in die Gesichter ihrer Schüler. »Does anybody have a knife?« Schweigen.

11. Klasse, Waldorfschule, Märkisches Viertel, Berlin. Sneakers, offene Schuhbänder, Kapuzenshirts. Die meisten hier sind 16 Jahre alt. Ananda hat die Füße auf dem Sessel, Oberkörper nach hinten gelehnt, die Arme verschränkt. Niemand ein Messer? »Doch«, sagt Ananda und zieht eines aus seiner Jackentasche und murmelt etwas von »nur ein Werkzeug« - »Leave it, where it is«, sagt Mrs. Joks.

Wollen wir darüber reden? Die Englischlehrerin wechselt ins Deutsche. Ist so eine Tat, wie sie in Meißen begangen wurde, vorstellbar? Eine Lehrerin mit einem Messer zu erstechen? »Ja«, sagt einer in der zweiten Reihe, »ich bin totaler Choleriker.« Frau Joks nimmt ihren Stuhl und stellt ihn direkt vor die erste Reihe. »Das ist sehr ehrlich«, sagt sie.

Auch in der 10. Klasse wird an diesem Morgen keine Mathematik unterrichtet. Herr Wagner liest aus der Zeitung vor und fragt: Was sagen Sie dazu? »Machte die auch immer so schlechte Witze wie Sie?«, fragt eine. Grinsen. Normalerweise ist alles ganz einfach: So einer ist ein Psychopath, hat Gewaltvideos geguckt und wurde von seinen Eltern vernachlässigt. Ein Außenseiter eben. »Aber der war beliebt, an der ganzen Schule«, weiß Christina und schaukelt mit dem Stuhl. - »Ein Durchschnittstyp«, sagt Martin neben ihr.

Plötzlich könnte so etwas jeder machen. Jemand, den man seit zehn Jahren kennt. »Das macht einem Angst«, sagt Andreas. Er würde es nicht glauben, wenn einer käme und sagt: »Den bringe ich um.« Gesagt haben das hier in der Klasse aber schon viele.

Auch in Frau Joks' Klasse hat das Thema aufgeheizt. »Das wird ein richtiger Volkssport«, spottet ein Schüler. Vielleicht hatte er Drogen genommen? Der fühlte sich wahrscheinlich ermutigt - nach Littleton und Bad Reichenhall. »Aber erstechen?«, fragt Lea. - »Da nimmt man noch eher eine Pistole«, flüstert Egon.

»Ich kann mir vorstellen, dass Menschen ausrasten«, sagt Julian, der eine Sicherheitsnadel im Ohr trägt und eine Lederjacke mit Nieten, »aber es zu planen macht einen Unterschied.« Für Lea ist es nicht vorstellbar, dass so etwas hier an ihrer Schule passieren könnte. »Es muss so viel dazugehören, einen Menschen wirklich zu töten.« Mit einem Messer. So unmittelbar. Viel persönlicher als mit Pistole. Grauenvoll.

Jemanden zu schlagen, das schon. »Dann aber richtig treffen«, sagt Ananda. Sonst ist das unbefriedigend. Man muss provozieren, meint Ananda lautstark, nach dem Motto: »Wenn jemand einen Sessel hochhebt, schmeiß ich ihm den Tisch an den Kopf.« Egon hingegen spricht leise, seinen Kopf gesenkt. In seiner alten Schule hat er sich mit einem Jungen geprügelt. Der hatte schon aufgegeben. »Auf dem bin ich richtig draufgestanden«, erzählt Egon, so wütend sei er gewesen. Der Lehrer musste ihn richtig wegzerren.

»Reden Sie«, sagt Frau Joks. »Sagen Sie es, wenn Sie etwas stört.« Das sei ein Schritt weg von der Gewalt. »Aber ich bin gewaltbereit«, sagt Ananda. Da schweigt Frau Joks. Gegenfrage: »Wollten Sie schon einmal einem Schüler eine scheuern?« Logisch. »Aber ich verlagere mich auf verbale Gewalt.«

Jeder Mensch hat Aggressionen. »Wie geht ihr mit euren um?«, fragt Herr Wagner seine Klasse. Dinge durch die Gegend schmeißen, herumbrüllen oder Sporttraining. Auch gegen die Wand treten. »So richtig mit Füßen?«, fragt Wolfgang Wagner.

Vielleicht ist dem Jungen der Druck zu groß geworden? Wegen der Wetten. Wetten? Wetten, dass nicht? Wetten, du traust dich nicht? »Das machen doch alle«, sagt einer, der bislang geschwiegen hat. »In der Schule erwartet doch jeder von einem, dass man andere fertig macht.« Kopfnicken. »Aber man kommt doch auch unter Zwang, wenn man jemanden umbringt«, sagt Antonia aus der 10. Klasse. Sie ist gerade 15 Jahre. Genauso alt wie jener Schüler, der in Meißen seine Lehrerin erstochen hatte. »Für uns hier ist das trotzdem total aus der Welt.«

»Wir versuchen vorzubeugen«

Bei Frau Herma Michelsen in der Familienberatungsstelle in Berlin

War der Mord in Meissen hier Tagesgespräch?

Nein, zum Reden war überhaupt noch keine Zeit. Alle hatten den ganzen Tag Beratungstermine. Aber ich bin mir nicht mal sicher, ob das sonst ein großes Thema gewesen wäre.

Weil Psychologen so einen Fall anders wahrnehmen: gelassener, professionell?

Ein wenig schon. Wir sind ja hier immer wieder mit Gewalt konfrontiert, wenn auch nicht mit derart schlimmen Fällen. Erschrocken war aber auch ich, als ich die Meldung hörte. Mit meinem Mann habe ich gleich darüber geredet.

Worüber genau?

Ich meine, dass solche Taten oft in einer Art Sog geschehen. Eine ähnliche Geschichte lief doch vor kurzem aus den USA durch alle Medien. Jugendliche, die ohnehin schon gefährdet sind, können durch solche Beispiele die letzte Hemmschwelle für den Tabubruch verlieren.

Welche Funktion hat das Reden über die Tat?

Es soll natürlich entlasten.

Wovon mussten Sie sich entlasten?

Zum Beispiel von der Vorstellung, so etwas könnte auch einer meiner Lehrerfreundinnen passieren ... Und von jener, dass 30 Schüler daneben saßen, dass niemand den Jungen abgehalten hat und so etwas einfach ablaufen kann.

Das unerklärliche Böse?

Was diesen Jugendlichen trieb, darüber kann ich natürlich nicht spekulieren. In anderen Fällen erkennen wir die Wurzel solcher Taten. Die alltägliche Gewalt in Familien bleibt meist unsichtbar, aber sie pflanzt sich fort. Gerade heute Morgen hatte ich eine junge Mutter hier, die als Mädchen über viele Jahre schwer misshandelt worden ist. Diese Frau sagte verzweifelt: Ich will meine Erfahrungen nicht an mein eigenes Kind weitergeben! Wir versuchen, zu helfen und insofern Gewalttaten vorzubeugen.

Auch bei Jugendlichen?

Manchmal spüren wir, dass einer zu etwas Schlimmem in der Lage sein könnte. Im Gespräch gelingt es meist, die Grenzüberschreitung zu verhindern. Die Jugend ist ja eine schwere Zeit, da ist innerlich sehr viel durcheinander. Oft fehlt gänzlich die Orientierung.

Gibt es eine Zunahme der Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen?

Daran glaube ich nicht. Man verkennt immer die Gewalt auch in früheren Zeiten, weil die Statistiken fehlen. Der Satz »Es wird immer schlimmer« fiel auch, als ich jung war, und auch schon vor 2000 Jahren. Ganz anders als früher ist allerdings, dass die Medien jedes Ereignis berichten, ob es in Amerika, Grönland oder Singapur geschieht. So verbreitet sich Angst.

Die Medien, sagen Pädagogen, ermöglichten andererseits das Gespräch einer Gesellschaft, um sich ihrer Tabus immer neu zu versichern.

Ach, mir erscheint die ganze Art, wie man sich auf solche Vorfälle stürzt, doch in erster Linie voyeuristisch. Meine Freundin hat von dem Mord in Meißen im Autoradio gehört, neben ihr saß ihr zehnjähriger Sohn. Ihre Reaktion: Sie hat sofort auf den Aus-Knopf gedrückt.



© Die Zeit 47/1999   








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