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28.04.2002
[Archiv]
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Der Gießener
Psychoanalytikers Prof. Horst-Eberhard Richter: "Es muss sich
eine ungeheuere Rachewut und Fantasie des mörderischen
Verbrechens angesammelt haben, in Verbindung mit der
Vorstellung, dass alle Welt über ihn sprechen würde."
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"Das war keine
Affekttat, keine spontane Aufwallung nach einer Kränkung."
Sein Rausschmiss aus der Schule habe schon lange
zurückgelegen, und auch die Wahl des Datums - der Termin der
Abiturprüfung - zeuge von einer Planung mit Kalkül. |
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Medien nicht zum Sündenbock
machen Adolf
Gallwitz, Fachhochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen
(Baden-Württemberg): "Der Täter versucht das Gesetz des
Handelns in der Hand zu halten." Der Täter habe sich meist
länger auf diesen Tag vorbereitet. "Und nun läuft der letzte,
grandiose Teil der Tat." |
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Jo Groebel, Chef des
Europäischen Medieninstituts Düsseldorf: Legale
Video-Gewaltspiele und extreme Internet-Angebote erhöhten die
Wahrscheinlichkeit für Taten wie den Amoklauf in Erfurt. "Erst
kommen aber andere Faktoren." Hunderttausende Jugendliche, die
sich mit Gewalt im Internet, am PC, auf Video oder im
Fernsehen befassten, würden niemals gewalttätig. Der
Wissenschaftler warnte davor, Medien zum Sündenbock für die
Bluttat zu machen. |
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Zu den psychologischen
Folgen Die
Traumatherapeutin Gabriele Kluwe-Schleberger: "Es dauert
mindestens ein halbes Jahr, ehe ein solches Trauma körperlich
und seelisch verarbeitet ist." In Extremfällen könne das
Erlebte zu einer so genannten posttraumatischen
Belastungsstörung mit Ängsten, Depressionen oder
psychosomatischen Folgen führen. |
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"Die Kinder haben
Todesangst durchgemacht." Sie hätten massive Gewalt gegen
Menschen erlebt, die für sie sonst als "Beschützer" gelten.
"Typisch ist der so genannte Flash back, bei dem die erlebten
Bilder im Kopf wie in einem Film immer wieder ablaufen."
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Der Traumatherapeut
Georg Pieper: Die Eltern von Gewaltverbrechern brauchten
dringend qualifizierte fachliche Hilfe. "Sie müssen jetzt
nicht nur mit dem Verlust ihres Sohnes fertig werden, sondern
auch mit dem Umstand, dass er für die Außenwelt zur Bestie,
zum personifiziertem Bösen geworden ist. (...) Meine Erfahrung
bei vergleichbaren Fällen ist, dass die Eltern alle Menschen
nur noch als Feinde sehen." |
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Zu den Möglichkeiten von
Schulen Hessische
Kultusministerin Karin Wolff (CDU): "Wir werden nicht die
äußeren Sicherheitsmaßnahmen schaffen können, um so etwas
absolut zu verhindern." Es ist "eine Frage an die einzelne
Schule und die Gesellschaft, wie wir die Schulgemeinden
definieren." |
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Der Bielefelder
Konfliktforschers Prof. Rainer Dollase: "Natürlich sind solche
Extreme Einzelfälle. Aber sie gedeihen auf einem Humus, für
den einige Fehlentwicklungen typisch sind. (...) Lehrer werden
viel zu wenig auf ihre erzieherische Aufgabe hin ausgebildet,
sie lernen in keiner Phase der Ausbildung, wie man mit einem
Konfliktfall umgeht." |
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GEW: Öffentliche und offene
Diskussion Die
GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange: "Wir brauchen eine
öffentliche und offene Diskussion, an der sich Schüler, Lehrer
und Eltern beteiligen - ohne dass dabei den Pädagogen gleich
wieder der Schwarze Peter zugeschoben wird." Sie mahnte
Politiker, jetzt "nicht mit eilfertigen Sicherheitsrezepten
und dramatisierenden Gewaltszenarien die Realität in deutschen
Schulen auf den Kopf zu stellen". Gegen Gewaltaktionen wie in
Erfurt gebe es kaum Schutz. |
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Mit Material von dpa |
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