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"Mouke" in den heimischen vier
Wänden: Der passionierte Quake-Spieler hat seine
ehemalige Schule im oberfränkischen Münchberg
detailgetreu für den Computer nachgebaut.
| Die Schule als virtuelles
Schlachtfeld
Der reale Shootout: Ballerspiele nähern sich
dem echten Leben
In der
Kritik stehen Computer-Gewaltspiele wie Quake oder Unreal
schon lange: Weil Blut spritzt oder Köpfe rollen, warnen
Pädagogen vor unabsehbaren Folgen für Heranwachsende.
Inzwischen ist eine neue Dimension erreicht: Mit wenig Aufwand
können die Ballerspiele in originalgetreu rekonstruierte
Schulen versetzt werden - ein wenig Littleton ist überall,
virtuell. |
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von Fabian Mohr,
31.01.2000 [Archiv]
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Die Debatte ist fast
so alt wie die Videospiel-Technologie: Werden junge Menschen
durch Baller-Games zur Gewalt erzogen? Nein sagen vor allem
diejenigen, die selbst am Computer mit "Doom", "Quake" oder
ähnlicher - in Deutschland meist indizierter - Software
spielen; Ja sagen dagegen Politiker, Jugendschützer und
teilweise auch Wissenschaftler. Das Massaker von Littleton hat
den Streit neu angeheizt. Zufall oder nicht - die jugendlichen
US-Amokläufer spielten exzessiv Quake, ebenso ein Schüler aus
dem niederbayerischen Metten, der im vergangenen Herbst noch
rechtzeitig durch den Zugriff der Polizei von einem geplanten
Blutbad abgehalten werden konnte. |
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Eine neue Qualität
bekommt die Auseinandersetzung um das virtuelle Liquidieren
durch Zusatzprogramme, mit denen einigermaßen versierte
Computerbenutzer Programme wie Quake mit selbstgebauten "Maps"
(die Spielwelten, in denen gekämpft wird) versehen können. Dem
Design sind dabei kaum Grenzen gesetzt - theoretisch kann
jeder das elektronische Schlachtfest ins eigene Wohnzimmer
verlegen.
Nachbau in
Heimarbeit Bei der
Theorie bleibt es allerdings längst nicht mehr. Inzwischen
kursieren im Internet auch Maps von deutschen Schulen, die von
frustrierten Pennälern mit hohem Zeitaufwand verblüffend
originalgetreu "nachgebaut" wurden. Wer Programme wie Quake
auf seinem Rechner installiert hat, kann nun mit geringem
Aufwand eine Schule seiner Wahl heimsuchen - weit
realistischer als die futuristisch-bedrohlichen
Phantasiewelten, mit denen die Software-Firmen ihre
Ballerspiele ab Werk versehen. |
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Und um einiges
beklemmender. Beispiel Gymasium Münchberg: Die Schule im
Oberfränkischen ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt -
zumindest in der Quake-Szene. Denn unter der Bezeichnung
"lichthof.zip" gibt es eine aufwendige Rekonstruktion der
Schule auf vielen Servern im Netz (z.B. auf den Rechnern der
Universität Mainz) zum Download. An Details hat Designer
"Mouke" nicht gespart: Im Musikraum steht ein Klavier, das
Physikzimmer hat ein Waschbecken mit Schwamm und in anderen
Klassenräumen liegen unterm Lehrertisch - wir ahnten es schon
immer - schwere Kanonen bereit. Mehrere Quakespieler können
sich nun verabreden, per Internet eine gemeinsame "Session"
abzuhalten. Vorausgesetzt, alle haben die Map installiert,
kann das Online-Gemetzel losgehen. |
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Alles andere als
erfreut Schulleiter
Volker Köppel zeigte sich gegenüber dem ZDF alles andere als
erfreut - man sei strikt gegen jede Form von Gewalt, könne
letztendlich aber nur schwer etwas unternehmen, wenn einzelne
Schüler derartiges privat erstellen. Hinzu kommt, dass im
Lehrkörper wohl nur die wenigsten Quake einordnen können -
anders lässt sich kaum erklären, dass der originalgetreue
Schul-Nachbau für das Ballerspiel schon 1999 auf der CD-Rom
des Abiturjahrgangs unters Volk gebracht wurde, inclusive
InternetVersion. |
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Im Interview mit dem
ZDF bestätigt "Mouke" diese Einschätzung: "Einige Lehrer
wissen von der Existenz dieser Map. Allerdings weiß wohl kaum
einer von ihnen, was Quake überhaupt ist, somit habe ich auch
noch keinerlei Feedback von einem Lehrer bekommen." |
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Keine Bedenken - Ab
15 Dass Doom, Quake
und artverwandte Spiele für Massaker wie in Littleton
mitverantwortlich sein könnten, glaubt "Mouke" nicht. Dennoch
hält er es für sinnvoll, Kinder "bis zehn, zwölf Jahre"
fernzuhalten. Mit 15 sei man dann aber reif genug für Quake -
meint "Mouke", der vergangenes Jahr Abitur gemacht hat: "In
diesem Alter wird sich niemand mehr von einem Computerspiel in
irgendeiner Weise beeinflussen lassen." Eine Einschätzung, die
viele Fachleute so nicht unterschreiben werden. |
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Münchberg ist kein
Einzelfall. Zum virtuellen Blutbad soll auch ein Quake-Nachbau
des Gymnasiums in Brauweiler bei Köln animieren. Auf den
Internetseiten redet der Macher Klartext: "Habt Ihr nicht
immer schon davon geträumt, Eure Schule in einen Ort des Todes
zu verwandeln? Verhasste Lehrer und Mitschüler jagen? Kein
Problem! Diese Map macht es möglich, denn ich habe meinen
Schulhass in diesem Level virtuell sublimiert." |
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"Ballern wie
blöd" Dass der
Download der Datei aus technischen Gründen fehlschlug, mag den
Map-Designer Michael G. mehr schmerzen als die
Verantwortlichen bei "Stern Online" - auf deren Servern
nämlich lagen bis Ende Februar die Netzseiten des
Onlinemagazins "CAB", in dem für die Quake-Map geworben wurde.
Hintergrund: Der "Stern" gibt Schülern im "Web-Mag-Wettbewerb"
ein Forum, um ihre Online-Magazine einem großen Publikum zu
präsentieren. Mit der Überprüfung der Inhalte nahm man es in
Hamburg aber offensichtlich nicht so genau - der Gefahren, die
durch Quake ausgehen könnten, ist man sich im Hause wohl
bewusst. Noch vor kurzem berichtete der Stern in seiner
Print-Ausgabe unter dem Titel "Ballern wie Blöd" über die neue
Version 3 von Quake - und zitiert aus dem
Indizierungsbeschluss der Bundesprüfstelle für
jugendgefährdende Schriften (BPjS): "Die pausenlosen Kämpfe
von anhaltender Brutalität führen bei minderjährigen Spielern
zu einer Abstumpfung, einer Verrohung gegenüber brutaler
Gewalt und schädigen somit Kinder und Jugendliche in ihrer
psychischen Entwicklung." |
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Und weitere Schulen
sind in "Arbeit". Eine knappe Nachfrage in einem einschlägigen
Quake-Diskussionsforum, wer bei der Suche nach weiteren
Schul-Maps behilflich sein könnte, bringt schnelle Antwort.
Noch am gleichen Tag meldet sich "Tris" per E-Mail: "Ich
arbeite gerade daran, meine Schule nachzubauen..... noch etwas
Geduld, dann kannst du meine Lehrer abknallen ;-)" |
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Das Ende des
Fiktiven Angesichts
dieser "Personalisierung" von gewalttätigen Computerspielen
kommen wohl auch die Verteidiger von Quake, Doom und Co. nicht
umhin, neu nachzudenken - eine ihrer zentralen Thesen lautet
nämlich, dass gerade die eindeutig fiktive Spielumgebung
(Science-Fiction bzw. Fantasy-Welten) den Kontrast zum echten
Leben verdeutlicht und dadurch realen Gewaltexzessen vorbeugt.
Was nun, wenn Quake und Co. immer realer werden? Glaubt man
dem US-Psychologen Dave Grossman, dann wirken die Killerspiele
auf Kinder und Jugendliche ähnlich konditionierend wie
militärische Drills auf Soldaten: Naturgegebene Hemmungen,
Artgenossen zu töten, werden schrittweise abgebaut. |
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Ob Grossman Recht
hat, oder übertreibt, sei dahingestellt. Auch gibt es keine
wirkliche Handhabe, die Erstellung und Verbreitung von
Schul-Maps und Ähnlichem über das Internet zu verhindern.
Hinzu kommt, dass Quake auf (meist männliche) Erwachsene
durchaus einen hohen Reiz ausüben kann, ohne zur mentalen
Demontage zu führen, eine Pauschal-Verurteilung also fehl am
Platze wäre. |
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Schulen
überfordert Aber wie
sieht es bei Teenagern aus? Eltern, die ihren Nachwuchs von
blutrünstiger Software fernhalten wollen, haben in Zeiten des
Internets a) kaum eine Chance und b) nur dann eine Chance,
wenn sie die Computer-Aktivitäten ihrer Kinder überwachen. Auf
die Schulen zu vertrauen, wäre naiv - wie ernst werden
hartgesottene Jung-Quaker die mahnenden Worte ihres
Schulleiters wohl nehmen, wenn sie längst mit Schrotflinte und
Plasma-Kanone über den virtuellen Pausenhof ziehen? Dass die
Indizierung von gewalttätigen Computerspielen nicht im
geringsten hilft, die Verbreitung wirklich zu stoppen, weiss
jedes Kind - bleibt den Eltern nur der regelmäßige Blick auf
die Festplatte im Kinderzimmer. |
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