 |
 |
| |
Soziologe: Kriegsspiele genauer
überprüfen
Hartmut Gieselmann gegen ein pauschales
Verbot
Ein pauschales Verbot von Kriegsspielen
als Konsequenz aus dem Blutbad von Erfurt ist für den
Soziologen und Computerspezialisten Hartmut Gieselmann kein
geeignetes Mittel, um solche Verbrechen zu verhindern.
"Militärsimulationen fördern nicht die Aggressivität der
Spieler, zeichnen aber ein verharmlostes Bild von Kriegen",
sagte Gieselmann in einem Gespräch mit heute.t-online.
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
von Sven-Hendrik Hahn,
17.05.2002 [Archiv]
|
 |
 |
| |
|
|
Die Forderung einiger
Politiker nach einem pauschalen Verbot aller "Killerspiele"
lenke nur von den eigentlichen Problemen ab: "Wirksamer als
ein Verbot ist, die Spiele vor ihrer Freigabe auf ihre Inhalte
zu überprüfen, nicht nur auf die direkt gezeigte Gewalt im
Bild." |
|
| |
| |
|
|
Es gebe eine Reihe
von realistischen Militärsimulationen, die Werbung für reale
Waffen betrieben und Gewalt eher "unblutig" präsentierten.
Seiner Meinung nach sind vor allem solche Spiele gefährlich,
da hier Töten als rein technischer Vorgang vermittelt und die
Realität scheinbar imitiert werde: "In manchen Simulationen
können die Spieler Abbilder echter Waffen in real
nachgespielten Kriegseinsätzen ausprobieren", sagte
Gieselmann. |
|
| |
| |
|
|
Spieler leben
Technik-Fetischismus
Der Soziologe hat einige der bekanntesten Spiele wie
"Command&Conquer", "Counter-Strike" oder "Falcon 4.0"
untersucht und die Wirkung auf die Spieler analysiert. Die
Folge hat Gieselmann unter anderem in den Diskussionsforen im
Internet zu den einschlägigen Spielen festgestellt: "Hier
leben die Spieler ihren Technik-Fetischismus aus, diskutieren
über die Durchschlagskraft und die Kaliber schwerer Waffen,
aber selten über die Konsequenzen und Auswirkungen der
Kriegseinsätze." |
|
| |
| |
|
|
Seit dem 11.
September 2001 mit den Terror-Anschlägen auf New York und
Washington sei eine neue Welle militärischer Computerspiele
auf den Markt geschwappt. Meist werde Jagd auf virtuelle
Terroristen gemacht, "klinisch rein" und hochtechnisiert.
"Dadurch werben diese Programme für reale Kriegseinsätze,
indem sie die schrecklichen Seiten des Krieges verschleiern",
so Gieselmann. |
|
| |
| |
|
|
US-Militär nutzt Spiele als
Simulatoren Selbst
das US-Militär nutzt nach Gieselmanns Angaben modifizierte
Computerspiele als "günstige Simulatoren" für die Ausbildung
ihrer Rekruten. Die Spielehersteller arbeiteten bei der
Produktion eng mit Rüstungsfirmen zusammen. Für Programme wie
"Counter-Strike", das der Amokläufer von Erfurt nach
Presseberichten gespielt hatte, "sind die Entwickler auf einen
Schießstand gegangen, haben sich die Waffen dort angeschaut
und sie dann in das Spiel integriert", so Gieselmann.
|
|
| |
| |
|
|
Seiner Ansicht nach
sollten solche Spiele nicht generell verboten werden, doch es
müsse nun eine Diskussion über die Inhalte der Spiele und ihre
Folgen in Gang kommen. Noch gäbe es keinerlei Studien, ob
solche Computerspiele die Einstellung der Spieler gegenüber
realen Kriegen beeinflussen. Gieselmann selbst hat für die
Computerzeitschrift "c't" hunderte Spiele getestet. |
|
| |
| |
|
|
 |
|
|
 |
 |
| |
Literaturhinweis Zu dem Thema
hat Hartmut Gieselmann ein Buch verfasst, das am 7. Juni
erscheinen soll: "Der virtuelle Krieg. Zwischen Schein
und Wirklichkeit im Computerspiel", Offizin-Verlag,
Preis: 14,80 Euro. |
| |
 |
|
|
| |
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|