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Das gesamte militärische Waffenarsenal im Kinderzimmer
Moderne Computerspiele bieten blutige Gewaltsimulationen, denen es an Realität nicht fehlt. Machen solche Actionspiele Jugendliche gewalttätig?
VON STEFAN SCHÖFFL

WIEN. Das Waffenarsenal im Kinderzimmer würde jeden General und al-Qaida-Terroristen vor Neid erblassen lassen: Die .357er Magnum - Grundausstattung. Granaten sowieso. Das Maschinengewehr M-60 "ist für Spieler gedacht, die sich gerne in größere Feindansammlungen wagen oder gerne durch Wände ballern". Wer keine Chance mehr hat, jagt sich mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft und verbessert als Selbstmordattentäter die Chancen für sein Spieleteam.

Die Liste brutaler Computerspiele ist nicht besonders lang. Nur wenige werden von den Jugendlichen geschätzt: Doom, Duke Nukem, Quake, Unreal Tournament, Max Payne oder Counter Strike, derzeitiges Top-Spiel. Stets geht es darum, Gegner "auszuschalten". Eine beschönigende Umschreibung: In Doom konnte man eine Kettensäge einsetzen. In Duke Nukem hingen Frauen gefesselt von der Decke und schluchzten: "Töte mich!" Striptease-Tänzerinnen durfte man abknallen. . .

Solche Spiele werden entweder daheim alleine oder im Netzwerk gespielt - bei sogenannten LAN-Parties. Auch der Amokläufer von Erfurt besaß brutale Videos und Spiele. Die Jugendlichen bilden Gruppen und kämpfen als Gute und Böse gegeneinander, töten einander, wenn sie wollen, sogar in Zeitlupe. An Realismus fehlt's nicht.

Was auf Außenstehende erschreckend wirkt, wird von den Jugendlichen relativiert: "Sicher gibt es auch Blut", sagt ein 21jähriger. "Aber das gehört zur Atmosphäre." In einer großen deutschen Spielezeitschrift sagten 13jährige: "Ich weiß selbst, daß ich nicht rumrennen und mit einem Gewehr jeden abschießen kann."

"Sportlicher Vergleich"

Die Spieler beteuern durchwegs, das Faszinierende sei der "sportliche Vergleich", das Spielen in der Gruppe, das Trainieren der Reaktionsfähigkeit. In Deutschland wird unter Spielern derzeit eine Petition verbreitet, mit der die Verkaufsbeschränkung eines Spiels verhindert werden soll. Die Unterzeichner sagen: "Meiner Meinung nach bewirkt die bloße Darstellung von Gewalt in dem Spiel noch keine Jugendgefährdung. Es geht auch um den Geist und den Kontext, in dem gespielt wird: Ich sehe uns nicht als Killer, sondern als Spieler in einem neuen elektronischen Medium."

Zwischen brutalen PC-Spielen und Gewalttaten von Jugendlichen gebe es einen "klaren nachweisbaren Zusammenhang", meint hingegen der oberste deutsche Schulpsychologe Berd Jötten. "Diese Simulationen bauen Gewaltkompentenz auf." Hinzu komme ein intensives Schuß-Training. Mit solchen Simulationen lernten auch Soldaten, in hochgradigen Streß-Situationen zielgerichtet zu handeln und nicht den Kopf zu verlieren.

"Neue Studie: Keine Gefahr durch Gewaltspiele" schrieb wiederum der angesehene deutsche Online-Dienst Heise vor fast genau einem Jahr unter Berufung auf eine norwegische Studie. Nicht die Gewalt, sondern das Spielerlebnis, das durch Aufbau und Dramaturgie entstehe, hinterlasse den stärksten Eindruck.

Heise berichtete ein Jahr vorher noch genau das Gegenteil aus einer US-Studie: Jedes Mal, wenn Menschen brutale Computerspiele spielten, verstärkten sie gewisse Eigenschaften - "aggressives Verhalten gegenüber anderen, Erwartungen, daß andere aggressiv handeln, positive Einstellungen gegenüber dem Einsatz von Gewalt und Überzeugungen, daß gewalttätige Lösungen wirksam und geeignet sind." Die wiederholte Auseinandersetzung mit bildlicher Darstellung von Gewalt wirke desensibilisierend.

Auf die spielende Jugend macht das wenig Eindruck: Es gebe keinen Beweis, daß irgendeiner der Amokläufer ein Computerspiel nachgespielt hätte. Gelegentlicher Nachsatz: "Schon möglich, daß einer auszuckt. Aber der war schon vorher nicht normal."

29.04.2002 Quelle: Print-Presse


Leserbriefe: neuer Beitrag
  Michael Hochhold, 30.04.2002 , 21:04 Uhr  
Sehr geehrter Herr Schöffl! Ich bin begeisterter Leser der Presse und freue mich jeden Tag auf kompetente und informative Berichte! Jedoch kann es nicht sein, dass sie sich zu einem so aktuellen Thema derartig unqualifiziert äußern! Dass sie sich in diesem Metier überhaupt nicht auskennen, ging eindeutig aus diesem Artikel hervor. Ich selbst bin seit Jahren begeisterter Spieler von multiplayerorientierten Ego-Shootern und muss die Kritik an Spielen dieser Art aufs schärfste zurückweisen! 1. nannten Sie nur einen Teil der tatsächlich auf dem Markt und im Umlauf (ist ja nicht immer dasselbe!) befindlichen Spiele. Was ist mit Spielen wie "King-Pin" oder "SOF" -> welche es dem Spieler erlauben sämtliche Körperteile von getöteten Feinden mittels Messer einzeln abzutrennen. Diese werden nicht erwähnt, jedoch wird über taktisch anspruchsvolle und intelligente Spiele wie "Counter-Strike" und "Unreal Tournament" hergefahren. Das Spiel "Unreal" ist 10x brutaler als die Multiplayer-Version "UT", jedoch wissen Sie wahrscheinlich gar nicht dass es "Unreal" gibt!Multiplayerspiele fördern nur die Kommunikation zwischen Spielern aller Altersklassen und Länderherkunft! Auch die Kritik an den LAN-Parties kann ich nicht verstehn! Ich glaube Sie wissen überhaupt nicht warum so einen LAN gemacht wird! Da ich selbst schon 2 LAN-Parties (http://dot.planetlan.at) veranstaltet habe kann ich Ihnen sagen, dass so eine LAN in erster Linie zur Kommunikation der Spieler dient! Man lernt die, die man jahrelang nur via ICQ oder MAIL kannt persönlich kennen, geht zusammen was Trinken und verbringt Zeit mit dem gemeinsamen Hobby. Da werden Erfahrungen ausgetauscht, Tipps weitergegeben und gemütlich geplaudert! Ich hoffe ich konnte Sie mit meinem Schreiben dazu bewegen, sich über dieses Metier etwas näher zu informieren bevor Sie es das nächste Mal verurteilen! Des weiteren würde ich mich über eine Antwort sehr freuen und möchte sie auch auf unsere LAN recht herlich einladen! mfg  

  Dr. Franz Sulzenbacher, 30.04.2002 , 18:58 Uhr  
Mit großer Faszination habe ich das ewiggleiche Schema der "Bewältigung" solcher Katastrophen beobachtet. Schon am Tag des Massakers selbst hat im SAT-Fernsehen ein Schützenmeister aus Sachsen erklärt, man müsse nicht die Schützenvereine verurteilen, sondern sich fragen, "was ist los mit unseren Kindern". Am Tag danach verwahrten sich bereits die Waffen-Liebhaber gegen die Verteufelung der Waffen: Nur der Träger mache die Waffe zur Mordwaffe. Man kennt das von den Rottweilern, die eine ähnliche Sozialadäquanz aufweisen, wie eine Pumpgun.  

  Luc, 29.04.2002 , 10:10 Uhr  
Warum werden andauernd theorien über die einwirkung der games und videos auf die Gewaltbereitschaft verbreitet und kein schwein ist in der lage eine statistik zu präsentieren die diese theorie untermauert. dann dürfte es in der dritten/zweiten welt kaum leid geben wenns auch nur zum teil stimmen würde.  

  peter, 29.04.2002 , 08:59 Uhr  
Ich weiss nicht Hr. Schöffl ob Sie wirklich so naiv sind zu glauben, daß Computerspiele zur Verrohung der Jugendlichen beitragen. Brutalitäten hat die Geschichte immer hervorgebracht. Sinnlose Massaker ebenso. Sicherlich, als Schusswaffen noch nicht so verbreitet waren war es schwieriger so "hohe Opferzahlen" zu produzieren. Das Verlangen war aber vorhanden. Oder wurden keine Massaker an Indianern oder in Afrika an Schwarzen verübt. Hier gab es kein Quake oder Duke Nukem und wie die Spiele alle heissen mögen. Die Psyche der Menschen ist zu allem fähig, dazu werden keine Stimmulanzmittel benötigt. Ausser der der eigenen Wut und Hilflosigkeit. Aber mit der Polemikt Situationen zu beurteilen tut man sich leicht. Das bringt Leser.  
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