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Brief des Bundeskanzlers zu der Bluttat von Erfurt

 
Fr, 03.05.2002

letzter Stand:
Di, 07.05.2002
 
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Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am 3. Mai 2002 auf seiner Homepage http://www.bundeskanzler.de/ folgenden Brief an die Bürgerinnen und Bürger zu dem Amoklauf eines Schülers am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt veröffentlicht.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am 3. Mai 2002 auf seiner Homepage http://www.bundeskanzler.de/ folgenden Brief an die Bürgerinnen und Bürger zu dem Amoklauf eines Schülers am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt veröffentlicht.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir alle stehen noch heute unter dem Schock des entsetzlichen Verbrechens am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Wir trauern um die Opfer dieser Bluttat; unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen, aber auch den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums: Ihnen sind nicht nur ihre Lehrerinnen und Lehrer, eine Mitschülerin und ein Mitschüler entrissen worden, sie haben auch ihre Schule als einen Ort des unbeschwerten Lebens und Lernens verloren. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass das Gutenberg-Gymnasium diesen jungen Menschen einmal wieder ein solcher Ort sein kann.

Seit den Ereignissen von Erfurt fragen wir uns: Wie konnte so etwas geschehen? Und was müssen wir tun, damit so etwas nie wieder passiert? Darauf werden wir Antworten finden müssen - Eltern in der Erziehung ihrer Kinder, Pädagogen im Unterrichten ihrer Schülerinnen und Schüler und diese selbst in ihrem Umgang miteinander.

Und die Politik? Diese singuläre Tat, die unsere Vorstellungskraft übersteigt, bedarf seitens des Staates der gründlichen Analyse und entschlossener Konsequenzen. Ich glaube aber, dass dieses furchtbare Ereignis den Umgang unserer gesamten Gesellschaft mit gewaltdarstellenden Medien aller Art grundlegend ändern könnte. Wir werden wohl nie über einen unmittelbaren wissenschaftlichen Beweis für einen direkten Zusammenhang von Taten wie dieser und der Darstellung von Gewalt verfügen. Aber ist das überhaupt notwendig? Es kann doch einfach nicht richtig sein, dass junge Menschen heutzutage in den elektronischen Medien so viel Gewalt als "Unterhaltung" angeboten bekommen. Das soll keinen Einfluss auf die Seele eines jungen Menschen haben?

Wir werden deshalb die Bestimmungen des Jugendschutzes überprüfen. In meinem Gespräch mit den Intendanten der Fernsehanstalten und privaten Sendern habe ich die Einrichtung eines Runden Tischs angeregt. Sein Ziel ist die Eindämmung von Gewaltdarstellung in elektronischen Medien. Am Runden Tisch wollen wir den Bund und die Länder, die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehanstalten, aber auch Internet-Provider und Video-Produzenten beteiligen.

Dabei geht es niemandem um vordergründige Schuldzuweisungen, sondern allein um die Frage: Was können die Verantwortlichen in allen Teilen der Gesellschaft tun, um eine Wiederholung auszuschließen? Es war ein sehr sachliches Gespräch, bei dem deutlich geworden ist, dass sowohl die Medienanstalten - die privaten und die öffentlich-rechtlichen - als auch die Politik wirklich hart arbeiten wollen, um Wiederholungen zu verhindern, so weit das menschenmöglich ist. Das sind wir den Opfern von Erfurt schuldig.

Ihr

Gerhard Schröder

Bundeskanzler

 
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