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Entsetzen und Trauer über Amoklauf in Erfurt

 
Fr, 03.05.2002

letzter Stand:
Fr, 03.05.2002
 
Trauerfeier in Erfurt
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Trauerfeier in Erfurt 
 
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Bundeskanzler Schröder, Vertreter der Bundesregierung und der Länder haben am 3. Mai an der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs in Erfurt teilgenommen. Bundespräsident Rau mahnte in seiner Trauerrede zur Vorsicht bei der Suche nach Ursachen und Verantwortung. Rau sagte, es gelte einer Verrohung der Gesellschaft entgegenzutreten. "Die Selbstkontrolle der Medien ist wichtig. Unsere eigene Selbstkontrolle ist aber noch wichtiger", erklärte der Bundespräsident.



Bundeskanzler Schröder, Bundespräsident Johannes Rau und mehrere Bundesministerinnen und -minister haben am 3. Mai 2002 an der zentralen Trauerfeier und an einem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken der Opfer des Amoklaufs in Erfurt teilgenommen. 100.000 trauernde Menschen waren zum Erfurter Dom gekommen, um der Ermordeten zu gedenken.

Rau warnt vor schnellen Erklärungsversuchen

Bundespräsident Johannes Rau sagte in einer bewegenden Trauerrede: "Eine ganze Woche ist vergangen, aber das Entsetzen hat uns nicht verlassen." Zugleich mahnte er zur Vorsicht bei der Suche nach Ursachen und Verantwortung: "Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar naheliegenden Erklärungen."

Rau warf die Frage auf, ob sich die Gesellschaft nicht zu sehr an die Darstellung von Hass und Gewalt nicht nur in Film und Spiel, sondern auch in Talkshows und Gesprächen gewöhnt habe. "Doch bevor wir allein den Medien die Schuld geben: Tragen wir nicht selber dazu bei, dass mit der Darstellung von Hass und Gewalt, dass mit menschlichem Leid hohe Einschaltquoten erzielt werden?"", gab der Präsident zu bedenken. Die Selbstkontrolle der Medien sei wichtig, die Selbstkontrolle der Menschen aber noch wichtiger: "Wir müssen uns gegen einen Verrohung unserer Gesellschaft wehren - und diesen Kampf muss jeder bei sich selber beginnen", sagte Rau.

Initiative gegen Gewaltdarstellung in den Medien

Als Auftakt zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion über das Thema Gewalt und die Darstellung von Gewalt in den Medien ist Bundeskanzler Gerhard Schröder am 2. Mai mit den Chefs der öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten zusammengekommen. Es wurde vereinbart, einen Runden Tisch zur Eindämmung von Gewaltdarstellung in elektronischen Medien zu bilden. An ihm sollen der Bund und die Länder, die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehanstalten, aber auch Internet-Provider sowie Video-Produzenten beteiligt werden. Aufgabe dieses Kreises wird es sein, vorhandene Grundsätze zu überprüfen und wo nötig auch neue Grundsätze zu entwickeln, erklärte der Kanzler.

Der Bundeskanzler hat außerdem die Ministerpräsidenten der Länder für den 6. Mai 2002 zu einem Gespräch über die Konsequenzen des Amoklaufs ins Kanzleramt eingeladen. Vor dem Hintergrund der föderalen Kompetenzaufteilungen gibt ein solches Gespräch Gelegenheit, eine breite Initiative gegen Gewalt und -beispielsweise - für eine Verschärfung des Waffenrechts auf den Weg zu bringen. In einem solchem Gespräch soll auch darüber geredet werden, wie man zum Beispiel mit gewaltverherrlichenden Videos umgeht, das heißt, über Möglichkeiten eines strikten Verbots und dessen Überwachung. Daneben wird aber auch über die Funktion des Internet in dieser Frage zu reden sein.

Die Bundesregierung strebt überdies noch in dieser Legislaturperiode eine Novelle des Jugendschutzgesetzes an. Diese sieht auch die Eindämmung von gewaltverherrlichenden Video- und Computerspielen vor.

Fassungslosigkeit und Entsetzen

Bei dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium waren am 26. April siebzehn Menschen ums Leben gekommen: 13 Schulangestellte, eine 14-jährige Schülerin, ein 15-jähriger Schüler und ein Polizist wurden ermordert, anschließend nahm sich der 19-jährige Täter selbst das Leben. Er war ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, der vor wenigen Monaten der Schule verwiesen worden war. Der 19-jährige war Mitglied des örtlichen Schützenvereins und legal im Besitz der Waffen, mit denen er in die Schule stürmte und schoss.

Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm den Amoklauf fassungslos und entsetzt auf. Bundesinnenminister Otto Schily ordnete bundesweit Trauerbeflaggung an. Der Bundeskanzler erklärte am Abend des 26. April, die Tat übersteige alle Vorstellungskraft: "Ich denke, es geht allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern wie mir. Wir sind fassungslos über dieses entsetzliche Verbrechen. Alle Erklärungen, die wir gegenwärtig geben können, reichen nicht weit genug. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Mein Mitgefühl gilt den überlebenden Schülerinnen und Schülern, die viel, viel Mühe haben werden, dieses traumatische Ereignis zu verarbeiten. Und natürlich denke ich auch an die Lehrerinnen und Lehrer, an die Polizeibeamten, die ihren Dienst weiter tun müssen. Sie werden es sehr schwer haben, das zu verkraften, was ihren Kolleginnen und Kollegen widerfahren ist."

Schröder plädierte für eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Gewalt in unserer Gesellschaft. Hierbei müsse im Vordergrund die Frage stehen, wie man insbesondere Jugendliche davor schützen könne. Am 27. April reiste der Kanzler mit seiner Frau nach Erfurt und nahm an einem Gedenkgottesdienst teil. Zuvor hatte Schröder am Gutenberg-Gymnasium ein Blumengebinde niedergelegt und sich in das Kondolenzbuch des Rathauses der Stadt eingetragen. Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer kam am 28. April nach Erfurt, um der Opfer zu gedenken.

Trauerrede des Bundespräsidenten

Brief des Bundeskanzlers zur Bluttat von Erfurt

Foto: dpa

 
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