| Selbstschutz ist
kaum ein Grund, Schütze zu werden |
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Interview
zur Waffenvergabe in Schützenvereinen |
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Interview:
„Fälle wie in Erfurt nicht durch schärfere Gesetze zu
verhindern“ |
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Studie
zu Schützenvereinen in Deutschland |
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Interview "Die Waffenvergabe wird sehr sorgsam
gehandhabt" 3. Mai
2002 Arne Niederbacher
promoviert am Lehrstuhl für allgemeine Soziologie an der Universität
Dortmund über die Faszination legaler Schusswaffen für Menschen. Im
FAZ.NET-Interview erklärt er, wie die Vergabe von Waffen in
deutschen Schützenvereinen gehandhabt wird.
Wie funktioniert denn die Vergabe von Waffen
in Deutschland?
In Deutschland ist laut
Waffengesetz die Mitgliedschaft in einem Schützenverein die einzige
Möglichkeit, in den Besitz von Schusswaffen zu kommen. Zunächst
einmal müssen sie Mitglied sein. Weil Schützenvereine eine hohe
soziale Kontrolle aufweisen, ist das relativ schwierig. Mitglied zu
werden ist eigentlich nur dann möglich, wenn man mit
Vereinsangehörigen gut bekannt ist. Also läuft es meistens über
Bekannte und Freunde.
Wenn sie dann also nach dem
geltenden Waffenrecht sechs Monate Mitglied sind, und der
Vereinsvorsitzende den Eindruck hat, sie sind sehr zuverlässig, sie
eine Sachkundeprüfung abgelegt haben, und ein polizeiliches
Führungszeugnis vorlegen können, nur dann ist es überhaupt möglich,
dass ihnen ein Bedürfnis von dem Vorsitzenden bescheinigt wird.
Damit kann ihnen dann überhaupt erst eine Waffenbesitzkarte
ausgestellt werden.
Und wenn ein Schütze
nur deshalb in den Schützenverein eintritt, um eine
Waffe zu erwerben?
Es kommt immer wieder vor,
dass die Vereine denken, ein Mitglied ist in Ordnung. Sie nehmen ihn
auf, und nach sechs Monaten kommt der Mann nicht mehr, hat aber zum
Beispiel zwei Waffen. Dieses Problem gibt es natürlich, aber es ist
verschwindend gering. Und auch die Behörden sind sehr sorgsam bei
der Prüfung. Das heißt die Vereine und deren Vorsitzende sind ihnen
für gewöhnlich bekannt.
Dabei gibt es immer das
Dilemma: Der Schütze will eine Waffe, die Behörde will
nach höchstrichterlichem Grundsatz in Deutschland 'so wenig Waffen
wie möglich' ausgeben. Aber sie kennen ihre Vereine und Schützen
sehr gut und ein Vertrauensverhältnis ist durchaus gegeben. Vereine
und Behörden arbeiten meist gut zusammen.
Sie haben ja selbst
geschossen, was für Erfahrungen haben Sie gemacht?
Im Angesicht von Fällen wie
in Erfurt halte ich persönlich es durchaus für sinnvoll, das Alter,
ab dem man Waffen besitzen darf, auf 21 Jahre zu setzen, aber was
ändert das? Das ist Aktionismus, den ich von Seiten der Politiker
auch verstehe. Aber die Vereinsvorsitzenden sind ohnehin sorgsam.
Ich habe ja selbst geschossen, und es war immer so, dass der
Vereinsvorsitzende wusste, dass ich Wissenschaftler bin. Er hat aber
auch immer den Eindruck gehabt, dass ich nicht mit dem ganzen Herzen
dabei bin. „Für Dich eine Waffe, nee, das machen wir nicht“, haben
mehrere zu mir gesagt. Die sondieren sehr, sehr stark. Es ist nicht
so, dass sie x-beliebig Bedrüfnisse für Waffen verteilen.
Eine Waffe bekommt man ja
auch als Jäger, wie sehen da die Reglementierungen aus?
Jäger sind eine ganz eigene
Gruppe. Sie müssen eine Jägerprüfung machen, die noch komplizierter
ist als die Prüfung für eine Waffenbesitzkarte. Mit ihrem Jagdschein
haben Jäger das Anrecht auf zwei Kurzwaffen zum Fangschuss. Damit
sie angeschossenes Wild rasch töten können, wenn es nicht richtig
getroffen worden ist - damit die Tiere nicht leiden müssen. Die
Jäger dürfen diese Waffen wenn sie zur Jagd fahren bei sich führen -
also in geladenem Zustand mit sich tragen. Eben auch wegen des
Jagdschutzes. Aber das ist eine ganz gesonderte Gruppe, die man
nicht zu den Sportschützen zählen kann.
Lesen Sie im Hauptteil des
Interviews, was Menschen zu Schützen macht: Interview:
"Die Motivation ist die Waffe", warum Fälle wie in Erfurt nicht
zu verhindern sind: Interview:
„Fälle wie in Erfurt nicht durch schärfere Gesetze zu
verhindern“, und mehr zu Arne Niederbacher und seiner Studie
zu Schützenvereinen in Deutschland.
Das Gespräch führte Cornelia
Pretzer.
Text: @cop Bildmaterial: dpa
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