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14. Oktober 2002    <Gast>
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Trauer nach dem Amoklauf in Erfurt


Interview: "Die Motivation ist die Waffe"
Interview zur Waffenvergabe in Schützenvereinen
Studie zu Schützenvereinen in Deutschland
Interview
„Fälle wie in Erfurt sind durch schärfere Gesetze nicht zu verhindern“
 
 
3. Mai 2002 Arne Niederbacher promoviert am Lehrstuhl für allgemeine Soziologie in Dortmund über die Faszination legaler Schusswaffen für den Menschen. Im FAZ.NET-Interview schildert er, dass Schützen keine machtlüsternen, potentiellen Verbrecher sind, und warum Fälle wie in Erfurt nicht zu verhindern sind.

Sie haben sich in einer Studie mit Schützen in Vereinen beschäftigt. Glauben Sie, dass von diesen Menschen eine Gefährdung für die Allgemeinheit ausgeht?

Es ist nachweislich so, dass von den Sportschützen definitiv keine Gefahr ausgeht. Wenn Sie sich die Zahlen betrachten, welchen Anteil legale Waffen an der Gesamtkriminalität oder an der Waffenkriminalität haben, dann ist der verschwindend gering. In der Waffenkriminalität liegt er unter fünf Prozent und in der Gesamtkriminalität unter ein paar Promille. Des Problems, dass Menschen ausrasten wie der Amokläufer in Erfurt, werden Sie mit auch mit härteren Gesetzen oder stärkeren Reglementierungen nicht Herr.

Dass es zu diesen Fällen kommt, daran kann man nichts ändern, und Schützenvereine sind sicher kein Hort von Verbrechern oder Kriminellen oder potentiellen Tätern.

Die Fälle von fatalen Ausrastern haben Sie in allen gesellschaftlichen Feldern. Auch ein Professor oder eine Hausfrau ticken mal aus. Aber aus der Tat von Erfurt auf den Großteil der Sportschützen zu schließen und zu glauben, das wären alles potentiell Kriminelle, das halte ich für sehr sehr gefährlich und auch überhaupt nicht gerechtfertigt.

Trotzdem hantieren Schützen mit gefährlichen Waffen . . .

Wenn wir von Schusswaffen sprechen, deren Abgabe streng reglementiert ist, und die verbieten, dann müssen wir auch darüber diskutieren, ob man überhaupt noch ein Brotmesser haben darf. Denn Brotmesser werden bei Delikten wesentlich öfter benutzt als legale Waffen. Mit Brotmessern werden in Deutschland wesentlich mehr Morde begangen als mit legalen Waffen. Dann muss man sich überlegen, dass Brot kann man doch auch beim Bäcker schneiden lassen kann. Braucht wirklich jeder deutsche Haushalt ein Brotmesser?

Das ist eine Idiotie, wo wir da anfangen zu diskutieren. Es ist dramatisch und schrecklich, dass solche Vorfälle passieren. Aber es ist falsch, legale Waffen zu verbieten. Da liegt das Problem eher bei den illegalen Waffen, und wie soll man die verbieten - illegal sind sie ohnehin. Und die sind in wesentlich gefährlicheren Händen und in wesentlich größerer Anzahl vorhanden. Das wird bei den Diskussionen immer außen vor gelassen.

Das Waffengesetz wurde gerade novelliert, was halten Sie von den Änderungen?

Die Schützen haben sich, vertreten durch ihre Verbände sehr darum bemüht, die Gesetzesvorlage der Bundesregierung so weit zu überdenken, dass sie einen sinnvollen Kompromiss darstellt. Die setzen sich da wirklich ein, aber das wird ihnen oft negativ ausgelegt. Wenn es so viele Menschen gäbe, die sich für Kindergartenplätze eingesetzt hätten, würde jeder jubeln. Wenn sich Schützen für ihr Hobby einsetzen, dann sagt man, das ist eine aggressive Lobby.

Lesen Sie im Hauptteil des Interviews, welche Motive Menschen zu Schützen machen: Interview: "Die Motivation ist die Waffe", wie Waffen in Deutschland vergeben werden: Interview zur Waffenvergabe in Schützenvereinen , und mehr zu Arne Niederbacher und seiner Studie zu Schützenvereinen in Deutschland.


Das Gespräch führte Cornelia Pretzer.

Text: @cop
Bildmaterial: dpa
 
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