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sind sich einig: Waffenbesitz erst ab 21 Jahre |
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FAZ.NET-Spezial:
Das Schulmassaker in Erfurt |
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Dossier:
Die „Counterstrike-Debatte“ |
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Erfurt Hunderttausend Menschen gedenken der
Toten 4. Mai
2002 Bundespräsident Johannes
Rau hat bei der Trauerfeier in Erfurt für die Opfer des Amoklaufs
im Gutenberg-Gymnasium zu mehr Mitmenschlichkeit und
weniger Gleichgültigkeit aufgerufen. „Wenn die Gesellschaft
zusammenhalten soll, dann müssen wir uns umeinander
kümmern“, sagte er am Freitag auf dem Domplatz, wo sich
rund 100.000 Menschen versammelt hatten, um der Toten zu
gedenken. „Wir sind ratlos und haben es nicht für möglich
gehalten, dass bei uns so etwas passiert“, sagte Rau.
Es müsse nach Konsequenzen gesucht werden, damit eine
solche Tat nicht mehr vorkomme.
An
der Trauerfeier des Landes Thüringen nahmen neben Rau und
Vogel auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Kanzler
Gerhard Schröder (beide SPD) sowie zahlreiche
Bundesminister und Ministerpräsidenten teil. Der
Bundespräsident gedachte der Opfer und ihrer
Angehörigen, aber auch der Familie des Täters. Niemand
könne deren Trauer und Scham ermessen. „Was immer ein
Mensch getan hat, er bleibt trotzdem ein Mensch“, sagte Rau. Die
Gesellschaft müsse einander und aufeinander achten. Es
dürfe nicht gleichgültig lassen, wenn Freunde, Schulkameraden,
Kinder und Kollegen Wege gingen, die ins Abseits führten,
wenn sie aus der Wirklichkeit in die Scheinwelten von
Drogen oder elektronischen Spielen flüchteten.
Fünf Opfer des Massakers im
Erfurter Gutenberg-Gymnasium sind am Samstag auf dem Hauptfriedhof
Erfurts beigesetzt worden. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit wurden
sie im Beisein ihrer Familien und Freunde zur letzten Ruhe gebettet.
Bereits am Freitag war eine der am 26. April getöteten Lehrerinnen
in ihrer niedersächsischen Heimat beerdigt worden.
Rau: Alle sind
gefordert
Rau sagte, die
Selbstkontrolle der Medien sei wichtig, die eigene Selbstkontrolle
jedoch noch wichtiger. „Wir müssen uns gegen
eine Verrohung der Gesellschaft wehren“, sagte Rau.
Kinder bräuchten deshalb eine lebendige Phantasie, die
sie zu selbstbestimmten und selbstbewussten Menschen
werden lasse. Der Kampf gegen Gewalt, Aggression und Hass
dürfe jedoch nicht allein an die Schulen delegiert
werden. Alle seien gefordert.
"Gewalt und Terror“ dürfe
nicht in Spielen und „virtuellen Scheinwelten“ auftreten,
sagte Vogel. Deswegen müsse über entsprechende Gesetze
gesprochen werden. Es werde Auseinandersetzung und Streit geben,
jedoch solle dies „in einem anderen Geist“ als sonst
passieren. Vogel appellierte an die Menschen, „Entsetzen
in Kraft“ und „Schmerz in Liebe“ zu verwandeln. „Wir sind
voller Trauer, haben aber auch Hoffnung“, sagte er
weiter. Die Tat habe Wunden geschlagen, die niemals
völlig vernarben würden. Dennoch sei die
Mitmenschlichkeit in Deutschland keine verloren gegangene
Tugend. Es gebe viel Gemeinsamkeit und Gemeinsinn.
Schülerin sprach zur
Trauergemeinde
Eine Schülerin der 12. Klasse
des Gutenberg-Gymnasiums sprach im Anschluss an den
Ministerpräsidenten. In ihrer Schule habe immer eine
„familiäre Atmosphäre“ geherrscht. „So soll es auch
wieder werden“, sagte sie. Die getöteten Lehrer seien
Vertraute und auch Freunde gewesen. Sie hätten immer
viele Ratschläge für den Lebensweg der Schüler gegeben.
„Sie werden uns fehlen“, sagte die Schülerin weiter. Im
Anschluss an die Trauerfeier fand ein ökumenischer
Gottesdienst unter freiem Himmel statt.
Der Amokläufer hatte
insgesamt 13 Lehrer und eine Sekretärin, zwei 14- und
15-jährige Schüler sowie einen Polizisten
erschossen. Robert Steinhäuser, der ein geübter Schütze
und Mitglied in einem Schützenverein war, hatte gezielt
auf Lehrer des Gymnasiums geschossen. Die Bluttat hatte
eine bundesweite Debatte über die Ursachen von Gewalt und
eine Verschärfung des
Waffengesetzes ausgelöst.
Text: @tk Bildmaterial: dpa, ddp, AP
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