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7. Oktober 2002    <Gast>
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Sportschützen beim Training


Interview: „Fälle wie in Erfurt nicht durch schärfere Gesetze zu verhindern“
Interview zur Waffenvergabe in Schützenvereinen
Studie zu Schützenvereinen in Deutschland
FAZ.NET-Spezial: Das Schulmassaker in Erfurt
Interview
"Die Motivation ist die Waffe"
 
 
5. Mai 2002 Der Soziologe Arne Niederbacher promoviert über die Faszination von Menschen für legale Schusswaffen. Im FAZ.NET-Interview erklärt er, welche Motive Menschen dazu bringen, Schießen als Hobby zu betreiben. In einer Studie der Universität Dortmund befassten sich er, sein Kollege Thomas Bucher und Professor Ronald Hitzler mit dem Schießsport Durch teilnehmende Beobachtung und rund 30 Interviews haben sie versucht, das Thema zu beleuchten.

Sie untersuchen, warum Menschen als Hobby schießen. Was hat Sie zu der Fragestellung gebracht?

Der Impuls für die Frage war das Attentat in Bad Reichenhall, ein anderer Impuls waren die Bürgerwehren, die sich im Osten Deutschlands gebildet haben. Wir wollten uns daraufhin damit beschäftigen, wie das eigentlich in Schützenvereinen tatsächlich abläuft. Unser Ansatz dazu ist ein lebensweltlicher. Wir gehen selbst hin. Wir haben Schützenvereine angeschrieben, selbst geschossen und dadurch die Leute kennen gelernt. Ich habe mein ganzes Leben davor keine Schusswaffen in der Hand gehabt.

Und welche Gründe haben Sie gefunden?

Für uns hat sich ganz klar ergeben, dass es nicht der Aspekt ist „Ich will eine Waffe“, oder wie die Psychologen sagen: „Ich brauche eine Penisverlängerung“. Die Deutungsmuster Machtinstrument, Machtsymbol, Männlichkeit sind Klischeevorstellungen. Die werden nach Erfurt natürlich besonders transportiert. Der Spiegel schreibt, „da werden Killer ausgebildet“. Diese ganzen Vorurteile, die jetzt kolportiert werden, haben wir nicht feststellen können. Sondern etwas ganz anderes. Die Leute interessieren sich in hohem Maße für Technik. Und Waffentechnik ist im Maschinenzeitalter die perfekte Symbiose zwischen Mensch und Technik. Sie haben eine Waffe in der Hand, drücken hier ab und können da hinten etwas auslösen, also die Zielscheibe treffen. Das ist sehr schwierig. Das Ganze ist fast eine gewisse Widmung, eine Weihung, die man dem Schuss entgegenbringt. Eine hohe Konzentration ist erforderlich und eben ein hohes Maß an Technik und Körperbeherrschung.

Es ist also der Prozess des Schießens?

Die Motivation ist die Waffe. Die fasziniert, die sieht toll aus, die glänzt metallen. Ich selber empfinde das zwar nicht so, aber ebenso wie Männer und Autos funktioniert das auch bei Männern und Waffen. Weniger bei den Frauen. Bei den wenigen Frauen, die dieses Hobby betreiben, ist eher der Aspekt des Schießens das Wichtige. Während bei Männern auch Munition, Kalibrierungen, die verschiedenen Waffen wichtig sind. Gerade Sammler kennen sich auch historisch unglaublich gut aus: Wann wurde die Waffe wo hergestellt, wer hat damit wo schon mal geschossen. Das ist sehr komplex.

Dazu kommt die breite Palette an Waffen. Die Unterscheidung nach Großkaliber- und Kleinkaliberwaffen oder auch Luftdruckwaffen. Das breite Spektrum an Waffengattungen erfordert natürlich für jede Gattung eine ganz unterschiedliche Art des Umgangs. Für unterschiedliche Disziplinen sind unterschiedliche Munitionstypen nötig. Der Schießsport ist unglaublich facettenreich.

Wer schießt denn vorwiegend?

Es sind vorwiegend Männer von 30 an aufwärts. Das hängt auch damit zusammen, dass vor allem im Großkaliberbereich Schießen ein sehr teures Hobby ist. Sehr hohe Aufnahmegebühren in den Vereinen kommen zu hohen Anschaffungskosten für Munition. 50 Schuss Munition kosten beispielsweise acht oder neun Euro. Bei Kleinkaliber und Luftdruckwaffen ist das ein wenig anders. Schützen sind also Leute, die sich dieses Hobby auch gönnen können. Das habe ich in den Interviews, die wir mit Schützen geführt haben, sehr häufig gehört: „Mittlerweile kann ich mir das eben leisten. Da gönne ich mir auch schöne Stücke oder gute Waffen.“

Ist denn das Motiv Selbstschutz vorhanden?

Ich würde sagen, es spielt sekundär eine Rolle. In erster Linie wollen die Leute gern ihrem Hobby nachgehen. Gerade bei Sportschützen diszipliniert das auch. Denn sobald sie sich irgendwie verfehlen, ist die Waffe weg. Deshalb trinken diese Menschen auch kein Bier, wenn sie Auto fahren. Sie werden keinen Sportschützen finden, der auch nur in Ansätzen in einen Dunstkreis gerät, der sein Hobby gefährden könnte. Die Schützen gehen sehr vorsichtig mit ihren Waffen um. Dazu gehört auch, dass sie die Waffen verschlossen halten.

Aber es ist nicht die Ambition: „Ich habe Angst zu Hause und deswegen leg ich mir die Waffe unters Kissen“. Vielleicht ist sie zugriffsbereit, wenn der Schütze bereit ist. Aber das ist völlig zulässig. Und sehr viele Schützen haben mir in den Interviews gesagt: „Bevor ich einem Einbrecher gegenübertrete, der das Potential hat, mich zu erschießen, zieh ich nicht meine Waffe, da lass ich mich lieber ausrauben.“ Die können ja sehr gut einschätzen, was passieren kann.

Welchen sportlichen Ehrgeiz entwickeln die Schützen?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir kennen ja das traditionelle Schützenwesen, bei dem die Schützen mit ihren Luftgewehren durchs Dorf ziehen. Das ist die traditionelle Variante, die von Deutschen Schützenbund organisiert ist. Da schießen die Schützen vornehmlich mit Luftgewehr oder Luftpistole. Also luftdruckbetriebene Waffen.

In Bund Deutscher Militär- und Polizeischützen (BDMP) und dem Bund Deutscher Sportschützen (BDS) schießen die Schützen in erster Linie Großkaliber-, also Gebrauchswaffen. Denn die Sportwaffen sind mittlerweile ausgetüftelte High-Tech-Geräte, die mit Gebrauchswaffen nicht mehr viel gemein haben. Sie haben möglichst wenig Rückstoß, damit der Schütze möglichst präzise Löchlein stanzen kann. Aber gerade dieses Löchleinstanzen wird auf die Dauer langweilig. Und deshalb gibt es modernere Disziplinen wie beispielsweise bewegungsaktives Schießen - zum Beispiel Westernschießen -, die sehr populär sind - besonders bei den Schützen in der Altersklasse 30 bis 50, die eine Herausforderung suchen. In diesen Disziplinen muss man verschiedene Abläufe bewältigen, spurten, Schüsse abgeben und dann geht's weiter zum nächsten Abschnitt. Das kann man nur, wenn man perfekt mit der Waffe umgehen kann. Das erfordert wirklich ein hohes Maß an Konzentration und körperlicher und geistiger Fitness.

Lesen Sie in weiteren Teilen des Interviews, warum Fälle wie in Erfurt nicht zu verhindern sind: Interview: „Fälle wie in Erfurt nicht durch schärfere Gesetze zu verhindern“. Wie Waffen in Deutschland vergeben werden: Interview zur Waffenvergabe in Schützenvereinen. Und mehr zu Arne Niederbacher und seiner Studie zu Schützenvereinen in Deutschland.


Das Gespräch führte Cornelia Pretzer.

Text: @cop
Bildmaterial: dpa
 
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