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7. Oktober 2002    <Gast>
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Wie John Grisham die "Natural Born Killers" jagte
 
 
Dossier: Die „Counterstrike-Debatte“
29. April 2002 SAN FRANCISCO, 29. April

Vor ein paar Jahren ist der amerikanische Regisseur Oliver Stone verklagt worden, weil jugendliche Serienmörder seinen Film "Natural Born Killers" als Vorlage für ihre Schlächtereien benutzt hatten. Sie mordeten nach Drehbuch. Sie stammelten Dialogfetzen, als sie abdrückten, und sie beriefen sich auf den Film, als sie von der Polizei verhört wurden. Daheim, im Videorecorder, steckte noch die Kassette mit Stones bizarrer Satire.

Die Parallelen zu Erfurt, zu Littleton, zu all den anderen Massakern von jugendlichen Nachahmungstätern liegen auf der Hand. Und stets wurde ein Verbot von Videos und Filmen verlangt, die ziellose Gewalt gezielt verherrlichen. Bislang ohne Erfolg. In Stones Fall aber blieb es nicht beim Ruf nach Sanktionen. Eines der Opfer, eine Verkäuferin, die von den Kopisten angeschossen worden war und seither querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt, forderte von dem Regisseur Schadenersatz, Schmerzensgeld, Verdienstausfall - insgesamt zwanzig Millionen Dollar (F.A.Z. vom 3. August 1996). Sie wolle, ließ die Klägerin damals über ihre Anwälte verlauten, daß Stone die Verantwortung für die Verbrechen mit denjenigen teile, die "den Finger am Abzug hatten". Und sie verglich den Film mit einem Medikament, das tödliche Nebenwirkungen zeige: Auch da müßten die Hersteller für die Schäden aufkommen, ganz gleich, ob sie die fatalen Folgen gewollt hätten oder nicht.

Die Idee, Oliver Stones bestialische Burleske nach den Regeln des amerikanischen Zivilrechts anzugreifen, stammte von dem Anwalt und Bestsellerautor John Grisham, der mit einem anderen Opfer der Nachahmungstäter eng befreundet gewesen war. Er argumentierte, "Natural Born Killers" gleiche einem explodierenden Toaster. Mit dem einzigen Unterschied, daß die Explosion nicht in der Hand des Konsumenten stattfindet, sondern in dessen Gehirn. Und so wie die Toastfabrik für die Schäden aufkommen müsse, die ihre defekten Produkte anrichten, so müsse der Regisseur für die Folgen seines Films geradestehen.

Natürlich ist diese Argumentation juristisch heikel. Sie vergleicht Sachen mit Geisteswerken, was amerikanische Gerichte immer wieder abgelehnt haben. Sie wirft vertrackte Fragen der Kausalität auf, die für Juristen nur schwer zu beantworten sind. Und sie kollidiert mit der Meinungsfreiheit, die von Richtern in den Vereinigten Staaten energisch, bisweilen beinahe fanatisch verteidigt wird. Tatsächlich ist die Klage, die der sensationellen Konfrontation Grisham versus Stone wegen viel Aufmerksamkeit gefunden hatte, denn auch am "first amendment" gescheitert, an dem Zusatz zur amerikanischen Verfassung, der die "freie Rede" garantiert. Ohne große Umstände hat ein Provinzgericht die Sache abgewiesen.

Dennoch steckt hinter dem Unterfangen eine Idee, über die nachzudenken sich nach dem Amoklauf von Erfurt vielleicht noch einmal lohnt. Es ist der Versuch, die Produzenten von Horrorfilmen und Gewaltvideos dort zu treffen, wo sie am empfindlichsten sind: am Geldbeutel. Es ist der - gewiß sehr amerikanische - Gedanke, den Markt für blutdurchtränkte Machwerke mit marktwirtschaftlichen Mitteln auszutrocknen. Wenn Studios, Produzenten, Autoren mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen müßten, so die Hoffnung, würden sie ziemlich schnell zu einem sehr viel vorsichtigeren Umgang mit Gewalt kommen. Eine Hoffnung, die nicht nur naiv ist.

Wie subtil die Filmindustrie ihre Produkte zuzuschneiden weiß, zeigt etwa ihr Umgang mit Sex: um die Freigabe für den besonders umsatzträchtigen Markt der jugendlichen Zuschauer zu bekommen, ist sie zu vielen Schnitten und Blenden bereit. Zudem könnte der indirekte Zugriff die mutmaßlichen Konsequenzen eines Verbots vermeiden: Er würde auf Selbstzensur statt auf Zensur setzen, würde die Produzenten nicht in die Illegalität und auf den schwarzen Markt treiben, und er könnte, juristisch besser vorbereitet als ausgerechnet von John Grisham, womöglich sogar die Klippen der Meinungsfreiheit umschiffen. Denn auch die ist ja nicht schrankenlos gewährt.

Der größte Reiz des Gedankens aber, einen medialen Verbraucherschutz zu etablieren, liegt in der Aussicht, Freiheit und Verantwortung in ein neues Verhältnis zu setzen. Derzeit läßt sich noch mit schlechten Filmen gutes Geld verdienen, ohne für die bösen Taten haften zu müssen, die sie inspirieren. Noch kann sich Oliver Stone seelenruhig auf die Kunstfreiheit berufen und seine Tantiemen für "Natural Born Killers" kassieren, obwohl mindestens zehn Tote zu beklagen waren, deren Mörder sich allesamt auf den Film beriefen. Und noch profitiert auf der ganzen Welt eine weitverzweigte Industrie von der Ratlosigkeit einer Gesellschaft, die weder ihre Freiheitlichkeit opfern noch die um sich greifende Gewalt akzeptieren mag. Aus ebendiesem Dilemma aber, aus der Spannung zwischen der Aussicht auf Gewinn und der Aussicht auf Gefahr, ist die Gefährdungshaftung entstanden. Ihr Prinzip ist einfach: Wer mit potentiell gefährlichem Material hantiert, der muß auch zahlen, wenn sich die Gefahr zum Schaden auswächst.

Natürlich lassen sich Tragödien wie die in Erfurt nicht allein durch die Drohung mit Schadenersatzforderungen verhindern. Doch sollten tatsächlich alle Versuche aussichtslos sein, die Flut von Gewaltvideos mit Verboten einzudämmen, wie Bundesinnenminister Schily am Sonntag abend bei "Sabine Christiansen" resignierend kundtat, dann sollten alle anderen Optionen sorgsam erwogen werden. Auch die, die auf den ersten Blick sonderbar erscheinen. Die amerikanische Verkäuferin, die von Nachahmungstätern verkrüppelt wurde, ist in erster Instanz mit dem Versuch gescheitert, einem brutalen Film mit den Mitteln des Zivilrechts beizukommen. Aber dieses Scheitern muß nicht endgültig sein.

HEINRICH WEFING


Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2002, Nr. 100 / Seite 53
 
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