Dies ist das Archiv von MedienGewalt.de.
Das Archiv enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.
MedienGewalt.de steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.


7. Oktober 2002    <Gast>
Foren Help
 
ständig aktualisierte Nachrichten, Analysen, Dossiers, AudiosHier geht´s zur gedruckten Ausgabemit Suchmaschine für über 20.000 Buchrezensionenmit Gastro-Guide, Routenplaner, Staumelder, WetterTrendsport, Entspannungstipps und persönlicher Fitness-Coach
 
Wir brauchen keine neuen Verbote
 
 
Empfehlungen für Computerspiele
von www.mediengewalt.de:
Die besten Spiele 2012
- die besten Spiele ab 3 Jahre
- die besten Spiele ab 6 Jahre
- die besten Spiele ab 8 Jahre
- die besten Spiele ab 12 Jahre
- die besten Spiele für die Familie

Die besten PC Spiele
- die besten PC Spiele ab 3 Jahre
- die besten PC Spiele ab 6 Jahre
- die besten PC Spiele ab 8 Jahre
- die besten PC Spiele ab 12 Jahre
- die besten PC Spiele für die Familie

Die besten PS3 Spiele
- die besten PS3 Spiele ab 3 Jahre
- die besten PS3 Spiele ab 6 Jahre
- die besten PS3 Spiele ab 8 Jahre
- die besten PS3 Spiele ab 12 Jahre
- die besten PS3 Spiele für die Familie

Die besten Wii Spiele
- die besten Wii Spiele ab 3 Jahre
- die besten Wii Spiele ab 6 Jahre
- die besten Wii Spiele ab 8 Jahre
- die besten Wii Spiele ab 12 Jahre
- die besten Wii Spiele für die Familie

Die besten DS Spiele
- die besten DS Spiele ab 3 Jahre
- die besten DS Spiele ab 6 Jahre
- die besten DS Spiele ab 8 Jahre
- die besten DS Spiele ab 12 Jahre
- die besten DS Spiele für die Familie

Die besten Xbox Spiele
- die besten Xbox Spiele ab 3 Jahre
- die besten Xbox Spiele ab 6 Jahre
- die besten Xbox Spiele ab 8 Jahre
- die besten Xbox Spiele ab 12 Jahre
- die besten Xbox Spiele für Familie

Die besten Lernspiele
- die besten Lernspiele ab 3 Jahre
- die besten Lernspiele ab 6 Jahre
- die besten Lernspiele ab 8 Jahre
- die besten Lernspiele ab 12 Jahre
Die beste Lernsoftware

- die beste Lernsoftware Vorschule
- die beste Lernsoftware Grundschule
- die beste Lernsoftware Schule
- die beste Lernsoftware Erwachsene
1. Mai 2002 Das Massaker von Erfurt gibt Anlaß zu einer Debatte über die Darstellung von Gewalt in den Medien, die aber - kaum begonnen und allen anderen Beteuerungen und der Ermordung von sechzehn Menschen zum Trotz - sofort in den Wahlkampf geraten ist. Schuldige für die unfassbare Tat werden gesucht, Alleinverantwortliche, und mancher Politiker, wie Sigmar Gabriel (Ministerpräsident in Hannover) oder Oskar Lafontaine, hat sie schnell gefunden: Es ist das Privatfernsehen, das permanent und ausschließlich Gewaltfilme zeige. Gerhard Zeiler, Geschäftsführer von RTL, hält diese Unterstellung für falsch und "unerträglich". "Hemmungslos und undifferenziert" würden die Privatsender beschimpft, die Schützenvereine - als deren Lobbyist Gabriel "unverhohlen" auftrete, genauso "pauschal von jeglicher Verantwortung freigesprochen". Heute abend treffen sich die Chefs der privaten und der öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Bundeskanzler auf dessen Einladung hin, um über das Thema Gewalt in den Medien zu diskutieren. Den Vorwürfen, die vor diesem Treffen in Berlin seit dem Wochenende schon erhoben wurden, tritt in unserem Beitrag Gerhard Zeiler, der, bevor er vor vier Jahren zu RTL kam, Generalintendant des ORF in Wien war, entgegen.

F.A.Z. Noch in die Fassungslosigkeit über die Toten von Erfurt hinein tönt die Frage nach der Schuld. Mehr noch, beginnen die ersten Schuldzuweisungen. Wieder einmal erliegen Politiker in Zeiten des Wahlkampfes der Versuchung, das komplexe Thema "Medien und Gewalt" zu instrumentalisieren. Unbedacht und pauschal wird vor allem das private Fernsehen an den Pranger gestellt. Von permanenter Gewaltverherrlichung im Abendprogramm ist die Rede. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, daß das Fernsehprogramm ganz überwiegend aus Gewaltfilmen besteht, die nur verboten werden müßten, um alle Probleme zu lösen. Diese Betrachtung mag Wählerstimmen einbringen. Der schwierigen Frage nach den Ursachen von Gewalt in unserer Gesellschaft wird sie allerdings nicht gerecht. Im Gegenteil: Plakative Schuldzuweisungen verstellen den Blick und verhindern sachgerechte Analysen.

Dies gilt natürlich um so mehr, wenn die Schuldzuweisungen nicht nur plakativ, sondern sogar schlicht falsch sind. Wer behauptet, privates Fernsehen würde gewaltverherrlichende Filme ausstrahlen, kennt weder das Programm noch die Gesetzeslage. Und er verkennt das Engagement der privaten Sender beim Jugendschutz. Im privaten Fernsehen sind seit Gründung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) Mitte der neunziger Jahre problematische Inhalte im Zusammenhang mit Gewaltdarstellungen systematisch abgebaut worden. So sind bei RTL 1994 noch 36 indizierte Videofilme ausgestrahlt worden. Im vergangenen Jahr waren es noch vier. Aber auch diese Filme wurden vor der Ausstrahlung bearbeitet: Problematische Gewaltdarstellungen wurden herausgeschnitten. Zudem werden indizierte Filme bei RTL selbst in einer bearbeiteten Fassung in der Regel nach Mitternacht ausgestrahlt. Wie konsequent RTL in der Bearbeitung gewalthaltiger Filme vorgeht, läßt sich daran ablesen, daß sich jugendliche Zuschauer in den letzten Jahren immer häufiger über vorgenommene Kürzungen bei Filmen beschweren. Offenkundig gelangen die Jugendlichen über andere Vertriebswege wie zum Beispiel Videoverleihe an die Filme.

Ohnehin ist es unerläßlich, zwischen den einzelnen Medien zu unterscheiden. Die Nutzungssituation ist bei Computerspielen eine völlig andere als im Fernsehen, weil der Spieler direkt zum Akteur wird. Er muß zumindest in der Fiktion selbst töten, um ein bestimmtes Spielziel zu erreichen. Dabei besteht zumindest die Gefahr, daß die Hemmschwelle, Gewalt auch in der Realität einzusetzen, herabgesetzt wird. Zudem sind, anders als bei Filmen im Fernsehen, der Kontext und der weitere Verlauf des Spiels nicht vorgegeben, sondern hängen vom Spielvermögen des Nutzers ab. Schon ein flüchtiger Blick zeigt also, daß die Wirkung von Spielen anders betrachtet werden muß als die von Filmen.

Hinzu kommt: So plausibel die Vorstellung auch sein mag, Gewaltdarstellungen in den Medien lieferten Motive für eigentlich unerklärliche Amokläufe, so wenig ist eine solche Kausalität durch die wissenschaftliche Diskussion zu belegen. Obwohl mittlerweile zur Frage, wie sich Medieninhalte mit Gewaltdarstellungen insbesondere auf Kinder und Jugendliche auswirken, über 5000 Studien erarbeitet wurden, gibt es keinen Beweis für einen Zusammenhang fiktionaler und realer Gewalt. Die herrschende wissenschaftliche Meinung besagt: Gewaltdarstellungen in den Medien sind nicht ursächlich für gewalttätiges Verhalten in der Realität. Ihre Wirkung ist immer gebunden an individuelle und soziale Dispositionen des Betrachters. Vor allem bei Menschen mit einer hohen Gewaltbereitschaft in einem sozialen Umfeld, in dem Gewalt als normales und erlaubtes Mittel der Durchsetzung von Interessen oder der Lösung von Konflikten angesehen wird, besteht ein erhöhtes Wirkungsrisiko. Ob Filme die Gewaltbereitschaft von jugendlichen Zuschauern tatsächlich erhöhen, hängt von einem komplizierten Beziehungsgeflecht ab. Bedeutsam für die Wirkung eines Filmes ist zum Beispiel, ob derjenige, der Gewalt zur Durchsetzung seiner Interessen anwendet, damit Erfolg hat und die von ihm ausgehende Brutalität folgenlos bleibt. Setzen sympathische Helden Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen ein, haben damit Erfolg und bleiben unbestraft, so gibt es das Risiko einer gewaltfördernden Wirkung bei gefährdeten Zuschauern.

Um solche Zusammenhänge wissen die Jugendschutzbeauftragten der privaten Sender und die Jugendschutzexperten der FSF. Die FSF hat zusammen mit den zuständigen Institutionen des Jugendschutzes in Deutschland eine sehr differenzierte Spruchpraxis entwickelt, die ständig dem aktuellen Stand der Forschung sowie Erfahrungen aus der Realität angepaßt wird. Das Geschehen in Erfurt wird nach sorgfältiger Analyse Anlaß geben, die Beurteilungskriterien erneut einer Überprüfung zu unterziehen. Dazu brauchen wir keine gesetzlichen Verbote, sondern mehr Vertrauen und Unterstützung der Arbeit der Selbstkontrolle. Der geplante Jugendmedienschutz-Staatsvertrag will die Selbstkontrolle stärken. An diesem Vorhaben sollte gerade nach der schrecklichen Tat von Erfurt festgehalten werden.

Gerhard Zeiler ist seit 1998 Geschäftsführer des Privatsenders RTL. Zuvor war er vier Jahre lang Generalintendant des ORF.


Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2002, Nr. 101 / Seite 54
 


Geist & Geld: Folge dem Käse!weiter
Fotografie & Lektüreweiter

Sie nennen Ihre Vorlieben, wir
die passenden Bücher
Belletristik
Diana Gabaldon: Das flammende Kreuzweiter
Wirtschaft
Werner Küstenmacher; Lothar Seiwert: Simplify your lifeweiter
Gesellschaft
Oriana Fallaci: Die Wut und der Stolzweiter
Hörbuch
John R. R. Tolkien: Der Herr der Ringeweiter

Schülerseiten im Internet
 
Jugendseiten im Internet
 
Kinderseiten im Internet
 
 
Fitness-CoachFree E-mailReiseführerRestaurantsRoutenplanerStaumelderRezensionenGesundheitFAZ.NET MobilWetterFlugsucherNewsletter


 

© F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2002