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7. Oktober 2002    <Gast>
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29. April 2002 Vor wenigen Tagen hat man die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie lesen können, wonach das Internet Kneipen und Diskotheken als Flirt-Stätte längst überholt habe. Chatrooms, Usegroups, Foren und sogar Webpages machen, daß immer mehr Liebende immer seltener alleine sind. Das gilt, wie wir jetzt hinzufügen, auch für die Hassenden.

Deren Flirtverhalten wäre nicht erst seit den Erfurter Ereignissen eine genauere Betrachtung wert. Eine Gesellschaft, deren Spitzenpolitiker Guido Westerwelle noch vor wenigen Tagen am liebsten über das Sexualverhalten eines Schweizer Botschafters Interviews gab, braucht sich über die Kommunikationsstörungen und Inhibitionen der Liebe keine Gedanken zu machen - höchstens über jenes Segment der Verständnis- und Verständigungsliteratur, das Jürgen Kaube auf dieser Seite porträtiert.

Ganz anders, wenn dem Haß die Zunge gelöst und die Scham abgenommen wurde - ein Prozeß, der nach der Befreiung der Liebe im vergangenen zur Sache des gegenwärtigen Jahrhunderts werden könnte. Jene Scheinobjektivierung der eigenen Meinung, die jeder Journalist kennt, der aus Leserbriefen die Stimmung des Ganzen hochzurechnen glaubt, ereignet sich ja auch in all den Nischen- und @hate-Existenzen, die im Internet auf Knopfdruck ihre Favoriten finden.

Wenn es stimmt, daß die bürgerliche Gesellschaft ihr Selbstbewußtsein vor allem durch die Literatur und den Erkenntnisschock des "Das bist du" gewonnen hat (auch hier - wie im Internet - in den englischsprachigen Ländern zuerst), dann steht uns eine Lektüreerfahrung Internet bevor, die es in sich hat. "Zu wissen, daß man nicht alleine ist": Dieser rührende Satz empfindamer Literaturfreunde des neunzehnten Jahrhunderts gewinnt angesichts der Littleton-Killer Eric und Dylan oder von Robert Steinhäuser aus der Ottostraße in Erfurt etwas Alarmierendes.

"Hate watching", also Haß-Überwachung, ist nach den Worten der amerikanischen Internetexpertin Karen De Coster mit Entstehen des Netzes zu einem "unterhaltsamen Sport" in Amerika geworden. Neben den Haß-Gruppen tauchen überall Haß-Überwachungsgruppen auf, gleichsam Fortentwicklungen der Antidiffamierungsbewegungen der achtziger und neunziger Jahren. So hat der Publizist Raymond A. Franklin ein fast achtzigseitiges Haß-Verzeichnis ("The Hate Directory": http:// www.hatedirectory.com) ins Internet gestellt, in dem sich unzählige Webadressen von rassistischen und rechtsextremen Anbietern finden.

Der Begriff "Haß" ist unversehens von einem psychologischen zu einem politischen Begriff geworden. Weil das Internet den Sprechern keine Hemmungen mehr auferlegt und alle zivilisatorischen Vermeidungs- und Ausweichstrategien durch die Anonymität überflüssig werden, sprechen die Leute aus, was sie radikal macht.

Extremistische politische Ideologie ist ja selbst schon Sublimierung, um es fast pervers zu sagen: Verfeinerung. Verfeinerung eines brachialen Ressentiments, eines Haß- oder Inferioritätsgefühls, das sich nicht aussprechen darf und deshalb den Anschein eines Weltbildes gibt, um zivil kommunizierbar zu werden. Doch dieser Prozeß ist in Internetzeiten gar nicht mehr nötig. Alles spricht sich aus und erreicht erst gar nicht den Status der Ideologie, gar des Weltbildes. Eine Mischung aus Song, Newsgroup, Chatroom und Online-Baller-Spiel ersetzt das, was noch vor ein paar Jahren "Bewegung", Weltbild, Gang, Ideologie war.

Denn entscheidender als jede Ideologie ist, daß das Internet eine neue Gemeinschaft der Hassenden stiftet. Bereits 1999 übergab Abraham Cooper, ein Funktionär amerikanischer Erziehungsorganisationen, der den Auftrag hatte, einen der jugendlichen Littleton-Attentäter zu analysieren, der Polizei eine Liste von 1400 Webseiten, in denen jede Form von Haß annonciert und vermarktet wurde. "Haß", so sagte Cooper damals in einem Interview, "ist eine Wachstumsindustrie, die durch das Internet geschaffen wird. Eric Harris, einer der Killer von Littleton, hat nachweislich im Internet eine Menge Material gefunden, das sein antisoziales Verhalten guthieß und seine Pläne billigte."

Es geht um diese Billigung: um die Ersetzung eines pathologischen inneren Monologs durch einen scheinbaren Dialog mit anderen. Diese Objektivierung eigener Befunde hat es bislang nur im Bereich einer skurillen Traktatliteratur gegeben und fast überhaupt nicht - allein schon wegen der psychopathologischen Befindlichkeit der Handelnden - als reales Diskussionsforum in der Wirklichkeit.

Es gehört zum Wesen des Internets, daß es unendlich wuchert. Darin ist es selbst einer gewaltigen Industrie vergleichbar, die Ideen, Geplapper, Liebe und Haß produziert, ohne je an ein Ende zu kommen. Wenige Tage nach einem Schulmassaker in Japan, gab es im Netz ein entsprechendes Computerspiel. Wenige Tage nach dem Littleton-Highschool-Massaker wurde eine Seite zur Verherrlichung der Attentäter ins Netz gestellt (und später wieder entfernt). Und keine Stunde nach der Pressekonferenz der Polizei in Erfurt stand eine gefälschte Webpage des Robert Steinhäuser im Internet, auf der er, der längst tot war, angeblich seine Tat ankündigte.

Es gibt Leute, die so etwas tun. Sie schreiben Ereignisse im Internet auf ihre Weise fort; man könnte auch sagen, sie befallen jede Wunde in der Gesellschaft. Sie sind weit von Robert Steinhäuser entfernt, weil sie noch niemanden umgebracht haben, und nur Codes, Spiele oder Webseiten produzieren - aber wie weit genau? Und wo eigentlich war Steinhäuser vor vierzehn Tagen? Schoß er im Online-Spiel "Coutnerstrike" auf Polizisten? Hier ist der Kern jener "Haß"-Industrie, über die künftig zu reden sein dürfte: Sie reicht von politischen Extremismen über die Spielefabrikanten, Internetgemeinschaften bis hin zu den einzelnen, die auch noch eine Botschaft der Wut und des Hasses haben. Man wird diese Industrie niemals stillegen können. Aber man sollte wissen, daß sie existiert: aus Tausenden wütenden, haßerfüllten, kompromittierten, ängstlichen Usern, Sandkörner unter den Millionen im WorldWideWeb.

Daß Robert Steinhäuser sich im Internet bewegte und im Internet "Counterstrike" spielte, ein Spiel, wo vorgeblich Menschen erschossen werden und reale Personen über das Internet miteinander verbunden sind, ist vermutlich nicht der Grund seiner Tat, aber womöglich die Ursache seiner sozialen Unauffälligkeit - jener Anonymität, die die größte Belohnung ist, die das Internet für Kommunikationsteilnehmer bereithält und die sogar seine eigenen Eltern ihm gegenüber empfunden zu haben scheinen. Stimmen die Berichte, so können sie von ihrem Sohn, den sie noch am Mordtag mit einem "Viel Glück!" auf die Reise schickten, nicht mehr gewußt haben als von irgendeinem anonymen User des Webs.

FRANK SCHIRRMACHER


Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2002, Nr. 100 / Seite 47
 


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