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7. Oktober 2002    <Gast>
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1. Mai 2002 Wenn es nach Otto Schily ginge, wäre sehr schnell Schluß mit dem Spuk der bösen Bilder. Wozu, hat sich der Bundesinnenminister offensichtlich gefragt, wozu gibt es eigentlich die Polizei? Und dann hat er, in diversen Interviews der vergangenen Tage, den Vorschlag gemacht, daß man einfach ein paar Beamte losschicken müsse, welche das bestehende Gesetz schon durchsetzen würden. Denn die Verharmlosung und die Verherrlichung von Gewalt sind verboten gemäß Paragraph 131 des Strafgesetzbuchs. Was fehlt, sind "mehr Durchsuchungen, Razzien und Beschlagnahmungen", wozu Schily, im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung", die deutschen Staatsanwälte ausdrücklich aufgefordert hat. Auch in den Film- und Fernsehstudios könnten die Beamten mal vorbeischauen: Das Strafgesetzbuch verbietet nicht nur die Verbreitung der bösen Bilder; schon deren Produktion ist eine Straftat.

Fragt sich nur, ob es in Deutschland genügend Polizisten dafür gibt und wie lange sie mit diesem Job beschäftigt wären. Denn kaum ein Paragraph ist so unscharf formuliert wie dieser hier; nähme man ihn beim Wort, müßte man entweder alles verbieten - oder eben: gar nichts, was in den letzten Jahren auch die Praxis war. Bestraft werden laut Gesetz die Produktion und Verbreitung solcher Schriften und Bilder, welche "grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt". Soweit der Wortlaut des Gesetzes.

Der Laie, der sich bei der Lektüre dieser Sätze fragt, ob Verherrlichung und Verharmlosung nicht Wirkungen sind, welche naturgemäß im Auge des Betrachters liegen; der Filmkenner, der sich womöglich daran erinnert, daß es oft genug die grausamen, die unmenschlichen Szenen und die filmischen Angriffe auf die Menschenwürde waren, welche das Publikum zu Mitleid und Erbarmen provozierten (und manchmal sogar das Bedürfnis weckten, die dargestellten Zustände zu verändern) - jeder Nichtjurist also, der an der Brauchbarkeit eines solchen Gesetzes zweifelt, muß sich für seine laienhafte Interpretation des Gesetzes nicht genieren: Das höchste deutsche Gericht sieht es auch nicht viel anders.

Im Jahr 1992 hatte das Bundesverfassungsgericht darüber zu entscheiden, ob ein Verbot des Films "Tanz der Teufel" rechtmäßig sei. Es ist dies ein sogenannten Splatter-Film, dessen Handlung im wesentlichen darin besteht, daß einige Teenager sich in Zombies verwandeln, woraufhin einige andere Teenager diesen Monstern die Köpfe abschlagen, die Leiber mit großkalibriger Munition zerschießen und auch sonst alles tun, was zur Vernichtung der Zombies führt.

Das Bundesverfassungsgericht begründete sein Urteil nicht zuletzt mit der Unschärfe des Gesetzestextes. Eine Darstellung, welche die Menschnwürde verletzte: Diese Formulierung sei längst nicht hinreichend bestimmt - sehr genau bestimmt sei dagegen der Begriff "Mensch"; und da es eben keine Menschen, sondern Zombies seien, welche hier so grausam abgeschlachtet würden, könne von einer Verletzung der Menschenwürde nicht die Rede sein. Der Film dürfe also auch nicht verboten werden.

Die Spitzfindigkeit dieser Argumentation war damals den Verfassungsrichtern wohl auch bewußt - und nicht nur deshalb hat die Neigung deutscher Richter, gegen Filme die Polizei einzusetzen, in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Es gab, in den späten Achtzigern, einen Richter in München, der besuchte regelmäßig ein kleines Undergroundkino und ließ dort Horrorfilme beschlagnahmen; es gab zu selben Zeit eine Richterin in Berlin, die ließ die Kopie eines kleinen Avantgardefilms nicht bloß beschlagnahmen, sondern gleich vernichten, obwohl das Werk, wenn es überhaupt eine Botschaft hatte, eher kritisch als affirmativ gemeint war: Sie alle wurden damals zum Gespött einer Öffentlichkeit, die schnell merkte, daß hier bloß Geschmacksurteile exekutiert wurden. Gegen Geschmacksurteile ist aber jederzeit Revision gestattet - und das Splattergenre wurde nicht etwa von deutschen Richtern erledigt, sondern von den vielen Parodien, welche die Zombies und ähnliche Monster ein für allemal in lächerliche Figuren verwandelt haben.

Was den Verdacht der Gewaltverherrlichung angeht, so hat sich der schon in den siebziger Jahren selbst dementiert: Damals war es unter Linken und Intellektuellen sehr populär, dem Schauspieler Clint Eastwood vorzuwerfen, er proklamiere in seinen Rollen die Selbstjustiz und verherrliche den einsamen Gewalttäter. Daß ausgerechnet jene, die eine solche Wirkung diagnostizierten, gegen ebendiese Wirkung immun waren, gab ihnen nicht zu denken. Und wenn Otto Schily morgen die Polizei losschickte, damit sie alle Gewaltverherrlicher und -verharmloser verhafte: Wo verstecken sich dann James Bond und Indiana Jones, der Terminator und der Gladiator?

Vielleicht sollte die Polizei doch lieber Verbrecher als Fiktionen jagen.

CLAUDIUS SEIDL


Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2002, Nr. 101 / Seite 49
 

 

 
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