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Gespräch mit einem ethischen Hacker, der
die gefälschte Steinhäuser-Seite sperrte Netz-Trittbrettfahrer kann man
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Dossier:
Die „Counterstrike-Debatte“ |
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8. Mai 2002 Trittbrettfahrer im Netz handeln aus den
unterschiedlichsten Motiven: Mal wollen sie Verschwörungstheorien
verbreiten und anheizen, mal "gesellschaftskritisch" Zustände "auf
die Spitze treiben", mal steht der Spaß der Irreführung von
Journalisten und Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Der Berliner
Christoph Kastius, der sich selbst als "ethischen Hacker"
bezeichnet, hat die Website, die in diversen Medien fälschlich als
die persönliche Homepage des Erfurter Mörders Robert Steinhäuser
wahrgenommen wurde, in Eigenrecherche gehackt und dann gesperrt,
wofür ihm nicht nur Lob zuteil wurde: Man hat ihn als
selbstherrlichen "Zensor" attackiert, als Feind der
Informationsfreiheit dargestellt und kurzzeitig sogar der
Urheberschaft der von ihm gesperrten Site verdächtigt.
F.A.Z.
Wie sind Sie auf die angebliche Täter-Website aufmerksam
geworden?
Auf einer Pressekonferenz wurde sehr früh kurz nach
der Tat bekanntgegeben, daß der Schütze eine eigene Homepage haben
oder gehabt haben soll. Die Adresse der Site wurde nicht genannt.
Ich habe also erst mal angerufen, bei der Erfurter Polizei, um mir
diese URL zu beschaffen: Dabei gab ich mich als Pressevertreter aus
- die hätten diese Information einem Normalsterblichen
wahrscheinlich gar nicht mitgeteilt. Als ich die Adresse hatte, bin
ich sofort draufgesurft und stellte allein schon am Erscheinungsbild
und am Text fest, daß das so nicht stimmen kann. Das Ding war
einfach so schlecht gemacht - da hat jemand ein Foto der Thüringer
Allgemeinen genommen, nur eins - wenn man wirklich eine private
Homepage hat, setzt man mehrere rein, und außerdem sehen sie viel
eindeutiger nach privaten Bildern aus, nicht wie dieses
Zeitungsbild. Und dann dieser Text: "Achtung: Für Lehrer und andere
Zecken VERBOTEN! Willkommen auf meiner kleinen Weltnezseite! Mein
Name ist Robert Steinhäuser und hier lernt ihr mehr über mich! Ich
bin 18 Jahre alt und gehe noch in das Johannes Gutenberg-Gymnasium",
gefolgt von Hetze gegen Lehrer und sichtlich eilig zusammengehackten
Sachen voller Grammatik-Unstimmigkeiten wie: "Manchmal habe ich das
Gefühl, daß ich jetzt Amok laufen müßte, wenn mir zum Beispiel ein,
wenn mich die egoistischen Stasi-Lehrer wieder den ganzen Tag mir
ihren Integralrechnungen versaut haben!"
Als Sie das gesehen
hatten, fing die eigentliche Recherche an - wie sind Sie dabei
vorgegangen?
Ich habe zunächst ein paar Suchmaschineneinträge
überprüft, die nach der Tat gemacht wurden - die Website wurde
relativ frisch registriert. Mittlerweile habe ich Zugriff auf das
komplette Server-Logfile, dessen Auswertung wird jetzt im Netz
veröffentlicht, bei www. suchhotline.org. Ich habe das da also
zurückverfolgt, und laut diesem Logfile war der Anschluß einer aus
Frankfurt/Main, der erste Eintrag und der erste Besuch der Website
fanden am 26. April 2002 zwischen 17 und 18 Uhr amerikanischer Zeit
statt. Von da aus wurden die ganzen Aktivitäten gemacht.
Wahrscheinlich stecken zwei Personen dahinter, die auch die Domain
www.nachtkatze.de betreiben. Dort kommt man nach der Startseite
nicht mehr weiter, weil die sich wohl auch gedacht haben, irgendwann
geht die Aufregung los.
Können Sie noch etwas zum technischen
Verlauf Ihres Hacks sagen?
Im Grunde war es einfach: Ich habe
mir einen zweiten Account eingerichtet, über diesen ein paar
PHP-Skripte (Personal Homepage, eine Skriptsprache für die
Website-Erstellung) raufgeladen und über diese PHP-Skripte dann die
internen Logfiles ausgewählt. Daß ich auf diesen Server Zugriff
habe, kann ich auch praktisch beweisen.
Wie verhalten sich
die Ermittlungsbehörden zu dem, was Sie herausgefunden und
unternommen haben?
Nun ja, ich glaube, die sind überfordert.
Wir machen im Grunde deren Arbeit, aber von Unterstützung seitens
der Polizei ist nicht viel zu sehen. Man darf keinen Dank erwarten -
immerhin, der Journalist, der mich beschuldigt hat, die Site selbst
gemacht zu haben, hat das inzwischen zurückgenommen.
Das
Gespräch führte Dietmar Dath.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung,
08.05.2002, Nr. 106 / Seite 51
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