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15. Oktober 2002    <Gast>
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Nicht indiziert: "Counterstrike"


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Gewaltspiele
Indizierung: „Counterstrike“ auf dem Prüfstand
Von Dieter Hoß
 
 
16. Mai 2002 Einen solchen Andrang hat man bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bonn noch nie erlebt. „Wir sind hier nur acht Angestellte, das können wir kaum bewältigen“, stöhnen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Der Grund für das riesige öffentliche Interesse: Am Donnerstag entscheidet die Prüfstelle, ob das Online-Computerspiel „Counterstrike“ indiziert wird oder nicht. Das Spiel ist ins Gerede gekommen, weil auch der 19-jährige Amokläufer von Erfurt ein eifriger „Counterstriker“ gewesen sein soll.

Dass das Verfahren gerade jetzt stattfindet, ist allerdings reiner Zufall. Der Antrag auf Überprüfung des von seinen Anhängern gerühmten und preisgekrönten Spiels liegt der dem Bundesfamilienministerium zugeordneten Behörde bereits seit geraumer Zeit vor. Nach Angaben der Bundesprüfstelle hat es bereits im März - also lange vor dem Amoklauf - einen Anhörungstermin gegeben. Der Anwalt der Herstellerfirma Sierra habe seinerzeit eine Vertagung der Entscheidung durchgesetzt. Angaben über die Gründe gibt es angesichts des laufenden Verfahrens nicht.

Ganz normales Verfahren

Formal ist die mögliche „Counterstrike“-Indizierung für die Bundesprüfstelle also ein ganz normales Verfahren. Die Behörde darf nicht aus eigenem Antrieb, sondern nur auf Antrag einer berechtigten Stelle - Jugendämter, Landesjugendämter, Bundesfamilienministerium - tätig werden. Rund 500 Anträge gehen alljährlich ein. „Das kommt alles aus der Bevölkerung“, betont Wilfried Schneider, Sprecher der Bundesprüfstelle. Die Menschen wenden sich an die Polizei oder die Jugendbehörden. Die offiziellen Stellen bringen das Verfahren dann auf den korrekten Weg. „Wir selbst machen das nicht“, betont Schneider. Zwar könnten auch die Mitarbeiter der Prüfstelle als Privatperson bei einem Jugendamt eine Beschwerde einreichen, „aber dann riskieren wir eine Einstellung des Verfahrens wegen Befangenheit.“ Die Anträge aus der Bevölkerung reichten ohnehin aus.

Der oder die Antragsteller können, müssen aber nicht bei dem Verfahren anwesend sein. Im Fall „Counterstrike“ erwartet die Stelle angesichts des öffentlichen Interesses, dass der Antragsteller, von dem derzeit nur bekannt gegeben wird, dass er „aus Nordrhein-Westfalen“ stammt, seinen Antrag am Donnerstag begründen wird. Rechtsanwalt und Vertreter des Spiele-Herstellers werden vor dem so genannten 12er-Gremium unter der Leitung der Vorsitzenden der Bundesprüfstelle, Elke Monssen-Engberding, ihren Standpunkt vertreten und das Spiel während der Verhandlung demonstrieren. Danach zieht sich das Gremium zur Beratung zurück, die „mindestens zwei Stunden dauern wird“, glaubt man in der Prüfstelle angesichts der Brisanz des Falls an eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gesehenen, ehe man die Entscheidung öffentlich bekannt gibt.

Indizierung ist kein Verbot

Um das Spiel zu indizieren, ist eine Zweidrittel-Mehrheit nötig. Wird ein Spiel, ein Video, eine Internetseite oder ein Schriftstück - die Art des Mediums ist nicht entscheidend - indiziert, so ist dies kein Verbot, sondern nur eine Maßnahme des Jugendschutzes. Wer volljährig ist, kann ein indiziertes Produkt beim Kauf verlangen und auch spielen. „Sonst wäre das Zensur“, betont Prüfstellen-Sprecher Schneider.

Allerdings müssen indizierte Produkte auf jegliche Weise aus der Reichweite und sogar aus den Augen von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren verschwinden. Das bedeutet: Geschäfte und Bibliotheken müssen die beanstandeten Medien aus den Regalen räumen, ein Versand der Produkte ist ebenso verboten wie Werbung, an Kiosken, auf Flohmärkten und in Online-Auktionen darf nichts Indiziertes angeboten werden, gleiches gilt für Internet-Spiele-Server. Jugendliche, die im Fall der Fälle nach einer Indizierung ihr Spiel auf dem Flohmarkt verhökern wollen, machen sich also genauso strafbar wie Betreiber von Internet-Servern, die den Zugang zu ihrem indizierten Online-Spiel nicht für Kinder und Jugendliche sperren. Bei Servern im Ausland ist eine Zusammenarbeit des Bundeskriminalamtes mit den Behörden des jeweiligen Landes nötig, um gegen die Betreiber bei einem Verstoß vorzugehen. Mit den meisten Staaten gibt es dabei - wie im Kampf gegen Kinderpornografie und Neonazis - zumeist keine Probleme.

Verbote sind eine Illusion

Nicht untersagt ist durch eine Indizierung eine redaktionelle Berichterstattung über das beanstandete Spiel - obwohl solche Berichte natürlich die Neugier aufs Verbotene wecken können. Sollte „Counterstrike“ also am Donnerstag tatsächlich vor den strengen Augen der Prüfer nicht bestehen, wird man weiterhin über das Spiel berichten und auch den Titel nennen dürfen, ohne dass dies als Werbung angesehen wird. Selbst eine Spielrezension ist nach derzeitiger Rechtslage zulässig - allerdings darf es keinen Hinweis geben, wo man ein indiziertes Spiel kaufen oder downloaden kann. „Uns ist kein Fall bekannt, in dem ein redaktioneller Beitrag bereits als Werbung verstanden worden wäre“, so Schneider. Wäre dies anders, hätte bereits die vehemente „Counterstrike“-Diskussion der letzten Tage die Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen müssen.

Eine ganz andere Frage ist allerdings, ob durch Verbote oder Indizierungen von Computerspielen die seit Erfurt heiß diskutierte Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen eingedämmt werden kann. Einige Fachleute bezweifeln das. „Verbote wecken die Illusion, die Welt wäre auf eine simple Art wieder ins Lot zu rücken“, sagte der Münsteraner Erziehungswissenschaftler Friedrich Schönweiss der Nachrichtenagentur dpa. Gegen ein Verbot geschmackloser und menschenverachtender Spiele sei nichts einzuwenden, doch allzu viel versprechen sollte man sich davon nicht, meint der Wissenschaftler. Es sei bedenklich, dass viele junge Leute nur in derartigen Spielen „ein Angebot an ihre Kreativität sehen“.


Text: @dho
Bildmaterial: screenshot
 
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