Dies ist das Archiv von MedienGewalt.de.
Das Archiv enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.
MedienGewalt.de steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.


DasErste.de
ARD.de DasErste.de tagesschau.de
Kriegsspiele (SWR)
Kriegsspiele (SWR)
Bild: Oliver, der Clan-Leader von "Knights of darkness", einem Clan, den der Autor drei Monate lang beobachtet hat.

 
Dienstag, 30. Juli 2002,
23 Uhr
Sie heißen Myth, Amoxxk, oder Der Gestörte. Sie kommen aus Esslingen, Frankfurt und Hofheim am Taunus. Übers Internet sind sie miteinander verbunden. Sie sind zwischen 15 und 19 Jahre alt und ihre Hauptbeschäftigung ist es, Krieg zu spielen - jeder für sich zu Hause am PC. Am liebsten kämpfen sie gemeinsam gegen andere Jugendliche, die sich ebenso wie sie zu einem Clan zusammengeschlossen haben. In solchen Clan-Wars sind die einen die Terroristen, die anderen die Counter-Terroristen, was so viel bedeutet wie die guten Polizisten. Welche Rolle sie spielen, ist den Jungs jedoch ziemlich egal. Denn ihnen geht es ja - wie sie immer wieder betonen - nur ums Spielen. Diese Kriegsspiele mit hochauflösenden 3D-Graphiken sehen verblüffend echt aus. Aus Hunderten von sogenannten MAP´s können die Spieler auswählen, ob sie lieber eine Flugzeugentführung nachspielen möchten oder einen Häuserkampf im Kosovo. 500.000 Jugendliche spielen allein in Deutschland das Königsspiel unter den Computerkriegsspielen - Counterstrike. Ihre Waffen sind virtuell: Pistolen, Maschinengewehre, Präzisionswaffen - mit oder ohne Schalldämpfer.

Im Bild: Video-Kids auf einer LAN-Party, wo Hunderte von Kids ihre PCs zusammengeschlossen haben.

Der Film porträtiert jugendliche Counterstrike-Spieler und setzt sich mit ihrer Faszination für Computer-Kriegsspiele auseinander.
Durch das Amokdrama von Erfurt gewinnt der Film, der bereits im Januar 2002 seinen Drehstart hatte, eine unbeabsichtigte Brisanz. Ratlos werden jetzt Antworten auf die Frage gesucht, wie es zu der Wahnsinnstat Robert Steinhäusers kommen konnte. Auch über den umstrittenen Zusammenhang zwischen realer Gewalt und gewalttätigen
Computerspielen wird erneut heftig diskutiert. Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) verstärkt mit Computerspielen. Bei Counterstrike wurde allerdings einer Indexierung widersprochen.

Marcus Vetter zeichnet ein Psychogramm von durchaus sympathischen Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Sie gehören einer rasant wachsenden Jugendbewegung an, die einen ganz wesentlichen Teil ihrer Freizeit mit Computer-Kriegsspielen wie Counterstrike verbringt. Mittlerweile gibt es Tausende solcher Clans wie der von Myth, Amoxxk und dem Gestörten. Nicht nur in Deutschland - Counterstrike wird international gespielt. Das gewalttätige Computerspiel gilt bei seinen Anhängern als Sport. In Counterstrike-Bundes- und Europaligen tragen die Spieler ihre Clan-wars über das Internet miteinander aus. Der Traum jedes Counterstrikers ist es, einmal bei einer der von Intel oder Microsoft gesponserten Meisterschaften teilnehmen zu dürfen. Diese finden in Sporthallen statt. Jeder Clan bringt seine eigenen PCs mit. Vor Ort werden die PCs zu einem Netzwerk (LAN) zusammengeschlossen. Die Preisgelder betragen bis zu 30.000 Dollar.

Der Dokumentarfilm Kriegsspiele spielt in einer Zeit, in der die reale Welt zum Krieg rüstet. Gleichzeitig nimmt die Gewaltbereitschaft von innen und von außen deutlich zu. Welcher Stellenwert kommt in diesem Zusammenhang den Computer-Kriegsspielen zu? Inwieweit stellen die Spiele eine Gefahr für die Jugendlichen und die Gesellschaft dar? Der Film sucht Antworten auf diese Fragen bei den Eltern, den Lehrern und vor allem bei den Jugendlichen selbst.

Film von Marcus Vetter

Empfehlung: Gewaltfreie Computerspiele

 Dienstag, 8. Oktober 2002 MailA bis ZSuchePrintPressedienstSeitenanfang