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"Ich möchte
stellvertretend für alle Schüler unseres Gymnasiums einige Worte an
Sie richten. Vor allem aber sind diese Worte für die Schüler, die
Lehrer, die Angehörigen der Opfer und die gesamten Hilfskräfte.
Unsere Schule war einmal von einer sehr familiären Atmosphäre
geprägt - und das soll sie auch wieder werden.
Wenn man die
Schule betrat, dann fühlte man die Geborgenheit wie in einem zweiten
Zuhause. Unsere Lehrer sind nicht bloß Pädagogen für uns gewesen,
sondern auch Vertraute und auf eine gewisse Art und Weise auch
Freunde. Sie hatten viel Verständnis für uns, sorgten sich um uns,
wenn es uns mal nicht so gut ging, waren immer für uns da, wenn wir
ein Problem hatten. Auch über den Unterricht hinaus redeten Sie mit
uns und waren für Diskussionen offen.
Diese Menschen gaben
uns Ratschläge für unseren Lebensweg und führten uns in vielen
Hinsichten durch unser Leben. Sie haben uns geprägt und dazu
beigetragen, dass wir die Menschen geworden sind, die wir heute
sind. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und sie werden uns immer
unglaublich fehlen. Und es kommt mir manchmal so vor, als wären sie
noch da. Ich laufe durch die Straßen Erfurts und sehe Menschen, von
denen ich glaube, das ist ein Lehrer von unserer Schule, der ist
noch gar nicht tot. Aber beim zweiten Blick stelle ich fest, das ist
kein Lehrer, sondern ein anderer Mensch.
In unseren Herzen
ist eine Leere eingetreten und sie sind erfüllt mit tiefer Trauer um
die Opfer des vergangenen Freitags. Die Angehörigen der Opfer haben
unser aller Beileid, aber auch unser tiefes Mitgefühl, unseren
Beistand und unsere Unterstützung. Diese Lehrer werden für uns immer
eine ganz besondere Rolle spielen, und ihre ganz eigene Art macht
sie für uns zu etwas ganz Besonderem.
Wir werden sie bis in
Ewigkeit in unseren Herzen tragen. Jeder von ihnen war einmalig, und
solche Menschen finden nicht Ihresgleichen. Das gilt natürlich auch
für die Schüler, die Sekretärin und den Polizisten. Wir möchten auf
diesem Weg auch den Lehrern danken, denen wir heute noch um den Hals
fallen können. Sie haben uns auf der Flucht über den Zaun geholfen,
vor ihrer Klasse Stärke und Ruhe zeigen müssen, obwohl sie innerlich
gezittert haben. Und sie sind jetzt noch für uns da.
Wir
danken allen, die uns am Freitag aus dieser grausamen Situation
rausgeholfen haben und sofort zur Stelle waren. Den Polizisten, die
ihr Leben für uns riskiert haben, den technischen Hilfskräften, den
Sanitätern, Ärzten und Psychologen, die sich auch um unsere
Angehörigen kümmerten. Aber auch in den darauf folgenden Tagen waren
viele Menschen im Rathaus an unserer Seite. Besonders unsere Eltern,
unsere Lehrer, die Psychologen, die in unseren Klassen waren, die
Mitarbeiter des Rathauses, insbesondere auch der Oberbürgermeister,
Herr (Manfred) Ruge.
Zu guter Letzt möchten wir auch (der
Schuldirektorin) Frau Alt danken, für ihre Stärke, die sie in den
letzten Tagen zeigte. Sie hat die Schule zu dem gemacht, was sie war
und wieder werden wird. Ich bewundere sie, mit welcher Kraft sie das
in den letzten Tagen alles gemeistert hat. Diese Kraft möchte ich
auch allen anderen wünschen, den Angehörigen, den Lehrern, dass sie
die Erlebnisse verarbeiten können und sich nicht davon entmutigen
lassen.
Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch ein Gedicht von
Ulrich Schaffer vortragen: "Niemand hat Deine Fingerabdrücke."
Niemand hat Deine Stimme. Niemand sagt so "Ich liebe Dich" wie Du,
niemand glaubt wie Du. Niemand denkt so ans Sterben wie Du. Niemand
hat Deine Geschichte. Niemand spürt die gleiche Trauer, das gleiche
Glück wie Du. Niemand ist wie Du. Niemand in Deinem Land, auf Deinem
Kontinent, auf dem dritten Planeten dieses Sonnensystems, in der
Galaxie, die wir die Milchstraße nennen. Niemand. Weil Du einmalig
bist. |
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| 05.07.2002 | 00:14 |
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