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| Bei Schweigemärschen und
Mai-Kundgebungen in Thüringen haben Tausende der Opfer des Amoklaufs
von Erfurt gedacht. Dort zogen etwa 2500 Menschen schweigend durch
die Straßen. Fahnen waren mit schwarzen Bändern geschmückt. Auf
Transparenten waren Aufschriften wie "Kein privater Waffenbesitz" zu
lesen. Nach dem Amoklauf hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)
die geplanten Festprogramme zum 1. Mai in Thüringen abgesagt und zum
Gedenken aufgerufen. Landesweit beteiligten sich rund 6000 Menschen
an den Kundgebungen. |
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Ver.di Landeschefin
Rühlemann sagte, "wir teilen gemeinsam Trauer, Schmerz,
Sprachlosigkeit und Ohnmacht". Ein politischer Streit sei aus
Respekt vor den Toten und Angehörigen zurzeit nicht angebracht. Sie
befremde der "Aktionismus derer, die so schnell schon wieder
schnelle Antworten parat haben, um sie in Gesetze zu
gießen".
DGB-Landeschef Spieth sagte in Nordhausen: "Heute
muss im Zentrum von uns das Andenken an die Opfer stehen, das
Mitgefühl und unsere Solidarität den Angehörigen, Familien, Schülern
und Lehrern gelten". Die Katastrophe biete Anlass, darüber
nachzudenken, welche Ursachen Gewalt hat. Wichtig sei nun, dass alle
gemeinsam für eine gewaltfreie und zivilisierte Gesellschaft
einträten. Zudem forderte er ein Umdenken in der Bildungspolitik. Er
sprach sich für Schulen aus, in denen die Schüler Wissen erwerben
und zugleich Sozialverhalten erlernen können. "Wir brauchen Schulen,
in denen Zuwendung eine größere Bedeutung hat", betonte Spieth.
Erforderlich seien Ganztagschulen, mehr Lehrerstellen und ein
qualifiziertes pädagogisches Konzept.
Der Landeschef der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Röhreich, sagte in Erfurt,
er hoffe, dass nicht schon nach einer Woche Rummel wieder Ruhe
einkehre. Die schreckliche Tat solle zum Handeln und Nachdenken
zwingen. Kinder würden während der Schulzeit zu früh und zu oft
selektiert. Eine gebührenfreie Kindergartenbetreuung sei nötig. Bei
den Ausgaben für Kinder dürfe nicht gespart
werden.
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Kostenlos zur
Trauerfeier
Thüringer Schulklassen können am Freitag
kostenlos mit der Bahn zur offiziellen Trauerfeier für die Opfer des
Amoklaufes fahren. Die Deutsche Bahn in Erfurt bittet jedoch um
vorherige Anmeldung, um bei Bedarf zusätzliche Züge einsetzen zu
können. Anmeldungen mit der Zahl der Schüler und der gewünschten
Verbindung können unter folgende Rufnummern angemeldet
werden:
Fax: 0361 - 300 39 64
Telefon: 0361 - 300 18
88, 300 31 35 und 300 31 36
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Ab Montag wieder
Unterricht
Die Schüler des Gutenberg-Gymnasiums wollten
den 1. Mai im Kreis ihrer Familien verbringen. Das Rathaus, in dem
die rund 700 Schüler seit Montag psychologisch betreut werden, war
am Mittwoch geschlossen. Ab Montag sei es möglich, dass sie in der
Schule in der Scharnhorststraße wieder unterrichtet werden, hieß es
im Kultusministerium.
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Betreuung der
Polizisten durch Kollegen aus Hannover
Um die
Polizeibeamten vor Ort kümmert sich nun ein Betreuungsteam aus
Hannover. Kriminalbeamter Zitzke aus Niedersachesen sagte: "Unter
den Kollegen herrscht ganz große Verunsicherung und tiefe
Fassungslosigkeit, einige sind regelrecht handlungsunfähig". Zitzke
wird zusammen mit zwei ebenfalls speziell geschulten Kollegen der
Polizeidirektion Hannover etwa zwei Wochen in Erfurt verbringen. In
Gesprächen sollen die Ereignisse mit den Beamten besprochen werden.
Zitzke: "Wir leisten eine Art psychologische Erste
Hilfe".
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| 04.07.2002 | 22:14 |
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