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Im Erfurter Dom haben 3000
Menschen der Opfer des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium gedacht. Zu
der Gedenkstunde waren auch Bundeskanzler Schröder und Thüringens
Ministerpräsident Vogel gekommen. Schröder trug sich am Nachmittag
in Begleitung seiner Frau Doris in das Kondolenzbuch der Stadt ein,
nachdem er einen Blumenkranz vor dem Eingang des Gutenberg-Gymnasium
niedergelegt hatte.
Erfurts katholischer Bischof Wanke sagte,
nach der Bluttat seien Entsetzen, Ratlosigkeit und Trauer die
vorherrschenden Emotionen. "Vor einem solchen Tod versagen alle
Erklärungen". Wanke forderte, Erziehung zur Gewaltlosigkeit müsse
nach dem "furchtbaren Verbrechen eine neue Wertschätzung erfahren".
Der evangelische Superintendent Fuhrmann forderte die Gesellschaft
auf, Wege zu suchen, um die "Keime der krankmachenden Gewalt in
ihrer Entwicklung zu hindern". Eine offizielle Trauerfeier findet am
kommenden Freitag im Beisein von Bundespräsident Rau statt.
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Beherzter Lehrer stoppt
den Amokläufer
Ein Geschichtslehrer des Gymnasiums hatte
den jungen Mann stoppen können. Als der Täter vor ihm stand, habe er
sich selbst seine Maske vom Kopf gezogen, berichtete der Lehrer.
Daraufhin habe er den Jungen erkannt und angesprochen: "Robert? Was
machste denn?" Dann habe er den Jungen aufgefordert, ihm in die
Augen zu sehen, wenn er die Waffe abdrücke. Dieser antwortete
jedoch: "Für heute reicht´s, Herr Heise." Daraufhin konnte der
Lehrer den Schützen unvermittelt in ein Klassenzimmer stoßen und den
Raum absperren. Dort erschoss sich der Amokläufer. Später fand die
Polizei in einer Toilette noch rund 500 Schuss
Munition.
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| Wie es in der Schule
weitergeht, ist unklar. Ungefähr ein Drittel des Lehrkörpers ist
tot. Viele Schüler sagten in Interviews, sie könnten sich nicht
vorstellen, wieder in dem Schulhaus unterrichtet zu werden.
Ministerpräsident Vogel kündigte am Sonnabend an, dass in der
kommenden Woche alle betroffenen Familien besucht werden, um über
psychologische Hilfe zu beraten. Auch andere Bundesländer haben ihre
Hilfe angeboten. Wie sie aussehen soll, werde in den nächsten Tagen
geklärt. Vogel sagte weiter: "Unsere Antwort ist nicht, aus Schulen
Festungen zu machen. Wir können das nicht und wir wollen das nicht.
Die Schlüsse, die wir in den kommenden Wochen aus den Ereignissen
ziehen müssen, sind anderer Art." |
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Polizei erwartet erste
Obduktionsergebisse am Sonntag
Gerüchte über einen
Mittäter haben sich bislang nicht bestätigt. Die Erfurter Polizei
erklärte im Gespräch mit MDR ONLINE am Abend, entgegen
anderslautenden Berichten werde nicht nach dem 21-Jährigen Bruder
des Täters gefahndet. Mit ersten Obduktionsergebnisse werde am
Sonntag gerechnet. Dadurch könnte sich klären, ob alle Opfer mit
Schüssen aus der Pistole des toten Amokschützen getötet wurden. Bei
der Pistole, die beim Täter gefunden wurde, handelt es sich der
Polizei zufolge um eine Neunmillimeter
Kleinfeuerwaffe.
Derzeit werden noch zehn der 16 verletzten
Personen im Krankenhaus behandelt. Unter ihnen ist eine Frau, die
irrtümlicherweise für tot gehalten worden war. Die Polizei hatte am
Vormittag die Zahl der Toten von 18 auf 17 korrigiert. Der
19-jährige Amokschütze, der erst kürzlich wegen Urkundenfälschung
vom Gutenberg-Gymnasium verwiesen worden war, hatte am
Freitagnachmittag in seiner ehemaligen Schule 16 Personen getötet:
13 Lehrer, einen Polizisten sowie ein Mädchen und einen Jungen.
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Der Täter galt als
unbescholten und unauffällig. Allerdings war er im vergangenen Jahr
beim Abitur durchgefallen und fiel in der Schule mehrfach auf, weil
er Krankschreibungen fälschte. Kurz vor dem zweiten Anlauf zum
Abitur wurde er der Schule verwiesen. Der junge Mann war Mitglied in
zwei Schützenvereinen und verfügte legal über seine Waffen und
Munition. Angeblich begeisterte er sich aber auch für gewalttätige
Videospiele. Die Polizei beschlagnahmte inzwischen seinen Computer.
Außerdem fand sie bei ihm zuhause weitere 500
Patronen.
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Reaktionen auf das
Geschehen in Erfurt
Der Amoklauf in Erfurt hat weit über
die Grenzen Deutschlands hinaus für Entsetzen gesorgt. Papst
Johannes Paul II. erklärte in einem Schreiben den Angehörigen der
Opfer und der Schulgemeinschaft sein Beileid. Die "bestürzende
Nachricht vom sinnlosen Blutvergießen und vom gewaltsamen Tod vieler
Menschen" erfülle ihn mit Schmerz und Trauer. Am Freitagabend nach
dem schrecklichen Ereignis fanden in Erfurt mehrere Gottesdienste
statt, unzählige Menschen trugen sich in das Kondolenzbuch der Stadt
ein.
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Notruf und
Hilfe
Unter der Nummer 0361/260 6847 hat die Polizei eine
Hotline eingerichtet. Folgende Erfurter Hilfseinrichtungen bieten
Beistand für Betroffene und Angehörige: der Kinderschutzdienst
"Hautnah" unter 0361/736 0124, der "Schlupfwinkel" unter 0361/562
4688 sowie das Sorgentelefon unter 0800/008 0080.
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| 04.07.2002 | 22:07 |
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