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27.April: Erfurt trauert
Im Erfurter Dom haben 3000 Menschen der Opfer des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium gedacht. Zu der Gedenkstunde waren auch Bundeskanzler Schröder und Thüringens Ministerpräsident Vogel gekommen. Schröder trug sich am Nachmittag in Begleitung seiner Frau Doris in das Kondolenzbuch der Stadt ein, nachdem er einen Blumenkranz vor dem Eingang des Gutenberg-Gymnasium niedergelegt hatte.

Erfurts katholischer Bischof Wanke sagte, nach der Bluttat seien Entsetzen, Ratlosigkeit und Trauer die vorherrschenden Emotionen. "Vor einem solchen Tod versagen alle Erklärungen". Wanke forderte, Erziehung zur Gewaltlosigkeit müsse nach dem "furchtbaren Verbrechen eine neue Wertschätzung erfahren". Der evangelische Superintendent Fuhrmann forderte die Gesellschaft auf, Wege zu suchen, um die "Keime der krankmachenden Gewalt in ihrer Entwicklung zu hindern". Eine offizielle Trauerfeier findet am kommenden Freitag im Beisein von Bundespräsident Rau statt.
Beherzter Lehrer stoppt den Amokläufer

Ein Geschichtslehrer des Gymnasiums hatte den jungen Mann stoppen können. Als der Täter vor ihm stand, habe er sich selbst seine Maske vom Kopf gezogen, berichtete der Lehrer. Daraufhin habe er den Jungen erkannt und angesprochen: "Robert? Was machste denn?" Dann habe er den Jungen aufgefordert, ihm in die Augen zu sehen, wenn er die Waffe abdrücke. Dieser antwortete jedoch: "Für heute reicht´s, Herr Heise." Daraufhin konnte der Lehrer den Schützen unvermittelt in ein Klassenzimmer stoßen und den Raum absperren. Dort erschoss sich der Amokläufer. Später fand die Polizei in einer Toilette noch rund 500 Schuss Munition.
Wie es in der Schule weitergeht, ist unklar. Ungefähr ein Drittel des Lehrkörpers ist tot. Viele Schüler sagten in Interviews, sie könnten sich nicht vorstellen, wieder in dem Schulhaus unterrichtet zu werden. Ministerpräsident Vogel kündigte am Sonnabend an, dass in der kommenden Woche alle betroffenen Familien besucht werden, um über psychologische Hilfe zu beraten. Auch andere Bundesländer haben ihre Hilfe angeboten. Wie sie aussehen soll, werde in den nächsten Tagen geklärt. Vogel sagte weiter: "Unsere Antwort ist nicht, aus Schulen Festungen zu machen. Wir können das nicht und wir wollen das nicht. Die Schlüsse, die wir in den kommenden Wochen aus den Ereignissen ziehen müssen, sind anderer Art."
Polizei erwartet erste Obduktionsergebisse am Sonntag

Gerüchte über einen Mittäter haben sich bislang nicht bestätigt. Die Erfurter Polizei erklärte im Gespräch mit MDR ONLINE am Abend, entgegen anderslautenden Berichten werde nicht nach dem 21-Jährigen Bruder des Täters gefahndet. Mit ersten Obduktionsergebnisse werde am Sonntag gerechnet. Dadurch könnte sich klären, ob alle Opfer mit Schüssen aus der Pistole des toten Amokschützen getötet wurden. Bei der Pistole, die beim Täter gefunden wurde, handelt es sich der Polizei zufolge um eine Neunmillimeter Kleinfeuerwaffe.

Derzeit werden noch zehn der 16 verletzten Personen im Krankenhaus behandelt. Unter ihnen ist eine Frau, die irrtümlicherweise für tot gehalten worden war. Die Polizei hatte am Vormittag die Zahl der Toten von 18 auf 17 korrigiert. Der 19-jährige Amokschütze, der erst kürzlich wegen Urkundenfälschung vom Gutenberg-Gymnasium verwiesen worden war, hatte am Freitagnachmittag in seiner ehemaligen Schule 16 Personen getötet: 13 Lehrer, einen Polizisten sowie ein Mädchen und einen Jungen.
Der Täter galt als unbescholten und unauffällig. Allerdings war er im vergangenen Jahr beim Abitur durchgefallen und fiel in der Schule mehrfach auf, weil er Krankschreibungen fälschte. Kurz vor dem zweiten Anlauf zum Abitur wurde er der Schule verwiesen. Der junge Mann war Mitglied in zwei Schützenvereinen und verfügte legal über seine Waffen und Munition. Angeblich begeisterte er sich aber auch für gewalttätige Videospiele. Die Polizei beschlagnahmte inzwischen seinen Computer. Außerdem fand sie bei ihm zuhause weitere 500 Patronen.
Reaktionen auf das Geschehen in Erfurt

Der Amoklauf in Erfurt hat weit über die Grenzen Deutschlands hinaus für Entsetzen gesorgt. Papst Johannes Paul II. erklärte in einem Schreiben den Angehörigen der Opfer und der Schulgemeinschaft sein Beileid. Die "bestürzende Nachricht vom sinnlosen Blutvergießen und vom gewaltsamen Tod vieler Menschen" erfülle ihn mit Schmerz und Trauer. Am Freitagabend nach dem schrecklichen Ereignis fanden in Erfurt mehrere Gottesdienste statt, unzählige Menschen trugen sich in das Kondolenzbuch der Stadt ein.
Notruf und Hilfe

Unter der Nummer 0361/260 6847 hat die Polizei eine Hotline eingerichtet. Folgende Erfurter Hilfseinrichtungen bieten Beistand für Betroffene und Angehörige: der Kinderschutzdienst "Hautnah" unter 0361/736 0124, der "Schlupfwinkel" unter 0361/562 4688 sowie das Sorgentelefon unter 0800/008 0080.
04.07.2002 | 22:07  
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