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Die Ermittlungen zum
Amoklauf in Erfurt konzentrieren sich derzeit auf mögliche Komplizen
oder Mitwisser. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Polizei
erklärten, sie könnten noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit
ausschließen, ob es Helfer oder Mitwisser gegeben habe. Als fast
ausgeschlossen wird ein weiterer Schütze. Eine Rekonstruktion des
Tathergangs in voraussichtlich zwei Wochen soll klären, ob "die Tat
in dieser Zeit von einer Person verübt werden konnte", sagte der
Erfurter Polizeichef Grube. Gegen einen zweiten Täter sprächen unter
anderem die 71 gefundenen Patronen, die alle mit der gleichen
Pistole abgeschossen wurden. Für die Ankündigung des Massakers in
einem Chat im Internet, wie das ein Zeuge aus Bayern behauptete,
gibt es laut Grube keine Hinweise. "Es lässt sich nicht nachweisen,
dass der relevante Chat stattgefunden hat", sagte
Grube.
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Pumpgun klemmte
Bisherigen Untersuchungen zufolge versagte die Pumpgun
des 19-Jährigen. Die Waffe sei manipuliert gewesen. Die Vorrichtung,
die dafür sorgt, dass die Waffe nur mit zwei Patronen gleichzeitig
bestückt werden kann, sei entfernt worden. In der Waffe hätten acht
Schrotpatronen gesteckt, eine weitere habe sich im Lauf
verklemmt.
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Nach 20 Minuten war
alles vorbei
Jüngsten Erkenntnissen zufolge spielte sich
die Tat binnen zehn bis 20 Minuten ab. Grube bestätigte, dass der
Lehrer Heise die Polizei sofort nach dem Zusammentreffen mit Robert
Steinhäuser informiert habe: Um 11.20 habe er Polizisten vor dem
Haupteingang erklärt, dass er jemanden eingeschlossen habe und den
Beamten einen Schlüssel übergeben. Er habe die Beamten zu den Raum
führen wollen, in dem sich Steinhäuser tatsächlich befunden habe.
Diese hätten Heise aber davon abgebracht, da der Täter bis an die
Zähne bewaffnet gewesen sei.
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SMS-Warnungen noch
ungeklärt
Zeugen hatten davon berichtet, dass sie per
Kurznachricht (SMS) davor gewarnt wurden, am Tattag in die Schule zu
gehen. Gruber erklärte dazu, diese Nachrichten seien weder vom Handy
noch vom Computer des Täters abgeschickt worden. Für weitere
Nachforschungen nach möglichen anderen Absendern seien noch
gerichtliche Beschlüsse nötig, sagte Staatsanwalt
Heß.
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Täter war Einzelgänger
mit Vorliebe für Gewaltfilme
Im Zimmer des Todesschützen
seien viele Computerspiele und Videokassetten mit brutalen
Gewaltdarstellungen entdeckt worden. Darunter hätten sich "dunkle,
bluttriefende und gewaltverherrlichende Filme" befunden. Steinhäuser
sei ein Einzelgänger gewesen, der "keinen festen Freundeskreis,
keinen richtigen Kumpel" hatte. Steinhäuser hatte am 26. April im
Gutenberg- Gymnasium 16 Menschen und sich selbst mit einer Pistole
erschossen. Er war einige Monate zuvor von dem Gymnasium verwiesen
worden.
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Polizei weist Vorwürfe
am Einsatz zurück
Die Polizei wies zudem Kritik an ihrem
Einsatz während des Amoklaufes zurück. "Kein Polizeibeamter ist zum
Tatort gefahren, der nicht Bescheid wusste, dass dort geschossen
wurde", sagte Grube. Die "Thüringische Landeszeitung" hatte zuvor
berichtet, Polizeiexperten zweifelten an dem Einsatz. Hauptkritik
sei, dass erst um 15.10 Uhr der letzte Verletzte geborgen wurde.
Aber auch der Führungs- und Einsatzstab im Innenministerium sei
kritisiert geworden. Grube erklärte, die Beamten hätten ihre Taktik
geändert, nachdem Informationen über einen möglichen zweiten Täter
bekannt wurden. Daher seien die Notärzte, die um 11.13 Uhr vor Ort
waren, nach eigenen Angaben nicht gleich in das Schulgebäude
gegangen. Sie hätten Polizeischutz abgewartet, und wenig später in
die Schule gegangen. |
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| 04.07.2002 | 22:59 |
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