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Die Schüler und Lehrer des
Erfurter Gutenberg-Gymnasiums haben am Montag den ersten Schritt in
den Schulalltag gewagt. Zehn Tage nach dem Amoklauf fanden sie sich
in einer Grundschule im Südosten für vier Unterrichtsstunden ein.
Die meisten Kinder brachten ihre Eltern mit. Sicherheitskräfte
wachten darüber, dass nur Befugte das Gebäude betraten. Wie der
Sprecher des Thüringer Kultusministeriums sagte, ist ein normaler
Unterricht aber noch nicht möglich. Die rund 700 Schüler werden
zusätzlich von 60 Lehrern aus Thüringer Schulen und zehn Pädagogen
aus dem Partnergymnasium Mainz unterrichtet. Weitere zehn Lehrkräfte
des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung wurden ebenfalls zur
Unterstützung hinzugerufen.
Einige Lehrer sind nach Angaben
des Kultusministeriums noch nicht in der Lage, wieder vor die
Schüler zu treten. Die Klassengemeinschaften, die nach der Tragödie
enger zusammengerückt waren, bleiben in ihrer bisherigen Form
bestehen. Sie werden weiterhin von jeweils zwei Psychologen betreut.
In den verbleibenden sechseinhalb Wochen bis zu den Sommerferien
soll die Zahl der täglichen Unterrichtsstunden auf vier beschränkt
bleiben. Für die Abiturienten begannen die Gespräche über
individuelle Lösungen für einen vollwertigen
Abschluss.
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Gutenberg-Gymnasium
bleibt vorerst geschlossen
Das Gutenberg-Gymnasium, in
dem die Polizei am vergangenen Mittwoch die Spurensicherung
abgeschlossen hatte, bleibt gesperrt. Das fast 100 Jahre alte
Jugendstil-Gebäude soll nach dem Willen von Schülern, Lehrern und
Eltern kein "Mahnmal" werden. Bundeskanzler Schröder versprach
inzwischen, dass der Bund die Renovierungskosten in Höhe von
mehreren Millionen Euro übernimmt. An der Renovierung wollen sich
auch Thüringer Firmen und andere Sponsoren finanziell und materiell
beteiligen.
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Amokläufer erhielt
keinen Schulverweis
Unterdessen hat das Thüringer
Kultusministerium darauf hingewiesen, dass der Erfurter Amokläufer
Robert Steinhäuser keinen Schulverweis vom Gutenberg-Gymnasium
erhalten hat. Steinhäuser sei im Oktober vergangenen Jahres zu einem
Schulwechsel aufgefordert worden, da das Vertrauensverhältnis
zwischen ihm und der Schulleitung zerstört gewesen sei. In einem
entsprechenden Gespräch habe er sich auch zu einem Schulwechsel
bereit erklärt. Anschließend habe das Erfurter Schulamt zwei neue
Schulen zugewiesen. Die erste Schule habe jedoch einen wichtigen
Kurs nicht angeboten, bei der daraufhin zugewiesenen Schule habe
sich der spätere Täter nicht gemeldet. Das Ministerium verwies
darauf, dass das Gutenberg-Gymnasium rechtlich korrekt gehandelt
habe und Steinhäuser "nicht ohne Netz und Boden" verwiesen habe. Der
zu diesem Zeitpunkt bereits volljährige Steinhäuser hatte außerdem
gewünscht, dass seine Eltern nicht über die Vorgänge informiert
werden. Am 26. April hatte der Amokschütze an seinem ehemaligen
Gymnasium 12 der 53 Lehrer und zwei Schüler erschossen und sich dann
selbst getötet. Außerdem starben die Schulsekretärin und ein
Polizist. |
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| 05.07.2002 | 00:21 |
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