|
|
|
 |
Die 16 Bundesländer wollen
spezielle Lösungen für die Abiturienten des Erfurter
Gutenberg-Gymnasiums bundesweit anerkennen. Das vereinbarten die
Kultusminister bei einem Treffen nach der Trauerfeier für die Opfer
des Amoklaufes. Die 80 Schüler müssten nicht noch einmal in eine
Prüfung. "Es kann nicht sein, dass die Abiturienten durch diese
Wahnsinnstat Nachteile haben", sagte ein Sprecher.
Thüringens
Kultusminister Krapp hatte für die Abgänger bereits eine
Sonderregelung zur Anerkennung der Hochschulreife angekündigt. Bis
zum Jahresende würde nach individuellen Lösungen für die Schüler
gesucht, so dass jeder der Betroffenen das Abitur ablegen könne.
Krapp sagte, eine der ersten Aufgaben sei es, den Stand der
schriftlichen Prüfungen zu erfassen und jedem Abiturienten
zuzuordnen. Die Schüler selbst seien unterschiedlicher Meinung.
Einige sagten, sie wollten die Prüfungen ablegen, weil sie es ihren
Lehrern schuldig seien, andere fühlten sich derzeit dazu
außerstande. Die wichtigsten schriftlichen Prüfungen seien
allerdings bereits abgelegt.
|
|
Schulen sollen nicht
zur Festung werden
Zuvor hatten die Minister
angekündigt, die Gewalttat von Erfurt zum Anlass für eine intensive
Beschäftigung mit dem Thema Gewalt zu nutzen. Schon zum zweiten Mal
seien in Deutschland Lehrer Opfer von Gewaltverbrechen geworden.
Dies gebe angesichts der besonderen Brutalität, mit der der
Todesschütze vorgegangen sei, "Anlass zu großer Sorge." Jedoch
dürften die Schulen nun "nicht zu Festungen werden", sie müssten
weiterhin offene Orte der Kommunikation und Begegnung
bleiben.
|
|
Schröder: Weniger
Gewalt in den Medien sind wir Opfern schuldig
Bundeskanzler Schröder erklärte in einem Brief an die
Bevölkerung, dass Gewaltdarstellungen in den elektronischen Medien
stark verringert werden müssen: "Das sind wir den Opfern von Erfurt
schuldig". Medien und Politik müssten dafür sorgen, dass sich eine
solche Tat nicht wiederhole - "So weit das menschenmöglich ist."
Dafür solle auch der Runde Tisch zur Begrenzung von
Gewaltdarstellung in Fernsehen und Internet sorgen, über den sich am
Donnerstagabend Schröder und die Intendanten privater und
öffentlich-rechtlicher Fernsehsender geeinigt hätten. Das Gremium
soll Vorschläge für einen besseren Jugendschutz und einen
Richtlinien für den Umgang mit Gewaltszenen im Fernsehen, Internet
und in Computerspielen erarbeiten.
|
|
ARD und ZDF sehen
keinen Korrekturbedarf
ZDF-Intendant Schächter erklärte
am Donnerstagabend, er werde dem Runden Tisch einen Verhaltenskodex
über den Umgang mit Gewalt im Fernsehen vorlegen. Bei seinem Sender
sehe er allerdings "keinen großen Korrekturbedarf". MDR-Intendant
Reiter forderte, auch Online-Anbieter an Gesprächen zu beteiligen.
Was im Internet an Brutalität und Menschenverachtung gezeigt werde,
stelle alles in den Schatten. ARD-Chef Pleitgen erklärte, er hoffe
auf konkrete und umsetzbare Vorschläge. Er betonte, seine Anstalt
habe bisher keine Grenzen überschritten. Die Sender planen
Aufklärungsspots zu senden, in denen Gewalt als
Konfliktlösungsmittel geächtet wird.
|
|
| 04.07.2002 | 22:55 |
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
 |
Mehr aus mdr.de |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
Hier finden Sie eine Bilanz von Regierung und
Opposition.
|
 |
|
 |
 |
|