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In Erfurt haben mehr als
100.000 Menschen Abschied von den Opfern des Amoklaufs am
Gutenberg-Gymnasium genommen. Der Domplatz war bis in die
Nebengassen mit Trauernden gefüllt, die mit einer Andacht den Toten
die letzte Ehre erwiesen. Vor dem Dom ragte ein 10 Meter hohes,
weißes Holzkreuz zur Erinnerung, auf den Stufen brannten 16 Kerzen
für die Opfer, gesäumt von einem Blumenmeer. Auf einer riesigen
Leinwand waren Bilder des Gutenberg-Gymnasiums zu sehen, daneben
standen aufgelistet auf einem weißen Banner die Namen der
Ermordeten.
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Trauerfeier vor
Erfurter Dom
Zu Beginn der Trauerzeremonie erklang
Schuberts "Unvollendete". Thüringens Ministerpräsident Vogel sprach
vor den tausenden Menschen: "Erfurt trauert. Thüringen trauert.
Deutschland trauert." Er erinnerte, die Angehörigen, Lehrer und
Schüler des Gutenberg-Gymnasiums nicht in ihrem Schmerz allein zu
lassen. Vogel mahnte an, dass das gemeinsame Entsetzen "uns nicht
lähmen darf". "Von dieser Stadt geht auch Hoffnung aus", sagte der
Regierungschef.
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Rau: Amoklauf hat
fürchterlichen Schmerz gebracht
Bundespräsident Rau
sprach in seiner Trauerrede von einer Stadt, in "der der Tod eine
furchtbare Spur gezogen und einen fürchterlichen Schmerz gebracht
hat". Er warnte vor vorschnellen Konsequenzen aus der Bluttat. "Wir
sollten uns eingestehen, wir verstehen diese Tat nicht", sagte Rau.
Er erinnerte an die Toten, an die zwölf Lehrer, die Sekretärin, an
die zwei Schüler und den Polizisten. Es gehe, an erster Stelle
"heute um die Trauer um die Opfer und das Mitgefühl für alle, die so
plötzlich einen nahen Menschen verloren haben." Rau sagte, seine
Gedanken gingen aber auch zur Familie des Täters, deren Trauer und
Scham niemand ermessen könne. "Ich möchte ihnen sagen: Was immer ein
Mensch getan hat: er bleibt ein Mensch."
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Schülerin: In unserem
Herzen ist eine Leere
Im Namen ihrer Mitschüler und
Lehrer nahm Constanze Krieg, Abiturientin des Gutenberg-Gymnasiums,
mit einer Rede Abschied von den Opfern. Sie sagte in einer
bewegenden Ansprache: "In unserem Herzen ist eine Leere
eingetreten." Sie erinnerte, dass es an der Schule vor dem Amoklauf
eine "familiäre Atmosphäre gab", und das "soll auch wieder so
werden". Tief bewegt zeigte sich auch Erfurts Oberbürgermeister
Ruge. "Geben wir aufeinander Acht", sagte Ruge vor den Menschen, die
dicht gedrängt auf dem Domplatz standen. Er sagte, man müsse nun
darüber nachdenken, wo die Gesellschaft Fehler gemacht oder versagt
habe. Um punkt zwölf Uhr läuteten die Glocken des Erfurter Doms, mit
einer Schweigeminute im Land wurde der Toten
gedacht.
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An der Trauerfeier vor dem
Erfurter Dom nahmen auch Bundeskanzler Schröder, die
Ministerpräsidenten mehrerer Länder und Spitzenpolitiker aller im
Bundestag vertretenen Parteien teil. Mehr als 5000 Schüler waren am
Morgen aus verschiedenen Städten zur Trauerzeremonie angereist. In
einem anschließenden ökumenischen Gottesdienst gaben die drei
Thüringer Bischöfen Axel Noack, Christoph Kähler und Joachim Wanke
den Toten die letzte Ehre. Bischof Kähler rief die Menschen auf,
sich mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Nur so könnten "Wut und
Enttäuschung, Zorn und Bitterkeit" überwunden werden. Die Bischöfe
Noack und Wanke sprachen Gebete und Segensworte. Am Nachmittag
sollten die meisten Opfer auf dem Erfurter Hauptfriedhof im engsten
Familienkreis beigesetzt werden.
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Trauer auch an anderen
Orten
Zeitgleich zu der Erfurter Trauerzeremonie haben
auch Lehrer und Schüler in anderen Orten der Opfer gedacht. In
Berlin bekundeten Schulen ihrer Trauer mit den Toten. Rund 1000
Schüler und Lehrer überreichten in Berlin der thüringischen
Landesvertretung ein Kondolenzschreiben. In München hatten am
Donnerstag Schüler und Lehrer eine Andacht für die Erfurter Opfer
gehalten.
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| 04.07.2002 | 23:08 |
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