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Überall löste das Blutbad
Entsetzen aus. Bundespräsident Rau sagte: "Deutschland trauert über
ein unfassbares Geschehen." Für ganz Deutschland wurde am Wochenende
Trauerbeflaggung angeordnet.
Am Sonnabendmorgen war das
Thüringer Kabinett zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um über
Hilfen für die Opfer zu beraten. Danach trugen sich die Minister in
das Kondolenzbuch der Stadt ein, dass seit dem Morgen im Rathaus
ausliegt. Die Schlange derjenigen, die auf diese Weise den Opfern
und ihren Angehörigen ihre Anteilnahme ausdrücken wollen, reißt
nicht ab. Vor dem Gutenberg-Gymnasium legten auch am Tag nach der
Tragödie viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen
an.
Thüringens Ministerpräsident Vogel war noch am späten
Abend am Erfurter Gutenberg-Gymnasium eingetroffen. "Ich glaube,
dass die Betroffenheit wichtig ist und Resignation die falsche
Antwort wäre", sagte Vogel. Zugleich warnte er vor voreiligen
Schlussfolgerungen. Jetzt dürften nicht "aus dem Stand heraus"
Erklärungen abgegeben werden.
Auch Papst Johannes Paul II.
hat den Hinterbliebenen des Blutbades im sein tiefes Beileid
ausgesprochen. In einem Telegramm an den Erfurter katholischen
Bischof ließ Papst Johannes Paul mitteilen, er sei bestürzt über die
Nachricht von dem Amoklauf, der 17 Menschen das Leben kostete. Das
Kirchenoberhaupt wünschte den Familienangehörigen Kraft in der
schwierigen Situation und sprach ihnen Trost zu. |
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Suche nach Gründen
Die Entwicklung von Schülerhass auf Lehrer wird nach
Ansicht des Bielefelder Konfliktforschers Dollase auch vom deutschen
Notensystem und der Lehrerausbildung begünstigt: "Natürlich sind
solche Extreme Einzelfälle", sagte der Psychologe in einem
dpa-Gespräch: "Aber sie gedeihen auf einem Humus, für den einige
Fehlentwicklungen typisch sind."
Die Pädagogen würden zu
wenig auf Konflikte vorbereitet, meint Dollase. Schädlich für das
Lehrer-Schüler Verhältnis sei aber auch das deutsche Benotungssystem
- vor allem für die mündliche Leistung. Vielfach fehlten Kriterien,
weswegen Schüler für schlechte Noten leicht persönliche Abneigungen
von Lehrern verantwortlich machten. Hinzu komme ein "maßloser
Abitur-Ehrgeiz" der Gesellschaft, die andere Schulabschlüsse kaum
noch würdige oder mit Berufschancen ausstatte.
Dieser falsche
Ehrgeiz schüre Angst. Wenn dann das Scheitern eines Schülers von
diesem eindeutig als Schuld der Lehrer gewertet werde, könne es in
Einzelfällen zu extremen Rachefeldzügen kommen.
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"Amerikanische
Verhältnisse"
Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangt
mehr Sicherheit an deutschen Schulen. Es gebe jetzt "die
amerikanischen Verhältnisse, vor denen wir immer gewarnt haben",
sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft,
Wendt, dem ddp. Deshalb seien auch Sicherheitsstandards notwendig
"bis hin zu uniformierten Wachpersonal".
Es gehe nicht um die
Schule als Hochsicherheitstrakt, sondern um sichere Schulen, fügte
Wendt hinzu. Gewalt an den Schulen sei alltäglich geworden - auch
Raub oder Körperverletzung. Die Schulen müssten auch besser
ausgestattet werden. "Der Zustand der Schulen und die Aggressivität
hängen doch zusammen", sagte Wendt. |
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| 04.07.2002 | 22:05 |
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