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Eva-Maria Stange: Innehalten nach Erfurt
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Eva-Maria Stange ist Vorsitzende der Gerwerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Wir trauern um die Opfer und finden kaum die richtigen Worte gegenüber den Hinterbliebenen und traumatisierten Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, die sich im letzten Moment noch retten konnten. Was führt einen jungen Menschen zu so einer brutalen und sinnlosen Tat? Warum wurden vor allem Lehrerinnen und Lehrer zu Opfern dieses Amoklaufs? Statt schnelle Antworten zu ziehen, sollten alle innehalten und nachdenken: Was läuft schief in unserer Gesellschaft, was wirft junge Menschen derart aus der Bahn?
Wenn wir nach Ursachen suchen, heißt das nicht, dass die Tat oder der Täter entschuldigt werden sollen. Vieles liegt in der Persönlichkeit des 19-Jährigen, was nur durch Psychoanalytiker ergründet werden kann. Doch es gibt offenbar Faktoren, die diese Grundlagen verstärken und letztlich zum Überschreiten der Hemmschwelle führen. Es war auch nicht das erste Mal, dass Lehrkräfte Opfer gewalttätiger Ausbrüche von Schülern wurden, und wir haben bereits die ersten Nachahmer nach Erfurt. Die Ursachen sind vielfältig und offenbar erst in ihrer Summe wirksam.

Gewaltverherrlichende Filme, Videos und Computerspiele, die ungehindert und vielfach unkontrolliert bereits von kleinsten Kindern konsumiert werden. Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten ? ein einfaches und brutales Schema. Selbst in den Nachrichten zur besten Sendezeit. Wer ist für die Herstellung, Verbreitung und letztendlich für die Kontrolle des Konsums verantwortlich? Unsere Gesellschaft lässt es zu, dass Gewalt gegen Menschen ? die man in Fernsehen oder am Computer nicht schmerzlich spüren kann ? Einzug in jedes Kinderhirn halten kann. Wer schaltet den Fernseher oder Computer aus? Wer spricht mit den Kindern über das Gesehene?
Falsch verstandene Liberalität

Sicher: Deutschland hat ein schärferes Waffengesetz als Amerika. Aber wieso können Menschen in unserem Land bereits mit 19 Jahren (und früher) so viel Munition und Waffen legal in ihrem Besitz haben? Wozu? Um Sport (!) zu treiben reicht es, wenn die Waffen im Depot des Vereins gut verschlossen aufbewahrt werden. Ich habe kein Verständnis für derartige Liberalität unserer Gesellschaft. Vielleicht denken die Gesetzgeber heute anders darüber und lassen sich nicht von der Lobby der Waffenbesitzer unter Druck setzen.

Wieso wurden die Signale nicht rechtzeitig wahrgenommen, die darauf hingewiesen haben, dass hier ein junger Mensch nicht fertig wird mit dem Konflikt zwischen Anspruch und Versagen? Waren die Ansprüche an ihn zu hoch und sein Selbstbewusstsein zu schwach. Wer hat diese Erwartungen an gute Leistungen geschürt? Die Eltern? Oder die Schule? Selbstbewusstsein eines Menschen entwickelt sich in frühester Kindheit, durch Achtung der Erwachsenen gegenüber der Entwicklung, aber auch der Fehler ihrer Kinder.
Leistungsbegriff grenzt aus

Wurde zu spät erkannt, dass der Leistungsdruck unserer Gesellschaft bei schwachen Menschen zur Suche nach Schuldigen für das eigene Versagen führt? Nur wer gut ist und Leistungen bringt, kann was werden, ein Leistungsbegriff, der sich fest in vielen Köpfen verankert hat, der ausgrenzt, der Verlierer und Gewinner produziert.

Junge Menschen wollen erfolgreich sein, aber sie brauchen Hilfe auf diesem Weg und nicht Druck. Hätten die Lehrkräfte und Eltern rechtzeitiger den inneren Rückzug in eine Scheinwelt erkennen können und müssen? Und nicht zuletzt: Wer hat sich die Zeit genommen, mit dem Jungen zu reden? Über seine Versagensängste, über seine Zukunftsträume, über die Möglichkeit der Lösung des Konfliktes? Wohlgemerkt, nichts kann die Tat entschuldigen. Aber die Gesellschaft muss die Ursachen finden, die vielleicht im nächsten Moment erneut zum Durchbrechen der Schallmauer führen könnten.

Zwischenüberschriften von MDR ONLINE
04.07.2002 | 21:48  
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