Dies ist das Archiv von MedienGewalt.de.
Das Archiv enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.
MedienGewalt.de steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.


mdr.de
ard.de
Sitemap Hilfe Kontakt Impressum Dienstag, 08. Oktober 2002
die besten Nintendo Spiele
Überblick

Entschließungsantrag der Fraktionen

CDU, PDS und SPD zu der Regierungserklärung "Der 26. April 2002 und die Konsequenzen"
Der Thüringer Landtag hat am 23. Mai beschlossen:

1. Das entsetzliche Verbrechen am Erfurter Gutenberg-Gymnasium macht uns tief betroffen. Wir trauern um die Toten. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.

Unser Mitgefühl gilt den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrerinnen und Lehrern des Gutenberg-Gymnasiums, den Polizisten und allen, die die entsetzliche Tat erlebt, die Freund und Freundin, Lehrer und Kollegen verloren haben.

Die Anteilnahme, die sie erfahren, ist groß, ebenso der Zusammenhalt zwischen Schülern, Lehrern und Eltern des Gutenberg-Gymnasiums. Das Maß an Solidarität untereinander, das Zusammenrücken der Bevölkerung beeindruckt.

2. Wir danken insbesondere den Lehrerinnen und Lehrern des Gutenberg-Gymnasiums, die sich trotz eigener großer Verunsicherung mit aller Kraft um die Schülerinnen und Schüler kümmern.

Unser Dank gilt auch den zahlreichen Helfern, den Sicherheitskräften, den Seelsorgern und Psychologen sowie den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, die seither auf vielfältige Art versuchen, den Betroffenen in ihrer schwierigen Situation zu helfen. In der Stadt Erfurt wurde und wird umsichtig gehandelt.

3. Es ist gut, dass die Thüringer Landesregierung den Angehörigen der Opfer unmittelbar und unbürokratisch Hilfen; auch finanzieller Art, angeboten und darüber hinaus zugesagt hat, ihnen soweit wie möglich Einsicht in die Untersuchungs- und Ermittlungsergebnisse zu geben.

4. Wir begrüßen die Absprache mit der Kultusministerkonferenz, dass den Schülerinnen und Schülern des diesjährigen Abiturgangs des Gutenberg-Gymnasiums individuelle Lösungen für ein bundesweit anerkanntes Abitur angeboten werden.

5. Wir fordern ein Bündnis gegen Gewalt, für das sich jeder engagiert und das Zivilcourage erfordert. Gewalt, egal welcher Art, egal wie motiviert, darf keine Duldung oder Verharmlosung erfahren. Notwendig ist ein gesellschaftlicher Diskurs über die Ursachen von Gewalt.

Wir brauchen eine bundesweite Debatte über die Art, wie wir miteinander leben, welche Werte unsere Gesellschaft tragen und welche Bedeutung Familie, Erziehung und Bildung haben. Wir müssen ?einander achten und aufeinander achten? (Bundespräsident Rau). Darüber ist die Diskussion zu führen, in den Familien, in den Schulen, in Vereinen und Verbänden, in den Kommunen und hier im Landtag. Wir hoffen, dass der Bundestag die Anregung des Thüringer Ministerpräsidenten zu einer grundlegenden Debatte aufgreift.

6. Wichtig ist eine Erziehung, die sich an der Würde des Menschen orientiert. Wir müssen Kindern ein Selbstwertgefühl vermitteln, das ihre individuellen Befähigungen anerkennt. Es ist wichtig, Ängste zu nehmen und Geborgenheit zu geben. Gewalt ist kein Mittel zur Konfliktbewältigung, zur Kompensation von Misserfolgen und Enttäuschung. Auch in Familien darf Gewalt keinen Platz haben.

Die Familien müssen ihren Erziehungsauftrag umfassend wahrnehmen. Eltern haben das Erziehungsrecht, aber auch die Erziehungspflicht. Wir müssen die Familien stärken und sie bei ihrer Erziehungsarbeit unterstützen. Die Erziehungskompetenz gilt es zu verbessern.

Eltern bereits volljähriger Kinder müssen ein Recht auf Information über die schulische Belange erhalten. Wir unterstützen das Bemühen der Thüringer Landesregierung, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu prüfen.

7. Schule muss sich ebenfalls ihres Erziehungsauftrages bewusst sein. Neben der Wissensvermittlung muss sie die sozialen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler entwickeln helfen, zur gegenseitigen Verantwortung erziehen und durch Wertevermittlung Orientierung geben. Dazu braucht Schule die Anerkennung und Unterstützung der Gesellschaft. Das gilt insbesondere auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die eine wesentliche Aufgabe für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft übernehmen.

Bildung muss in unserer Gesellschaft mehr Bedeutung beigemessen werden und umfasst nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern immer auch die Vermittlung von Werten und damit die Erziehung. Jedes Bündnis gegen Gewalt erfordert insofern auch ein Bündnis für Bildung.

Lehrkräfte müssen Schülerinnen und Schüler insbesondere gegen Gewalt und Mobbing sensibilisieren, Konfliktlösungsstrategien aufzeigen und dies gemeinsam an den Schulen umsetzen. Es ist notwendig, ihnen in der Aus- und Fortbildung dazu die theoretischen Grundlagen und praktischen Hilfen an die Hand zu geben.

Eltern und Lehrkräfte müssen die Erziehung als gemeinsame Aufgabe verstehen und sich über Probleme vor Ort verständigen. Dazu gehört auch die Kooperation mit Schulpsychologen, Sozialpädagogen, Beratungslehrern und Mitarbeitern der Jugendhilfe. Wir unterstützen das Vorhaben, durch eine Stärkung der Schulsozialarbeit diese Kooperation zu verbessern.

Wir fordern die Landesregierung auf, im Rahmen einer Novellierung des Thüringer Schulgesetzes, weitere Möglichkeiten von Schulabschlüssen auch an Gymnasien vorzusehen.

Auch müssen die regionalisierten Ergebnisse der Pisa-Studie berücksichtigt werden. Die Fragen nach Schulabschlüssen und Qualitätssicherung bzw. ?verbesserung sowie der Bezug beider zueinander, erfordern eine grundlegende und vorurteilsfreie Diskussion. Wir müssen die Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems analysieren und die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Entsprechend den Schutzbedürfnissen sind die Sicherheitsvorkehrungen an den Schulen zu überprüfen. Im direkten Kontakt zwischen Schule, Schulträger, Eltern und Sicherheitskräften müssen konkrete Sicherheitskonzepte entwickelt werden. Eine Schule als Festung aber wollen wir nicht.

8. Den Medien kommt mit Blick auf Gewaltdarstellungen eine besondere Verantwortung zu. Eine Stärkung der Selbstkontrolle ist notwendig. Wir begrüßen die jetzt in Angriff genommene Änderung des Jugendschutzgesetzes, mit der u.a. der Verleih und Verkauf entsprechender Videos und Computerspiele an Jugendliche verboten wird.

Geprüft werden muss darüber hinaus ein generelles Verbot der Verbreitung gewaltverherrlichender und schwer jugendgefährdender Videofilme, Killerspiele und Musiktexte. Wir begrüßen, dass die Thüringer Landesregierung sich gegenüber der Bundesregierung für ein solches generelles Verbot ausgesprochen hat und die rechtlichen Voraussetzungen dafür auf Bundesebene zur Zeit geprüft werden.

Wir unterstützen die von der Bundesregierung initiierte Einrichtung eines runden Tisches mit Vertretern aus den Bereichen Internet sowie Video- und Computerspielindustrie und den Ländern.

9. Wir begrüßen den Beschluss der Thüringer Landesregierung, zur Novelle des Waffengesetzes den Vermittlungsausschuss aus Bundestag und Bundesrat anzurufen.

Es muss eine Verschärfung dieses Gesetzes mit Blick auf den Waffen- und Munitionserwerb sowie deren Lagerung vorgenommen werden.

Erfurt, den 22.05.2002

Für die Fraktion der CDU
Dieter Althaus

Für die Fraktion der PDS
Bodo Ramelow

Für die Fraktion der SPD
Heiko Gentzel

24.06.2002 | 17:06  
http://www.wahl.tagesschau.de/

Hier finden Sie eine Bilanz von Regierung und Opposition.

Das Nachrichtenmagazin

Dienstag, alle 14 Tage, 20.15 Uhr

Thema der letzen Sendung: Der Gurkenhobelstreit

Nachrichten

Die ganze Vielfalt der Nachrichten.

Schnelle und seriöse Informationen, geordnet und nach Ihren Bedürfnissen aufbereitet.

Kindersicherung


Nachrichten

Schnell, prägnant, zuverlässig

Die wichtigsten internatio-nalen und nationalen Ereignisse sowie aktuelle Entwicklungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Software
Software
Kindersicherung TimeRestrict
Das Nachrichten-Portal

 
 
nach oben
 © 2002 | MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK