Dies ist das Archiv von MedienGewalt.de.
Das Archiv enthält Momentaufnahmen von Webseiten.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert.
MedienGewalt.de steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.


mdr.de
ard.de
Sitemap Hilfe Kontakt Impressum Dienstag, 08. Oktober 2002
die besten Nintendo Spiele
Überblick

Rede von CDU-Fraktionschef Althaus
Sehr verehrte Frau Präsidentin,

meine sehr verehrten Damen und Herren,


das entsetzliche Verbrechen vor einem Monat am Erfurter Gutenberg-Gymnasium hat ganz Deutschland erschüttert.

Für die CDU-Fraktion möchte ich unsere tiefe Betroffenheit erneut zum Ausdruck bringen. Wir trauern um die Toten. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.

Unser Mitgefühl gilt auch den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrerinnen und Lehrern des Gutenberg-Gymnasiums, den Polizisten und allen, die die entsetzliche Tat erlebt, die Freund und Freundin, Ehepartner, Kinder, Lehrer und Kollegen verloren haben.

Der Schmerz über diese entsetzliche Tat ist unermesslich. Umso wertvoller ist der große Zusammenhalt zwischen Schülern, Lehrern und Eltern des Gutenberg-Gymnasiums, die Anteilnahme und die Unterstützung, die sie so zahlreich erfahren.

Die Lehrerinnen und Lehrer des Gutenberg-Gymnasiums kümmern sich trotz eigener Betroffenheit und großer Verunsicherung mit aller Kraft um die Schülerinnen und Schüler. Dafür gilt ihnen unser besonderer Dank.


Unser Dank gilt auch den zahlreichen Helfern, den Sicherheitskräften, den Seelsorgern und Psychologen sowie den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, die seither auf vielfältige Art den Betroffenen in ihrer schwierigen Situation helfen.

Die Stadt Erfurt, allen voran Oberbürgermeister Manfred Ruge, hat mit Engagement und großer Sensibilität gehandelt. Das Rathaus als Ort der Begegnung für Schüler, Lehrer, Psychologen und Seelsorger ist zum Symbol für den besonderen Zusammenhalt in dieser Stadt geworden.

Der Thüringer Landesregierung, im Besonderen Ministerpräsident Bernhard Dr. Vogel danken wir ebenfalls für die große Umsicht, mit der gehandelt wurde. Es ist gut, dass den Angehörigen der Opfer unmittelbar und unbürokratisch Hilfen, auch finanzieller Art, zuteil wurden und werden.

Nach der Fassungslosigkeit, nach dem Entsetzen, nach der Trauer, kommt verständlicherweise der Versuch das Unerklärbare zu erklären, der Versuch, Irrationales rational nachzuvollziehen und zuweilen auch der Versuch, die Schuldfrage zu klären. Wir erleben allerdings auch eine kleinkarierte Debatte um schulrechtliche und schulorganisatorische Fragen, die nach dieser Bluttat meiner Ansicht nach nicht angemessen ist. Diesen Weg sollten wir nicht gehen. Warum bleiben wir nicht, wie mehrfach betont wurde, bei der grundsätzlichen Debatte, die dem Verbrechen eher gerecht wird?

Denn: "Das Herz des Menschen ist ein Abgrund", so Bischof Wanke vor wenigen Tagen am Himmelfahrtstag. Der Mensch definiert sich durch seine Freiheit als Mensch. Diese Freiheit ist immer eine "Freiheit zum Guten" , aber auch eine "Freiheit zum Bösen" (Wanke).

Der Täter hatte sich für den Mord entschieden. Dies war keine Tat im Affekt, sondern die Folge einer bewussten Entscheidung. Aber warum diese Entscheidung?

Bischof Kähler hat bei dem Trauergottesdienst auf dem Domplatz ausgesprochen, was allzu wahr ist und uns auch Angst macht: "Mord beginnt im Herzen ? unsichtbar. Dann setzt er sich im Kopf fest. Der Mord beginnt in meinem und deinem Herzen. Er beginnt mit der Wut, der Enttäuschung."

Aber, müssen wir fragen, Wut und Enttäuschung verspüren doch tagtäglich Millionen von Menschen? Also bleibt die quälende Frage nach dem Warum? Diese Frage ist berechtigt und notwendig, aber sie darf uns weder lähmen, noch zu allzu einfachen, scheinbar schlüssigen Antworten verleiten. Denn die Folge wäre, uns vorzugaukeln, wir könnten nach Klärung der Schuldfrage, solche Taten gänzlich verhindern.

Wir werden nie verhindern können, dass jemand versagt, egal welche gesetzlichen Regelungen wofür auch immer wir haben. Versagen und Enttäuschung sind zudem ein zutiefst subjektives Empfinden, das bei objektiv gleicher Lage von zwei Menschen unterschiedlich empfunden werden kann.

Die entscheidende Frage, die sich uns stellt, lautet doch: Wie schaffen wir es, dass bei aller Enttäuschung, bei allem Frust, bei allem Schmerz, die ein Mensch empfindet, das Leben an sich unantastbar ist. "Du sollst nicht töten", heißt es in der Bibel. Es ist eine Frage der Ehrfurcht vor dem Leben ? der Ehrfurcht vor dem eigenen Leben und vor dem des Anderen.


"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Diese Formulierung wurde bewusst als erster Satz in Artikel 1 des Grundgesetzes aufgenommen und hat Konsequenzen für die Handlungsfreiheit des Staates und jedes einzelnen Bürgers.

Dies ist die Dimension der Fragestellung, mit der wir uns befassen müssen. Dies sind wir auch den Opfern und ihren Angehörigen schuldig.

"Prüfe sich jeder selbst und erspare sich nichts. Nur wer die Augen nicht vor sich selbst verschließt, kann anders handeln und mit anderen zusammen Leben gewinnen", so Bischof Kähler.

Es geht nach meiner Überzeugung deshalb um wirkliche Impulse für ein Kultur der Gemeinsamkeit und eine Bildungskultur. Dafür müssen wir die Wurzeln stärken und die Verantwortlichkeit fordern und fördern.

In den letzten Tagen habe ich angeregt, die Kirchen könnten ein Forum für diese Reflexion und den notwendigen Dialog bieten. Mir ist bewusst, dass diese Diskussion grundsätzlich in der Demokratie, in ihren vielfältigen Institutionen geführt werden muss, aber helfen nicht auch Räume und Gesprächspartner, die für einen Geist der Mitmenschlichkeit symbolhaft stehen?

Ganz offensichtlich brauchen wir eine ernsthaftere gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir miteinander leben, welche Werte unsere Gesellschaft tragen, die deshalb für uns persönlich wesentlich sein müssen.

Der Verweis auf die allgemeine Diskussion bedeutet nicht, dass sich Politik aus der Verantwortung zieht. Im Gegenteil, jeder muss in seinem Verantwortungsbereich Konsequenzen ziehen, auch die Politik, aber sie nicht allein.

Wo entstehen Gewalt und Aggressivität, wo und wie entfalten sie sich scheinbar oder auch angeblich unerkannt, wie werden wir aufmerksam, was tun wir?

Fragen über Fragen - wir sollten uns vor schnellen bzw. allzu einfachen Antworten hüten. Für mich ist das Gespräch in den Familien, in den Schulen, am Arbeitsplatz, in Vereinen und Verbänden, in der Politik entscheidend. Überall geht es darum, eine Kultur der Werteorientierung, der Achtung der Menschenwürde, der Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, der Toleranz und des Respekt sowie der Aufmerksamkeit zu stärken - Erziehungs- und Bildungsziele, die eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft sind.

Wir brauchen ein Bündnis gegen Gewalt. Was meinen wir damit? Ein zu unterschreibendes Programm oder eine Aktion? Ja, warum nicht, aber noch wichtiger ist, dass jeder seine Verantwortung wahrnimmt.

Wir müssen uns insbesondere mit den Ursachen von Gewalt befassen und dort ansetzen. Minderwertigkeitsgefühl, Frust und Aggression werden auch durch Gewalt kompensiert. Sie lassen sich nie ganz vermeiden, aber wir müssen aufmerksamer werden und besser damit umgehen. Wir müssen uns auch fragen, warum davon vorrangig Jungen bzw. Männer in unserer Gesellschaft betroffen sind.

Wichtig ist, dass wir Kindern und Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit widmen, sie annehmen mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihrer ganzen Persönlichkeit und uns ihren persönlichen Problemen zuwenden. Jeder Mensch will im Grunde geliebt werden, will Wertschätzung erfahren und Achtung genießen, d.h. wir müssen die Chancen für erfolgreiche Entwicklungen bei jedem erkennen und fördern, statt durch eine ständige Zeigefingererziehung positive Entwicklungschancen zu beeinträchtigen und Probleme stetig zu verstärken.

Gerade junge Menschen brauchen einerseits Verständnis und Rückhalt, aber auch klare Grenzen. Sie müssen lernen, ihre Stärken und Schwächen zu akzeptieren und Verantwortung für sich selbst und für andere, für jüngere, gleichaltrige und ältere zu übernehmen.

Dazu muss ein familiäres, schulisches und gesellschaftliches Umfeld vorhanden sein, das dem Einzelnen hilft, wenn sich Probleme abzeichnen, das Warnsignale, die oft genug zugleich der Schrei nach Hilfe sind, wahrnimmt und sensibel darauf reagiert. Dies sind wesentliche Voraussetzungen für eine Kultur der Gemeinsamkeit.

Zu unserer Kultur gehört auch ein gesundes Leistungsverständnis, nach dem jeder seine Fähigkeiten und Begabungen entfaltet und diese für sich und die Gemeinschaft einsetzen kann. Leistung hat in unserer Gesellschaft zu Recht einen hohen Wert und ich verstehe die Tendenz, Leistung und die Forderung nach ihr zu diskreditieren, nicht. Die Ergebnisse der Pisa-Studie mahnen uns doch gerade zu mehr Konsequenz mit Blick auf Leistung.

Ein positives Leistungsverständnis und eine positive Leistungserfahrung stärken auch das Selbstwertgefühl junger Menschen. Und richtig ist auch, nur wenn wir Begabungen und Talente auch erkennen und gesondert fördern, sichern wir die Zukunftsfähigkeit unserer freiheitlichen und solidarischen Gesellschaft.

Kinder und Jugendliche müssen aber auch lernen, mit Misserfolgen human umzugehen. Es ist wesentlich, dass Jugendliche für sich eine Zukunftsperspektive finden und eine positive Einstellung zu sich, zu ihrem unmittelbaren Umfeld und zu unserer Gesellschaft insgesamt entwickeln.

Vielfältige gesellschaftliche Sphären sind in diesem Zusammenhang zu besprechen, aber es wäre fatal, wenn wir allzu schnell versuchten, das Prinzip des Schwarzen-Peter- Spiels anzuwenden.

Eltern

Das Klima im Elternhaus ist ganz entscheidend für die kindliche Entwicklung. Eltern haben das Erziehungsrecht, sie haben aber auch die Erziehungspflicht. Sie tragen Verantwortung für das Kind und haben eine Vorbildfunktion, die sie selbst nicht unterschätzen dürfen. Wir müssen sie ermutigen und unterstützen, ihren Erziehungsauftrag umfassend wahrzunehmen. Bei der Kooperation mit Kindergärten bzw. Schulen muss es deshalb immer auch darum gehen, das Bewusstsein der Eltern für ihre Erziehungsaufgabe zu fördern. Ihre Erziehungskompetenz gilt es zu stärken.

Eltern, die sich überfordert fühlen, müssen ausreichend Hilfen finden, wie sie schon im heutigen Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert sind. Wir sollten ihnen aber den Weg zu entsprechenden Beratungseinrichtungen erleichtern.

Kinder, die Gewalt in der Familie erleben ? Gewalt gegen Ehepartner, Gewalt gegen Kinder -, greifen später häufig auf Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung zurück. Gewalt darf in Familien keinen Platz haben.

Schule

Die Schule ist sich ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags bewusst. Bildung und Erziehung fallen im Übrigen bei einem Lehrer, der seine Profession versteht, nicht auseinander. Personale und soziale Fähigkeiten bedingen fachliche und methodische Fähigkeiten und Kenntnisse und umgekehrt. Bildung und Erziehung sind zwei Seiten einer Medaille.

Lehrkräfte müssen Schülerinnen und Schülern insbesondere gegen Gewalt und Mobbing sensibilisieren, Konfliktlösungsstrategien aufzeigen und diese gemeinsam an den Schulen umsetzen.

Dazu brauchen sie die Unterstützung der Gesellschaft und zwar mehr als bisher. Denn auch die Verunsicherung in der Lehrerschaft hat zugenommen.

Viele Lehrer fragen sich nach außen gerichtet: Was bin ich persönlich in der Gesellschaft wert? Wird mir vertraut und wird meine Arbeit unterstützt? Wird mir etwas zugetraut oder immer Neues zugemutet?

Und nach innen: Kann ich meinen Schülern noch vertrauen? Welche Risiken gehe ich in der Auseinandersetzung mit Schülern ein oder sollte ich diese lieber meiden?

Schule aber lebt nach innen und nach außen von einem Vertrauensverhältnis, für das wir alle Verantwortung tragen.

Wir müssen die Arbeit der Lehrer wertschätzen und das heißt ausdrücklich nicht Kritiklosigkeit. Aber wenn , Eltern, Lehrkräfte, wir alle die Erziehung als gemeinsamen Auftrag verstehen, dann müssen wir uns über pädagogische Leitlinien und konkrete Lösungen für Probleme verständigen, wir müssen uns achten und dies auch den Schülern gegenüber vermitteln. Die Kooperation mit Schulpsychologen, Sozialpädagogen und Mitarbeitern der Jugendhilfe kann helfen.

Schüler, Lehrer und Eltern müssen sich kennen und sich auch besser erkennen. Sie müssen sich gegenseitig informieren, wenn sich ein Mitschüler isoliert. Sackgassenentwicklungen müssen rechtzeitig erkannt werden, sonst können innere Verzweiflungen in Aggression umschlagen oder es können Miterzieher mit erheblich negativer Ausstrahlung an Einfluss gewinnen.

In diesen Tagen ist eine Diskussion auch über die Thüringer Schulabschlüsse entbrannt. Sie hat mit dem Verbrechen am Gutenberg-Gymnasium originär nichts zu tun. Die Fragen nach Schulabschlüssen und Qualitätssicherung bzw. ?verbesserung, auch der Bezug beider zueinander, erfordern eine grundlegende und vorurteilsfreie Diskussion. Wir müssen die Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems analysieren und die notwendigen Konsequenzen ziehen. Dazu zählt auch, dass wir im Rahmen des Thüringer Schulsystems Möglichkeiten weiterer Schulabschlüsse vorsehen werden.

Medien

Ein besonderes Problem ist die Präsenz von Gewalt in den Medien, im Fernsehen, auf Videos, im Internet und in Musiktexten. Gewaltdarstellungen sind leider viel zu selbstverständlich geworden. Wobei das eigentliche Problem die Verfügbarkeits-pluralisierung- und -dynamik darstellt.

Gewalt wird häufig verherrlicht und als faszinierend dargestellt. Kinder und Jugendliche aber können zwischen Fiktion und Realität nur schwer unterscheiden. Die Hemmschwelle gegenüber Gewalt sinkt. Dies ist eine Gefahr vor allem für labile Kinder.

Ich kenne die vielfältigen psychologischen Kompensationstheorien mit Blick auf die Wirkung solcher Filme und Spiele. Verkennen wir aber nicht, die Realität hat sich erheblich verändert, das World Wide Web und die Folgeentwicklungen sind erst seit wenigen Jahren so umfassend nutzbar.

Die Eltern bzw. die Erwachsenen wissen häufig gar nicht, mit was sich die Kinder beschäftigen. Uns ist diese Welt doch weitgehend verschlossen.

Die Kinder gehen nicht nur als Kommunikationspartner verloren, sondern sie leben zum Teil in einer anderen, einer virtuellen Welt. Mit Killerspielen reagieren sie sich nicht nur ab, sondern erlangen auch Fähigkeiten, die gefährlich werden können.

Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ, sprach kürzlich beim Erfurter Dialog von der "Hass-Industrie", die sich bereits etabliert habe und erheblich profitiere.

"Hass-Industrie" und "Spaßgesellschaft" ? beides pervertiert im Grunde unseren Anspruch auf Kultur. Die Bildungskultur und die Kultur der Gemeinsamkeit legt die Fundamente für eine verantwortliche Individualität und eine verantwortbare Gemeinschaft.

Deshalb fordern wir ein Verbot der Verbreitung gewaltverherrlichender Videofilme, Killerspiele und Texte. Auch wenn sofort kritische Stimmen sehr zu Recht auf die Internationalität und Verfügbarkeit dieser Produkte verweisen, rechtliche Normen aber haben auch einen wesentlichen erzieherischen Auftrag.

Im Grundsatz geht es darum, den Begriff der Kultur, der auch Lesen und Reden umfasst, nicht auszuhöhlen, in dem wir einer individuell ausgerichteten Spaßkultur das Wort reden und das Bild geben. Diese Tendenz, dann noch Tag für Tag tausendfach medialisiert, orientiert auf ein falsches Menschen -und Weltbild, ein Bild der Beliebigkeit, der Bindungslosigkeit und der individuellen Grenzenlosigkeit.

Waffenrecht

Das Waffenrecht muss mit Blick auf den Waffen- und Munitionserwerb sowie deren Lagerung verschärft werden. Es darf nicht sein, dass sich junge Menschen mit gefährlichen Waffen ausstatten und dafür notwendige Munition horten können. Auch ist sicher zu stellen, dass Schützen nicht im kampfmäßigen Schießen ausgebildet werden.

Die Schützen- und Jagdvereine müssen sich ihrer besonderen Verantwortung für ihre jungen Mitglieder, aber auch für die Gesellschaft insgesamt bewusst sein und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Es ist gut, dass wir als Fraktionen im Thüringer Landtag heute diese grundsätzliche Debatte führen und dadurch deutlich machen, dass wir bei allen Differenzen in der Tagespolitik in existentiellen Fragen unserer Gesellschaft zusammenstehen und in der Lage sind, gemeinsame Positionen zu vertreten. Unser gemeinsamen Antrag ist ein Ausdruck dafür.

Politik muss auch kontrovers diskutieren und darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Wir dürfen aber auch Betroffenheit und Entsetzen zeigen und in einer solchen Situation auch einmal sprachlos sein. Aber natürlich werden wir unseren politischen Auftrag zum Handeln erfüllen, nicht aktionistisch, sondern umsichtig und überlegt. Die Art der politischen Auseinandersetzung sollte nach diesen Tagen eine andere Prägung haben.

Einige Äußerungen veranlassen mich, sehr deutlich zu sagen: Zerreden wir doch aber nicht erreichten Fortschritte der Freiheit. Nach meiner festen Überzeugung war zu keiner Zeit der europäischen und deutschen Geschichte mit Blick auf Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde ein so positiver Stand erreicht wie heute. Die Aufklärung, die Entwicklung der Gleichberechtigung, die Bildungsoffensive der letzten Jahrzehnte und die Überwindung ideologisch orientierter und damit menschenverachtender Gesellschaftssysteme haben hervorragende personale und gesellschaftliche Ergebnisse gebracht. Eine andere Frage aber drängt sich als Folge dieser positiven Entwicklung auf: Gehen wir verantwortlich mit Freiheit und Wohlstand um?

Letztlich geht es um die Werte, die unsere Gesellschaft tragen. Sie müssen gelebt werden und erlebbar sein, auch oder gerade in der Politik. Die Kultur des fürsorglichen Miteinanders, die Kultur der Gemeinsamkeit und die Bildungskultur müssen gestärkt werden. Das ist das Entscheidende für die Weiterentwicklung unserer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft.

Auch dafür steht Erfurt: Das Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft untereinander, das Zusammenrücken der Bevölkerung hat dafür beeindruckende Zeichen gesetzt.

Diesen Weg müssen wir weiter gehen!

24.06.2002 | 17:38  
 
http://www.wahl.tagesschau.de/

Hier finden Sie eine Bilanz von Regierung und Opposition.

Das Nachrichtenmagazin

Dienstag, alle 14 Tage, 20.15 Uhr

Thema der letzen Sendung: Der Gurkenhobelstreit

Nachrichten

Die ganze Vielfalt der Nachrichten.

Schnelle und seriöse Informationen, geordnet und nach Ihren Bedürfnissen aufbereitet.

Kindersicherung


Nachrichten

Schnell, prägnant, zuverlässig

Die wichtigsten internatio-nalen und nationalen Ereignisse sowie aktuelle Entwicklungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Software
Software
Kindersicherung TimeRestrict
Das Nachrichten-Portal

 
 
nach oben
 © 2002 | MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK